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Krefelder Kulturfabrik: Die Kunst der Geistesblitze

Kulturfabrik : Die Kunst der Geistesblitze

Franco Melis und Franz Mestre lieferten mit ihrem Improvisationstheater unter anderem ein Weihnachtsständchen in der Kulturfabrik.

Die Geschenke unterm Weihnachtsbaum sind die Arbeitsaufträge für das Komiker-Duo, diesmal bestehend aus dem Krefelder Schauspieler Franz Mestre (Kresch-Theater) und seinem Kölner Kollegen Franco Melis. Der steht im Kölner Improvisationstheater „3koelscheinschuss“ normalerweise zusammen mit Susanne Pätzold und Axel Strohmeyer auf der Bühne. Es gab für die beiden eine Menge zu tun am Sonntagabend in der Kulturfabrik. 90 Besucher hatten verpackte Präsente mitgebracht. Dinge, die sie nicht wegschmeißen, aber irgendwie auch nicht verwenden können.

Den Gegenständen einen neuen Sinn zu geben, daraus hat die Reihe Masters of Impro seit Jahren schon ein kurzweiliges Unterhaltungsprogramm gezimmert, um wie am Sonntag den „Zauber der Weihnachtszeit spürbar zu machen“. Und das gelang auch in den knapp zwei Stunden, die neben vielen Lachern auch reichlich Zerstreuung vor der letzten Arbeitswoche vor Weihnachten bot.

Künstler müssen auf Geschenke des Publikums reagieren

Das Fest der Liebe bestimmte selbstredend auch die Geschichten in dem Improvisationstheater. Zur Einstimmung wurde erst einmal gesungen. Ein Medley aus Weihnachtsliedern, Schlag auf Schlag aneinander gedichtet. Ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Angefangen bei der Klappmaul-Puppe Ralf und dem kleinen Porzellan-Nilpferd Udo. Eine Geschichte des Kennen- und Liebenlernens, ein andauernder Dialog zwischen Melis und Mestre mit verstellten Stimmen. Jeder musste immer wieder blitzschnell und gescheit auf die Gedanken des Anderen reagieren. Alles war frei erfunden, denn was sich in den Geschenken verbirgt, wussten die beiden Komiker natürlich nicht.

Das Publikum durfte Stichworte vorgeben, die das Duo in seinem Spiel einbinden musste, was die Kombination natürlich noch einmal erschwerte. So kamen aber auch immer wieder lustige Zufälle zustande und Spontaneität wie im Zusammenspiel des Berufsrappers (Mestre) mit der „deutschen Frau am Glühweinstand“ (Melis), Anneliese und Ray. Zwei Welten prallten aufeinander. Das eine oder andere Mal gab es Gelächter im kleinen Saal. Über den Abend verteilt ergaben sich einige witzige Geistesblitze. Sie sind die Sahne auf dem Kuchen. Schauspielerische Akzente setzte unter anderem der Sketch der Brüder, die sich etwas schenken. Mestre stellte den misstrauischen Mann dar, Melis den ängstlichen. Beide Figuren wurden bis ins Extreme in Verhalten, Mimik und Gestik überzeichnet.

Das Zusammenspiel klappte gut. Vor allem aber war es die Kunst, dass in den etwa zwei Stunden der Aufführung trotz des schnellen Ablaufes – die Sketche reihten sich nahtlos aneinander – das Niveau des Humors nicht auf der Strecke blieb. Geblödelt wurde nicht, was sich auch immer wieder am einsetzenden Applaus des Publikums ablesen ließ. Nicht in jedem Fall waren die Vorgaben der Zuschauer mit ihren Stichworten und die Geschichten um die Geschenke vereinbar. Der Brunnen (Melis) und der Buchvorleser (Mestre) passte nicht. Schnell wurde der Versuch abgebrochen und mit neuen Dingen weitergemacht.

Über eine Tafel „Merci-Schokolade“ wurde ein Dankeslied gedichtet für den Tontechniker Björn und die Koordinatorin Heike, an späterer Stelle die Geschichte mit der Puppe Ralf und dem Nilpferd Udo fortgesetzt. Die Puppe fragt, ob das gut ginge mit den Beiden. Udo ist empört: „Du bist ein Materialrassist!“ Im nächsten Geschenk war das gemeinsame Kind: ein rosa Einhorn. Der Name: Horny (engl. vulgär für geil, spitz). An anderer Stelle führten Mestre und Melis einen Formentanz asiatischer Kämpfer auf. Die Vorlage waren Esshilfen eines China-Restaurants.

„Schreiben sie nicht so viel SMS, reden sie miteinander“, sagte Franz Mestre zum Abschied. Mundpropaganda über das Bühnenprogramm war gemeint. Am 17. Mai geht es mit den Meistern der Improvisation in der Kufa weiter.