Krefeld: Wieder schließen Traditionsgeschäfte in der City

Einzelhandel : Krefeld: Wieder schließen Traditionsgeschäfte in der City

Läden für Lederwaren, Brautmoden, Devotionalien verschwinden in der Krefelder City. Der Handelsverband erwartet weiteres Sterben.

Offenbar sind derzeit wieder besonders schlechte Zeiten für Krefelder Traditionsgeschäfte: Eine ganze Reihe davon stehen in der Innenstadt vor der Schließung oder haben diese bereits hinter sich. Zusammengerechnet kommen sie auf eine Lebensdauer von deutlich mehr als 200 Jahren.

Zu den Geschäften, die ihre Schließung schon abgeschlossen haben, zählt „Christliche Kunst Weich“ an der Ecke Evertsstraße/Wiedenhofstraße. 100 Jahre war der kleine Laden für „stilvolle Devotionalien“ (so die Eigenwerbung) alt. Hier wurden bis zuletzt Heiligenfiguren, Leuchter, Kerzen, Rosenkränze und Gebetswürfel verkauft. Nach dem Räumungsverkauf hängt nun ein von Hand geschriebenes Schild „Geschlossen“ an der Tür des Ladens, der im Zeitalter der Handyläden und Brotback-Ketten zuletzt wie aus einer anderen Epoche wirkte.

Apropos Räumungsverkauf: Dieser hat im „Haus der Braut- und Abendmoden“ am Ostwall begonnen. „Ab sofort bieten wir Ihnen unzählige Braut- und Abendkleider, sowie Herrenanzüge und Accessoires mit bis zu 70 Prozent Rabatt an“, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Das Brautmoden-Haus bietet seit Jahrzehnten auf zwei Etagen mehr als 250 Braut- und Abendkleider an und verfügt über eine eigene Änderungsschneiderei.

Räumungsverkauf bei Lederwaren Lemm

In einem weiteren Traditionsgeschäft endet der Räumungsverkauf bereits Ende Mai: Lederwaren Lemm an der Hochstraße schließt nach mehr als 75 Jahren seine Türen. Der Eigentümer, der auch am Düsseldorfer Flughafen Filialen betreibt, hat dem Vernehmen nach einen Nachfolger für das Ladenlokal.

Bereits vor Wochen hatte Schlemmermeyer Krefeld verlassen: Mehr als 40 Jahre lang konnten die Krefelder bei der Münchener Feinkostkette bayerische Klassiker wie Weißwurst, Leberkäs und Krustenbraten mit süßem Senf kaufen. Das Ladenlokal an der Hochstraße steht derzeit noch leer.

Das gilt auch für die Café-Bar Celona im Behnisch-Haus. Dieses war Ende März „aus betriebsbedingten Gründen“ dicht gemacht worden. Das Celona gehört zu den Mietern der ersten Stunde im Behnisch-Haus: Vor 16 Jahren war es eröffnet worden.

Zu den Gründen für die Schließungen war in den jeweiligen Geschäften offiziell nichts zu erfahren. Unter der Hand hieß es: „Die Frustration ist groß.“ Das Geschäftsklima in Krefeld sei schlecht, die Innenstadt für auswärtige Besucher mit dem Auto schlecht zu finden und schlecht erreichbar. Auch fehle es an Parkplätzen – und wenn das Parkhaus im Schwanenmarkt wegen Umbau mal wieder kurzfristig geschlossen sei, würden an den Straßen gleich eifrig Knöllchen verteilt. Die lange Baustellenphase auf der Hochstraße zur Verlegung des neuen Pflasters habe zusätzlich für weniger Kundenzuspruch gesorgt. Dies alles habe sich zu der ohnehin vorhandenen Internetkonkurrenz addiert.

Der Online-Einkauf hat das Einkaufsverhalten schon länger spürbar verändert. Markus Ottersbach vom Handelsverband NRW in Krefeld hatte deshalb schon vor zwei Jahren erklärt: „Bis zu 20 Prozent der Ladenflächen werden in den nächsten Jahren verschwinden.“ An dieser Tendenz hat sich nichts geändert, bestätigt er jetzt: „Viele Geschäfte werden vom Markt verschwinden, gleichzeitig werden die benötigten Flächen geringer werden.“ Von diesem Trend seien aktuell nur die Vollsortimenter und Discounter ausgenommen, deren Fläche immer größer wird.

Zu den aktuellen Schließungen kann der Mann vom Handelsverband im Einzelfall nichts sagen. „Es findet ein Wandel statt“, sagt Ottersbach aber ganz generell. Der klassische Einzelhandel verliere weiter an Bedeutung, Wohnen und Gastronomie würden dafür wichtiger. Den Ostwall zum Beispiel sieht er nur noch im Bereich zwischen St.-Anton- und Marktstraße als „handelsfähig“ an – und das auch nur auf der Innenstadtseite. Als Einzelhändler müsse man heute der Digitalisierung folgen – „doch es gibt immer noch Geschäftsinhaber, die sich dagegen wehren und nicht einmal eine vernünftige Homepage haben“. Sein Verband arbeitet derzeit an einem Projekt zur Digitalisierung in der Krefelder Innenstadt.

„Wertige Ergänzung“ durch neue Ostwall-Passage erwartet

Trotz alledem sieht Ottersbach auch positive Signale. So bringe die neue Ostwall-Passage ab Oktober eine „wertige Ergänzung“, an anderer Stelle werde es ebenso neue Geschäfte mit neuen Ideen geben.

Stadtplanung und Wirtschaftsförderung müssen sich nach Ansicht von Markus Ottersbach nach den neuen Bedingungen richten. Aus seiner Sicht haben Politik und Verwaltung die Zeichen der Zeit aber erkannt und stoßen derzeit die richtigen Dinge an. So sei zum Beispiel der Grundgedanke des Konzepts „Handeln und Helfen“ sehr gut –bei der Umsetzung gebe es aber noch Probleme: „Es werden noch nicht alle PS auf die Straße gebracht“.“

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