Krefeld: Wie die Niepkuhlen gerettet werden könnten

Fest : Wie die Niepkuhlen gerettet werden könnten

Das Niepkuhlenfest hat Scharen von Besuchern angelockt. Allen gemein ist der Wunsch, das Gewässer zu erhalten.

Für den Wasserstand der Niepkuhlen wäre Dauerregen besser gewesen. Für das Niepkuhlen-Fest war der Sonnenschein am Sonntag jedoch ideal. Nahezu „begeistert“ war Organisator Wolfgang Merkel über die Besucher-Scharen, die sich an vielen Ständen informieren und unterhalten ließen. Alle trieb der gemeinsame Gedanke zur Brücke an der Nieper Straße: „Der Erhalt des einzigartigen Stückes Natur.“ Es gibt Rettungs-Möglichkeiten.

Merkel erklärt: „Die SPD Nord-Ost ist hier federführend. Das Fest ist aber nicht politisch, sondern ein Familienfest mit dem Ziel zu sensibilisieren und zu zeigen, wie schön die Niepkuhlen sind. Für mich gehören sie zu dem schönsten Stück Naturlandschaft in Krefeld.“

Arbeitskreis denkt über Rettung des Gewässers nach

Merkel berichtet über Lösungsansätze, wie das Austrocknen vermieden werden kann, falls der Regen weiterhin fehlt: „Es gibt einen Arbeitskreis im Norden Krefelds. Die Mitglieder überlegen, wie das Wasser von dort weiterhin hierher gepumpt werden kann, auch wenn die LEG dies stoppt.“ Außerdem könne man die Niepkuhlen entschlammen. Den 1,5 Meter hohen und möglicherweise kontaminierten Boden zu entsorgen sei teuer, berichtet er weiter.

„Man kann jedoch auch Polder bilden, wie in Holland. Dabei werde der Schlamm zusammengeschoben und bleibe an Ort und Stelle. Der Rest der Fläche wäre zwar dann kleiner, aber frei. Wenn alle – auch die Politiker – mitarbeiten, wird es gehen.“

Herbert Becker, Sylvia Parlevliet und Gabriele Passmann stehen auf dem hölzernen Bauwerk und lassen die Blicke über die mit Seerosen bewachsene Wasserfläche schweifen. „Der Zustand der Niepkuhlen war in den vergangenen Jahren immer ein Thema“, sagt Becker. „Ich war hier früher Briefträger, hatte immer eine Beziehung zu ihnen. Der schlechte Zustand von heute berührt mich.“

Parlevliet erklärt: „Ich bin erschrocken, wie wenig Wasser hier steht und wie viel Wurzelwerk blank liegt. Ich erinnere mich an eine glatte Wasserfläche.“ Passmann fragt: „Früher haben wir hier Fische gefangen. Ob noch welche da sind?“

Anwohner haben im Juni Fische mit der Stadt retten müssen

Es sind nicht mehr so viele Fische wie früher. Silja Leendertz-Aigner vom Heilmannshof erklärt: „Wir sind Anrainer der Kuhlen. Der Wasserstand ist eine Katastrophe. Beim heißen Wetter im Juni hatten wir eine Fischrettungsaktion mit der Unteren Fischereibehörde. Da viele Fische verendet waren, haben die Besatzungen von zwei Booten die lebenden Fische gefangen und in die Marcelli-Kull gebracht. Bei besserem und stabilerem Wasserstand sollen sie zurückgebracht werden. Wir pumpen seitdem aus unseren eigenen Brunnen Wasser nach.“ Die kleine Kull sei schon trockengefallen, die an der Maria-Sohmann-Straße auch, berichtet Silja Leendertz-Aigner. Sie bietet an ihrem Stand Schätze aus dem eigenen Garten wie Ginkgo und die Heilpflanze namens Telekie an.

Die Wiese nahe der Brücke füllt sich zusehends. Gerade kommt eine 35 Personen starke Fahrradgruppe an, die der ADFC organisiert hat. „Unser Weg führt vom Fischelner Bruch über Schönwasserpark und Stadtwald zur Nieper Straße“, berichtet Karl-Heinz Renner.

Ute Wilhelm wohnt an den Niepkuhlen. „Ich bin Anliegerin und habe ein Anliegen“, sagt sie. „Dies hier ist ein einzigartiger Lebensraum für Libellen und Vögel. Wenn ich sehe, dass unsere Kinder und Enkel für den Klimaschutz auf die Straße gehen und hier verlandet das Biotop – das kann sich keine Stadt leisten. Wir können im Kleinen etwas tun, dazu sind wir aufgerufen.“ Ruth und Hans-Jürgen von Giesen sind mit ihren Söhnen gekommen. „Dieses wunderschöne Stückchen Krefeld, mit dem ganz eigenen Charme, macht aus Krefeld etwas ganz Besonderes“, sagen sie. „Das muss erhalten bleiben“. Thomas (11) ergänzt: „Es ist sehr schön hier, auch wenn nicht so viele Leute da sind. Wir machen eine Fahrradtour über die Brücke.“

Gabriele und Ralf Mücke finden: „Wir sind hier groß geworden. Wenn die Niepkuhlen verlanden, sehen wir alt aus.“ Dann gehe ein Stück Heimat verloren.

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