Krefelder Konzept: In Kita und Schule unter einem Dach Kinder gezielter fördern

Kinderförderung : Konzept für Haus der Bildung könnte in NRW Vorbild werden

Mehrheit im Schulausschuss stimmt Kita und Schule unter einem Dach zu. CDU ist jedoch für zwei Standorte.

Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen sollen bestmöglich gefördert, ihre Eltern unterstützt und das allgemeine Betreuungsangebot in Kindertagesstätten vor allem im Bezirk Mitte ausgebaut werden. Darin sind sich alle Fraktionen im jüngsten Schulausschuss einig gewesen. Ihr Ziel erreichen möchte die Verwaltung mit dem „Haus der Bildung“ und plant dazu am Schulstandort Hofstraße eine sechsgruppige Kita und eine dreizügige Grundschule unter einem gemeinsamen Dach im Familienzentrum. Doch die Diskussion über ein mögliches pädagogisches Konzept entzweite die Schulpolitiker. Die CDU hinterfragte, ob nicht in der Innenstadt ein höherer Raumbedarf für die Schüler bestehe und wollte deshalb auch die Variante von zwei Standorten geprüft wissen. SPD, Grüne, FDP und Linke stimmten hingegen für das ganzheitliche Verwaltungskonzept, gegen die Stimmen der CDU. Somit kann das Gebäudemanagement nun weiter an der Umsetzung arbeiten.

CDU bezweifelt, dass der Platz noch für eine Kita ausreicht

Unstrittig ist, dass eine Grundschule am Standort Hofstraße neu gebaut werden muss. Die dort angesiedelte Mosaikschule wird in die früheren Räume der noch umzubauenden Prinz-Ferdinand-Schule umziehen. „Auch die Idee, ein Familienzentrum dort mit einzurichten, wird von uns befürwortet“, sagt Ingeborg Müllers (CDU). Sie und ihre Fraktionskollegin Stefanie Neukirchner bezweifeln jedoch, dass der vorhandene Platz noch für eine Kita ausreicht, samt Tiefgarage unter dem Areal.

Deshalb hat die CDU vorgeschlagen, die Kita und ein Parkhaus anstatt einer teureren Tiefgarage auf das unbebaute, freie Gelände hinter dem Nordbahnhof zu bauen.

Dezernent Markus Schön musste beim pädagogischen Konzept zunächst einen Dämpfer hinnehmen. Um Kinder intensiv zu fördern und zu begleiten, soll auf Vorschlag der Verwaltung für Kinder der Übergang von der Kita zur Schule durch die räumliche Nähe einfacher werden. „Wir haben jetzt die Möglichkeit in Krefeld, in einer neuen Einrichtung die Theorie der Bertelsmann-Stiftung, Kinder früher gezielt zu fördern, in die Praxis umzusetzen“, erklärt Schön.

In der Schule sollen Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet werden, Kinder aus der Kita sollen vorrangig in die Klassen kommen – auch, um Brüche in der Entwicklung zu vermeiden. „Ein solcher Beschluss ist aus Sicht der Schulaufsicht nicht möglich, da diese Entscheidung nur durch die Schulkonferenz getroffen werden kann und nicht von der Stadt“, erklärt Ingeborg Müller. Und da es die neue Schule noch nicht gebe, könne eine Schulkonferenz auch nicht darüber entscheiden. Dementsprechend hat der Schulausschuss nur eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen, statt zu beschließen.

Auch Alexander Schmitz von der FDP hatte rechtliche Bedenken bei dem ursprünglichen Verwaltungsvorstoß. Im Gegensatz zur CDU spricht er sich aber für einen einzelnen Standort für das Haus der Bildung aus: „Das ist der Sinn des Konzeptes.“ Deshalb stimmte er im Ausschuss auch für die Umsetzung.

„Das pädagogische Konzept hat viele gute Ansätze und ist durchaus überlegenswert“, sagt Ingeborg Müller (CDU). Die Stadt könne es unterstützen durch ein entsprechendes Raumangebot. Das sei an der Hofstraße jedoch nicht gegeben. Annelie Wulff von den Grünen hat hingegen keinen Zweifel an der Größe der Fläche: „Wir verlassen uns darauf, wenn der Leiter des Gebäudemanagements, Rachid Jaghou, sagt, das reicht für eine dreizügige Grundschule, sechszügige Kita und eine Tiefgarage aus.“

Die Pläne könnten Leuchtturm
für das ganze Land werden

Das „Haus der Bildung“ ist laut der Grünen innovativ und sorge für gute Übergänge von der Kita in die Schule und Beratungsangebote, die es bislang nicht in Krefeld gebe. Dennoch dürfe die Stadt sich angesichts der Kosten und der Probleme, fähige Planer und freie Baufirmen zu finden, nicht verheben – und damit andere Projekte, wie den weiteren Ausbau der U3-Betreuung und die Einrichtung von 15 neuen Ganztagsgruppen in Schulen, gefährden. Schön befürchtet das nicht.

Ina Spanier-Oppermann (SPD) kann „die kleinteilige und technokratische Diskussion“ im Schulausschuss nicht nachvollziehen.„Wir wollen damit grünes Licht für einen innovativen Lern-Campus geben, der vorbildlich für NRW sein kann.“ Mit dem die Stadt zeige, dass sie Bildung und Erziehung vernetzt denke. Somit könne früh damit begonnen werden, Kinder gemäß ihrer Stärken und Fähigkeiten zu fördern, anstatt später nur noch zu reparieren. Am 29. Mai wird noch der Jugendhilfeausschuss über das Konzept für das „Haus der Bildung“ entscheiden. Auch im Familienministerium wird das aufmerksam verfolgt. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Frank Meyer hat Schön dem dortigen Staatssekretär Andreas Buthe das Konzept vorgestellt und nach seinen Worten viel Zustimmung erfahren. „Das kann für Nordrhein-Westfalen Leuchtturm-Charakter haben“, fasst er das Gespräch zusammen.

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