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Krefelder Fitnessbranche im Lockdown sehnt Wiedereröffnung herbei

Krefelder Fitnessbranche im Lockdown : „Die Menschen brauchen Bewegung“

Die Fitnessbranche in Krefeld ächzt unter der Zwangsschließung. Physiotherapeuten arbeiten weiter und haben volle Terminbücher.

Die Hanteln liegen auf den Ständern, die Geräte sind verwaist. Kein Schnaufen, kein Stöhnen ist zu hören. Dort, wo sonst das Eisen in die Höhe gewuchtet und der Körper mit allerlei Übungen getrimmt wird. Gerade jetzt zum Jahresbeginn, wenn die Trainingsflächen der Fitnessstudios eigentlich voll sind mit eifrigen Freizeitsportlern im ewigen Kampf gegen überzählige Fettpolster oder mit Vorsätzen beseelte Neukunden, die ihre ersten Übungspläne Schritt für Schritt abarbeiten, herrscht Stille und Leere in den Hallen.

Jürgen Westermann: „Wir schauen alle in eine Glaskugel“

So erlebt es auch Jürgen Westermann, neben Patrick Nieder Geschäftsführer im rund 7000 Quadratmeter großen Fitpark-One am Gahlingspfad. „Es tut schon weh mit dieser Riesenfläche“, sagt er, wenn er das Areal abschreitet. Menschenleere Badminton-Felder, Tennisplätze, der neue Lounge-Bereich, die neue Sauna. Nichts darf benutzt werden. Die Zwangsschließungen, die nach den zwei Monaten im Frühjahr seit November zum zweiten Mal Bestand haben, lassen kaum Möglichkeiten in der Pandemie. Online-Kurse ja, doch das Kerngeschäft muss ruhen. In den ersten Wochen wurde aufgeräumt und geputzt, immer und immer wieder. Wann es wieder weitergehen kann mit dem Sport vor Ort, kann niemand mit Sicherheit wissen: „Wir gucken alle in eine Glaskugel.“ Eine Wiedereröffnung am 15. Februar? Das glaubt Westermann nicht.

In 2020 habe der Fitpark-One nicht mehr Kündigungen erhalten als sonst. Etwa 2500 Kunden sind noch gemeldet. Viele halten die Treue. „Wir haben ein sehr loyales Publikum. Die allermeisten Kunden sind zufrieden. Wir durften sogar die letzten Monate durchbuchen“, sagt Westermann. Für Dezember wurde der Monatsbeitrag sogar einmal ausgesetzt, also gutgeschrieben. Abschlagszahlungen für November und Dezember waren bis Januar vom Staat geflossen. Die Anwerbung von Neukunden ist jetzt allerdings kaum möglich.

Doch die wirtschaftlichen Zahlen seien es nicht alleine, die Westermann beschäftigen: „Man macht das hier ja, weil es uns Spaß macht, weil es schön ist, wenn es voll ist. Man hätte gerne wieder das Gefühl, dass man für die Kunden etwas tun kann.“ aber ist sicher, dass die Branche die Folgen der Pandemie noch lange zu spüren bekommt: „Ich denke, es wird zwei Jahre dauern, bis wir wirtschaftlich wieder da stehen, wo wir vor Corona waren.“

Jörg Bednarzyk: „Das Schlimmste ist, jetzt nur zu Hause zu sitzen“

Auch Jörg Bednarzyk spürt die Auswirkungen der Corona-Verordnungen. Zusammen mit Darko Safner führt er die Geschäfte der Factory Crefeld neben der neuen Feuerwache sowie dreier EMS-Lounges. Als Personal-Trainer und Ernährungsberater betreut er die Mannschaft der Krefeld Pinguine seit wenigen Wochen, gibt zudem Online-Kurse für etwa 170 Mitglieder sowie Teams des Crefelder HTC oder der Schwimmvereinigung Krefeld. „Die Situation ist ernst“, meint er. Er tut, was er kann, hat für seine Kunden für besseres Krafttraining 104 Kugelhanteln bestellt. Die Kundenzahl konnte er nach eigener Aussage stabil halten. Die Bindung sei stark. Sein Ansinnen bleibt: „Die Menschen brauchen Bewegung“, sagt er auch in Richtung der Politik. Aktivität, frische Luft und Mikronährstoffe – so ließe sich das Immunsystem stärken. In Zeiten der grassierenden Krankheit Covid-19 kein schlechter Rat. Der Mensch könne schließlich auch selbst vorbeugen, sich abhärten. „Das Schlimmste ist, jetzt nur zu Hause zu sitzen, Fernsehen zu gucken und dabei zu naschen“, warnt Bednarzyk. Die Schließung seiner Studios nennt er „paradox“, hätten die Hygienekonzepte doch funktioniert. Frust verspürt er: „Wir machen es doch, weil es uns Spaß macht, Leute zu bewegen.“

Physiotherapeut Christian André ist gut beschäftigt

An der Sollbrüggenstraße in der Praxis von Christian André ticken die Uhren derweil weiter wie bisher. Physiotherapeuten gehören zur Gruppe der „systemrelevanten Berufe.“ André darf nicht nur, er muss seine Behandlungszimmer geöffnet lassen während der Pandemie. Über die Menge der Patienten, deren Muskeln und Gelenke nicht mehr so wollen wie gewünscht, sagt André: „Es ist eigentlich noch mehr geworden.“ Bis März, so erzählt er, seien seine Terminbücher voll. Rücken- und Nackenprobleme hätten heute viele der Leute, die zu ihm kommen. Vermutlich eine Folge dessen, dass viele Menschen nun von zu Hause arbeiten, dort aber keine ergonomisch geformten Bürostühle besitzen. Aber auch Leistungssportler behandelt er. Der eine oder andere Profi des KFC Uerdingen war schon bei ihm, aber auch andere Fußballer aus der Regionalliga.

Therapiestunden mit Schutzmaske? „Man hat sich daran gewöhnt, nimmt sie nicht mehr wahr“, sagt Christian André. Auch die älteren Patienten würden nun wieder vermehrt wie früher vorbeischauen: „Keiner hat mehr Angst, alle verhalten sich sehr diszipliniert.“