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Krefelder behält Weltrekord über 100 Meter im Visier​

Auszeichnung : Krefelder behält Weltrekord über 100 Meter im Visier

Dirk Wellen, Vorsitzender des Crefelder HTC und Inhaber von Rondo-Food, ist von OB Frank Meyer mit dem Stadtsiegel ausgezeichnet worden. Hockey hat immer eine zentrale Rolle in seinem Leben eingenommen.

Es muss doch etwas geben, was außerhalb der Norm liegt bei jemanden wie Dirk Wellen. Wir haben uns auf die Suche begeben und könnten womöglich fündig geworden sein. Er möchte gerne den Weltrekord in der Altersklasse über 100 Meter aufstellen. Nun kann man fragen, in welcher Altersklasse denn? Auch darauf hat Dirk Wellen in geselligen Runde vielfach eine Antwort gegeben. Mit 100 Jahren. Wenn das keine Vision ist. 39 Jahre kann er also darauf noch trainieren.

Wellen: „Hockey war immer ein Bestandteil meines Lebens“

Aber nicht wegen dieser Vision hat Oberbürgermeister Frank Meyer gestern im Rathaus Dirk Wellen das Stadtsiegel verliehen. Man möchte eher sagen, wegen all dem scheinbar Normalen, oder auch Besonderem, was dessen Leben bisher ausgemacht hat. Und da war nicht wenig. Es hat entschieden auch mit Wellens Familie zu tun, wie OB Meyer ausführte und eine Anekdote bei der Verleihung erzählte. Die Geschichte ist ungefähr 50 Jahre alt, als Dirk Wellens Vater Gerd mit sämtlichen Kindern, die damals im Crefelder HTC Hockey spielten, auf dem Feld stand: Es waren genau neun – für eine Mannschaft braucht man aber elf. Und obwohl Gerd Wellen spontan noch einen Jungen dazu holte, der zufällig im Stadtwald unterwegs war, wurde ihm wohl an jenem Tag bewusst, dass etwas geschehen musste. „Ich kümmere mich jetzt um die Jugend“, soll er damals beschlossen haben. Für den CHTC begann damit eine Ära erfolgreicher Nachwuchsarbeit, die bis heute andauert und zahlreiche große Spieler hervorgebracht hat.

Unter den neun Kindern, die damals den Schläger in die Hand nahmen, war auch der junge Dirk. Heute und das auch schon viele Jahre zuvor führt er das Werk seines Vaters beim CHTC als Vorsitzender fort und leitet mit Umsicht, seinen Kontakten und menschlicher Wärme eines der sportlichen Aushängeschilder der Stadt.

Mit sieben Jahren begann Dirk Wellen mit dem Hockey, er spielte noch als Jugendlicher in der Bundesliga, wurde U 21-Nationalspieler, mit dieser Mannschaft Europa- und Weltmeister. Zwischendurch hatte er als 18-Jähriger noch nebenbei die Stadtmeisterschaft im Tennis gewonnen, entschied sich aber am Ende für die Hockey-Karriere. Und dafür, wie Großvater und Vater auch, unternehmerisch tätig zu sein. Der Betrieb, den sein Urgroßvater Ende des 19. Jahrhunderts gegründet hatte, war traditionell auf Back- und Puddingpulver spezialisiert, doch ab 1994 baute Dirk Wellen ihn konsequent um. Aus „tewells“ wurde „Rondo Food“, aus Backwaren wurden Snacks für Hunde – und aus gerade einmal fünf Angestellten im neu gegründeten Geschäftsfeld wurden bis heute 600 Beschäftigte, rund 430 in Krefeld. 1990 stieg er mit Ende 20 in die Firma seines Vaters ein: Zur gleichen Zeit übernahm er, noch als aktiver Spieler, erstmals verantwortliche Aufgaben beim CHTC und kämpfte an der Seite der alten Garde um seinen Vater, Klaus Reymann, Dieter Küppers und Christian Duwe für den ersten Kunstrasen auf der Anlage am Stadtwald. „Hockey war immer ein Bestandteil meines Lebens“, sagt Wellen.

OB Meyer sagte in seiner Würdigung: „Du bist ein Lokalpatriot im besten Sinne, einer, der bei der Förderung einzelner Belange, die dir wichtig sind, immer auch das große Ganze sieht, nämlich „deine“ Stadt. Wer sich länger mit Dirk Wellen unterhält, der erlebt auch einen Mann, der aufrichtig genervt ist von dem, was er „das kleine Krefelder Karo“ nennt, also die schlechte Angewohnheit, viele Ideen zu zerreden, bevor sie überhaupt wachsen können.“

Drei Merkmale auf
dem Weg zum Erfolg

Den Dank für die Auszeichnung verband Wellen mit einem Appell an die Stadt und einem sportlichen Vergleich. Krefeld befände sich im Abstiegskampf. Im Sport wie allgemein im Leben bedürfe es dreier Merkmale, die es zu beherzigen gelte, um erfolgreich zu sein. Erstens, eine klare Entscheidung, was man will. Wolle man gewinnen, oder nicht verlieren. Bei Letzterem gehe es bergab. Zweitens, brauche man einen langen Atem und die Bereitschaft, mit Rückschlägen umzugehen. Und drittens, sei ein funktionierendes Team unerlässlich. Auf dem Weg zum Weltrekord der Hundertjährigen über 100 Meter wird Dirk Wellen wissen, was es noch braucht. Wir sagen schon einmal – auf gutes Gelingen.