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Krefelder Firma ist mit medizinischer Maske aus Stoff auf Erfolgskurs

Wirtschaft : Mit der „Grimaske“ auf Erfolgskurs

Das Textilunternehmen Feld trotzt Corona mit einer eigens entwickelten medizinischen Maske aus Stoff. 6000 Exemplare der „Grimaske“ wurden seit Anfang des Jahres bereits verkauft.

Was macht ein Krefelder Traditionsunternehmen, das Krawatten und Tücher  – etwa für Messepersonal oder Schützenvereine  – herstellt, wenn es keine Messen mehr gibt, keine Meetings, keine Veranstaltungen – und viele im Homeoffice sitzen? Eigentlich nicht mehr viel in Corona-Zeiten. Doch Carsten Feld, Mitinhaber und Geschäftsführer der Feld Textil GmbH, stellte direkt zu Beginn der Pandemie quasi über Nacht auf die Produktion von Stoff-Mund-Nasen-Schutz um. „Wir sind nun mal von Hause aus Textiler. Wir haben alles dafür, wir können es, also haben wir losgelegt.“

70 000 Stoffmasken hat Feld im vergangenen Jahr verkauft. Das sei alles wunderbar gewesen, bis am 19. Januar die neue Corona-Verordnung kam. „Seitdem ist das Geschäft mit normalen Stoffmasken tot“, sagt Carsten Feld. Die neue Corona-Verordnung schreibt in vielen Bereichen medizinische OP-Masken oder FFP2-Masken vor.

„Da standen wir. Was jetzt?“ Also nahm Feld einen neuen Anlauf. Eine medizinische Maske sollte es werden, möglichst nachhaltig. „Über einen Vorlieferanten waren wir mit der Firma HeiQ aus der Schweiz zusammengekommen, die ein Biozid herstellt“, erzählt Feld. Dieses Biozid sei nicht neu. Das gebe es seit 2010. „Es ist dadurch entstanden, dass ein englischer Brigadegeneral die Aufgabe an die Firma gestellt hat, entwickelt mir etwas, womit wir Uniformen, Militäranzüge etc. beschichten können, damit die Sachen zehn Tage getragen werden können, ohne dass sie gewaschen werden.“ Irgendwann kamen die Schweizer auf die Idee, dass man mit dem Biozid auch Masken beschichten kann.

 Drei Generationen unter einem Firmendach der Feld Textil GmbH: (vl.l.n.r.) Lucas, Carsten und Wolfgang Feld.
Drei Generationen unter einem Firmendach der Feld Textil GmbH: (vl.l.n.r.) Lucas, Carsten und Wolfgang Feld. Foto: Feld Textil GmbH/Simon Erath

„Wir fanden die Idee gut und haben gesagt, dann können wir eine Maske entwickeln, die Viren abtötet. Es ist ja so, dass Viren bis zu zwei Tage auf einer Maske bei Raumtemperatur verweilen können. In dem Moment, wo man die Maske an- und absetzt, kann man sich infizieren. Das Biozid verhindert das, es tötet Bakterien und inaktiviert Viren.“

Die ersten Testmasken waren nach der Wäsche außer Form

Doch so ganz einfach war der Entwicklungsprozess nicht. Feld: „Da wir zum Glück in Krefeld, im Zentrum der Textilindustrie, sitzen, konnten wir mit anderen Firmen zusammenarbeiten.“ Die Maske sollte mit Filter und waschbar sein. „Die ersten Masken sahen nach der Wäsche aus wie ein Tempotaschentuch in einer Jeanshose nach einem Waschgang in der Maschine.“ Nach einer Woche Tüftelei hatte die Firma dann einen Filter, der wirklich waschbar ist, der die Form behält und stabil bleibt. Das Ende der Entwicklung: die dreilagige „Grimaske“, die zusätzlich noch mit dem Biozid beschichtet wird. Dazu wird jede Maske 30 Minuten lang in ein Imprägnierungsbad getaucht.  

„Durch die V-Block-Beschichtung werden die Viren auf der Maske inaktiviert. Damit sind wir momentan so ziemlich die einzigen“, sagt Feld. Die „Grimaske“ ist als medizinische Stoffmaske klassifiziert und nach der europäischen Norm im ÖPNV, Einzelhandel und auf maskenpflichtigen Plätzen zugelassen. Gewaschen werden muss die Maske nur, wenn sie wirklich verschmutzt ist. Das Biozid wiederum hält mindestens 30 Wäschen aus, danach lässt die Wirkung langsam nach.

Die Nachfrage nach den Masken, die komplett in Krefeld entwickelt und hergestellt werden, sei gut. Seit Anfang des Jahres wurden 6000 Grimasken verkauft, 7000 Masken pro Woche kann Feld herstellen. „Viele haben die FFP2-Masken leid, weil sie kratzen oder weil sie Allergien auslösen können“, berichtet der Firmenchef. Und in einigen Fällen spiele auch das Thema Müll eine Rolle. So habe etwa ein Rektor einer Schule vorgerechnet: Ein Schüler braucht bei sieben Stunden Unterricht pro Tag zwei Masken. Bei 500 Schülern kommt da eine Menge Müll zusammen, der sogar noch als Sondermüll entsorgt werden müsse.

 14 Euro kostet die Maske, die in verschiedenen Farben und Dessins  erhältlich ist. Verkauft wird an Unternehmen und Privatleute, die auch vor Ort in Krefeld die Masken erwerben können. „Meist endet das in einem kleinen Kaffee-Plausch“, schmunzelt Feld. Und er sagt: „Trotz Corona-Pandemie haben wir niemanden entlassen, keiner ist in Kurzarbeit. Wir sind zufrieden, wir halten uns über Wasser.“