Krefelder Hoffnung zieht weiter

Florian Philipp Ott gehört zur Garde des politischen Nachwuchses. Nun folgt er Otto Fricke (FDP) nach Berlin.

Krefelder Hoffnung zieht weiter
Foto: Andreas Bischof

Als die WZ im September eine Testwahl unter 150 Neu- und Erstwählern in der Uerdinger Dujardin-Fabrik organisierte, gab es einen eindrucksvollen Wahlsieg für die FDP. Und eine ziemliche einfache Erklärung. Florian Philipp Ott, Bundestagskandidat der Liberalen, spricht die Sprache der Schüler. Er gehört zu der Generation junger Politiker aus Krefeld, die Hoffnung auf die Zukunft machen. Die andere junge Menschen für Verantwortung und Ehrenamt, für Politik, begeistern können. Jetzt gibt er sein Ratsmandat ab. Mit gerade mal 29.

Wir treffen Ott im Café Mari. Der Mann strahlt jugendliche Fröhlichkeit aus. Er redet gern über Politik, auch über die Rolle der nächsten Generation. Dominik Jejkal von der SPD, Karsten Ludwig von den Grünen, Salih Tahusoglu von der CDU. Krefeld muss nicht bange sein um den politischen Nachwuchs. Nun schert einer aus, der seit 2013 sogar im Rat sitzt. Was ist passiert?

Der nächste Schritt, meint Ott und lächelt. „Ich bleibe ja am Ball, mindestens in der Bezirksvertretung Uerdingen.“ Und in Berlin. Der junge Liberale will und darf Erfahrungen sammeln im Bundestag. Nicht als Abgeordneter, sondern als Leiter des Berliner Büros von FDP-Routinier Otto Fricke. „Für mich eine tolle Chance, zu lernen.“ Schweren Herzens habe er sich dazu entschieden, dafür das Ratsmandat zum 24. Januar niederzulegen. „Aber ich möchte und muss der neuen Aufgabe und meiner Verantwortung als Mitglied des Rates gerecht werden können.“ Beides, da ist Ott sicher, wird nicht funktionieren.

Berlin ist auch ein Abenteuer. „Derzeit schlafe ich noch auf der Couch von Herrn Fricke, wenn alles klappt, bekomme ich jetzt eine kleine Bude in Friedrichshain.“ Keine Selbstverständlichkeit. „Wenn du 3000 Euro zur Verfügung hast, kannst du dir die Wohnung aussuchen, in meinem Segment gibt es Sammelbesichtigungen mit 30 Interessenten.“ Er sagt, er sei total gespannt darauf, den Politbetrieb in der Hauptstadt von innen kennenzulernen. Zu verstehen.

Bislang hat Ott stets ziemlich schnell kapiert. Und irgendwann festgestellt, „dass Politik für mich dann doch der spannendere Weg ist“. Eigentlich wollte der Junge aus Gartenstadt Journalist werden. Fünf Jahre lang war er Chefredakteur von „ParkAsse“, der Schülerzeitung des Gymnasiums am Stadtpark in Uerdingen. Später bei den Julis, wo er heute noch stellvertretender Bundesvorsitzender ist, verantwortete Ott das Mitglieder-Magazin „Juli-Magazin“. Den Umschwung bringt die Einberufung zum Zivildienst. „Eigentlich hatte ich einen klaren Plan. Ich wollte nach dem Abi Journalistik studieren und musste erstmal den Ersatzdienst leisten. Ein, wie ich damals fand, ziemlich krasser Eingriff in meine persönlichen Ziele.“ Seinerzeit sind nur die Grünen und die FDP gegen die Wehrpflicht. Ott, gerade 19, entscheidet sich für die Liberalen.

Aus heutiger Perspektive, glaubt der Krefelder, ein folgerichtiger Schritt. „Ich habe mich schon immer für Menschenrechte und Geschichte interessiert, und für das was vor meiner Hautüre passiert.“ Dann geht alles ganz schnell. Landesvorstand der Julis, Kreisvorstand der FDP, Stadtrat, Bundestagskandidat. Ott studiert Politik und Soziologie, macht seinen Bachelor, dann den Master in Politikmanagement. Ende nächsten Jahres, hofft der sympathische Jung-Politiker, erweitert er seine Vornamen um einen Doktor. Ott promoviert in politischer Psychologie, gibt Block-Seminare für Mitstudierende mit dem Titel „Wahlen, Wahlkampf und die Wähler“.

Ziel Berufspolitiker? „Ich weiß es ehrlich noch nicht. Derzeit kann ich mir auch eine wissenschaftliche Karriere gut vorstellen.“ Die neue Aufgabe in Berlin, so viel steht fest, macht nicht dümmer.

Die Nachfolge von Florian Philipp Ott ist noch nicht geklärt. Möglicherweise wird Joachim Konow den Platz einnehmen, ein Mann mit zehn Jahren Ratserfahrung. Der hat allerdings sein Mandat in der Bezirksvertretung Mitte aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Vielleicht wird’s auch Carsten Repges. Der ist 27. Und einer der nächsten der jungen Generation Krefelder Kommunalpolitiker.

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