Krefeld: Krefelder Hospiz sucht Helfer

Krefeld: Krefelder Hospiz sucht Helfer

40 Ehrenamtliche engagieren sich im Hospiz Am Blumentalplatz. Einer von ihnen ist Albert Möllemann — und der hat schon viel erlebt.

Krefeld. Wenn es nach Alexander Henes, dem Leiter des Hospizes Am Blumenplatz geht, kann die Einrichtung gar nicht genug ehrenamtlich tätige Mitarbeiter haben. „Wir möchten aus der Vielfalt schöpfen können, denn auch die Menschen, die wir betreuen, sind vielfältig“, sagt er. „Der eine hat schlechte Laune, will aber nicht alleine sein. Der andere will Playstation spielen. Der dritte Gast wünscht sich das beredte Schweigen. Es ist gut, für jeden Menschen den passenden Begleiter zu haben.“

Zurzeit engagieren sich 40 Ehrenamtliche im Hospiz, die in der Einrichtung selbst oder im ambulanten Dienst arbeiten. Denn einige Schwerstkranke möchten zu Hause bleiben. Albert Möllemann ist einer von ihnen. „Als mein Rentenantritt absehbar war, wollte ich meinem Leben eine andere Richtung geben“, sagt der 64-Jährige. „Ich habe mich viel übers Ehrenamt informiert. Über die Volkshochschule habe ich eine Informationsveranstaltung über das Hospiz besucht und mich entschieden, dort mitzuarbeiten.“ Er bezeichnet seine einjährige Ausbildung als „hervorragend“. Das Teambildung sei gut.

Alexander Henes, Hospiz-Leiter am Blumenplatz

„Das Wichtigste ist es bei der Begegnung mit den schwerkranken Menschen, sich selbst zurückzunehmen und zuzuhören. Der Gast ist die Hauptsache, er hat die Führung und sagt, wo es langgeht.“ Möllemann ist seit fünf Jahren dabei und hat viel gesehen und erlebt. Mit der Betreuung begann er, wie alle anderen Ehrenamtlichen auch, in der Einrichtung selbst, wo es Ansprechpartner gibt. Heute versieht er auch den ambulanten Dienst. „Ich kann mich an einen 70 Jahre alten Gast erinnern, der nicht mehr richtig ansprechbar war. Ich habe mich vorgestellt und nachgefragt, aber keine Antwort bekommen. Er hat nur geguckt, meinen Blick gesucht. Ich musste ,nur da sein‘.“

Man müsse die Stille aushalten können, erklärt er. „Dann kam eine 60 Jahre alte Frau, die nur schlechte Laune hatte. Sie saß im Rollstuhl. Nach einiger Zeit hat sie von dort aus die Rosen geschnitten und sogar die anderen Gäste positiv beeinflusst.“ Dann sei ein Handwerker ins Hospiz gekommen, der so unruhig war, dass er sich selbst verletzte. Wir haben dann einen Holzbaukasten für Kinder geholt, an dem er schrauben und drehen konnte.

Albert Möllemann, Ehrenamtler

Ein anderer wollte stets Playstation spielen. Nur bei ,Asterix und die Römer‘ konnte ich mithalten“, berichtet Möllemann und schmunzelt. Und dann gibt es noch die beste und spannendste Geschichte, die der 64-Jährige erlebt hat: die Familienzusammenführung. „Ein Vater wollte seine drei Kinder noch einmal sehen und erstmals auch seine Enkelkinder. Wir haben sie wirklich ausfindig gemacht, sie sind gekommen und haben sich im Garten getroffen. Es war dann auch für die Kinder schön. Nach der Beerdigung haben sie uns gedankt.“

Möllemann findet es prima, dass der Kontakt auch unter den Ehrenamtlichen gut ist. „Wir treffen uns auch außerhalb der Einrichtung auf einen Kaffee und können dort unter Gleichgesinnten Dinge ansprechen.“ Drei Koordinatorinnen Claudia Strachowitz, Sabine Lucht und Conny Hoppmanns organisieren im Hospiz für den Einsatz der Ehrenamtlichen. „Es ist für die Ehrenamtlichen wichtig herauszufinden, wie sich der zu betreuende Mensch, ob im Haus oder in der ambulanten Pflege, wohl fühlt und sich danach richtet“, sagt Hoppmanns.

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