Krefeld zieht Kunden und Labels an

Krefeld zieht Kunden und Labels an

Die Entscheidung gegen Einkaufszentrum trägt Früchte. City wird zusehends attraktiver.

Krefeld. Krefeld wird für namhafte Labels ebenso wie für Kunden von außerhalb zusehends attraktiver. Die irische Modekette Primark und das amerikanische Spielzeuggeschäft Toys “R“ Us sind die Ankermieter des geplanten Ostwall-Carrees im Horten-Haus, das Taschen-Label Liebeskind Berlin eröffnet Donnerstag ein eigenes Geschäft an der Königstraße.

„Die Entscheidung gegen ein klassisches Einkaufszentrum in Krefeld im Jahr 2010 war richtig“, sagt rückblickend Franz-Joseph Greve im Gespräch mit dem Einzelhandelsverband für die Werbegemeinschaft. Eine Meinung, die auch Jones Lang LaSalle teilt.

Das weltweit operierende Finanz-, Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen im Immobilienbereich bescheinigt Krefeld in seiner neuesten Studie eine gute Entwicklung. Die Innenstadt, vor allem aber die Hochstraße, sei für große Handelsketten sehr interessant.

„Hier stimmt der Mix“, sagt Dirk Wichner, Leiter Einzelhandelsvermietung Deutschland. Auf zwei Filialen käme im Schnitt ein inhabergeführtes Geschäft. Entsprechend liege die Quote bei 67,5 Prozent. Bei der individueller geprägten Königstraße ist das umgekehrt: Dort liegt die Quote bei 32,1.

„Durch dieses Verhältnis unterscheidet sich Krefeld deutlich von anderen Innenstädten“, betont Markus Ottersbach, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Krefeld-Kreis Viersen. Noch vor einigen Jahren galt die Immobilien-Regel, je höher die Filialisierung umso attraktiver der Standort. „Gleichtönigkeit der Städte war die Folge“, kommentiert Greve.

Während in 1a-Lagen in Düsseldorf Spitzenmieten von 250 und in Köln von 245 Euro pro Quadratmeter im vergangenen Jahr gezahlt wurden, beträgt die Spitzenmiete auf der Hochstraße 75 und auf der Königstraße 35 Euro. „Das macht Krefeld für Einzelhandelsunternehmen so interessant“, betont Jones Lang LaSalle.

Für Greve und Ottersbach sind nicht allein die Mieten für neue Ansiedlungen ausschlaggebend, sondern die weitsichtige Entscheidung gegen ein Einkaufszentrum. Das Forschungsbüro Junker und Kruse hatte dazu geraten und sich stattdessen für die Verdichtung der Innenstadt ausgesprochen. „Das bietet Investoren Sicherheit“, sagt Ottersbach. Was jedoch noch fehle, seien entsprechend zugeschnittene Ladenlokale.

„Im Vergleich zu anderen Städten steht Krefeld dennoch super da“, betont der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes. Weitere Impulse verspricht er sich ebenso wie Jones Lang LaSalle von der Sanierung der Neusser Straße, dem Umbau der Ostwall-Haltestelle, der geplanten neuen Ostwall-Passage auf gleicher Höhe, der Sanierung des alten Werkkunstschul-Gebäudes sowie von der angekündigten Ansiedlung von P & C.

Auch die Krefelder Händler hoffen auf Impulse. Nach einer aktuellen Umfrage des Einzelhandelsverbandes sind die Umsätze des vergangenen Dezembers schlechter als die des Vergleichszeitraums 2011 gewesen — vor allem im Textilbereich.

Dabei hat Krefeld als Einkaufsmetropole am Niederrhein nachweislich an Attraktivität gewonnen. Maß ist die sogenannte Zentralitätskennziffer. Die ist von 121,1 (in 2009) auf 128,0 (in 2012) geklettert. Das heißt, hiesige Händler locken verstärkt Kunden von außerhalb nach Krefeld.

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