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Krefeld: Was passiert mit dem Försterhaus?

Forstwald : Was passiert mit dem Försterhaus?

Das verfallene Haus im Forstwald soll nun nicht abgerissen werden.

Das ehemalige Försterhaus an der Plückertstraße im Forstwald hat seine besten Tage lange hinter sich. Das Grundstück ist völlig zugewachsen, Scheiben des Gebäudes sind eingeschlagen, der Dachvorsprung zur Straße hin stark beschädigt. Für Heimatforscher Helmut Sallmann ist das kleine Haus mit dem Klopfer an der grünen Holztür trotzdem unbedingt erhaltenswert: „Es ist Bestandteil des Ensembles Forstwald und eines der ältesten Gebäude im Stadtteil“, betont er.

Eigentlich hatte die Krefelder Stadtverwaltung geplant, das Gebäude abzureißen. „Wenn ich davon nicht zufällig erfahren hätte, wäre das längst geschehen“, glaubt Forstwald-Experte Sallmann. Er hatte im Vorjahr eine Anfrage zur Zukunft des Gebäudes an die Bezirksvertretung West gerichtet und bekam dadurch den geplanten Abriss bestätigt. Gemeinsam mit anderen Bürgern und Politikern kämpft er seit nun dem vergangenen Winter für den Erhalt. Jetzt konnte die Initiative erste Erfolge verzeichnen.

„Die ursprüngliche Entscheidung der Stadt Krefeld, das Försterhaus abzureißen und das Gelände aufzuforsten, ist zurückgenommen worden“, erklärt Stadtsprecher Dirk Senger. Aktueller Sachstand sei, dass es Interessenten für das Försterhaus gebe es. „Aufgrund des schlechten Zustandes des Hauses ist es zunächst erforderlich, Untersuchungen zur Bausubstanz vorzunehmen. Wie die weitere Nutzung des Hauses aussehen wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig fest“, berichtet Senger.

Nach Auskunft von Helmut Sallmann habe der Bürgerverein Forstwald dem örtlichen Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in den vergangenen Tagen schriftlich bestätigt, dass er eine naturkundliche Nutzung des „Areals Försterhaus“ befürwortet. Wie genau könnte diese aussehen? Laut Sallmann könnte auf dem großen dreieckigen Grundstück zwischen Plückert- und Forstwaldstraße – kürzlich hat es dort eine Begehung gegeben – eine Umwelt- und Naturschutzstation entstehen, wie sie der Nabu schon am Hülser Berg betreibe. Fragen zur Finanzierung seien derzeit aber völlig offen. Helmut Sallmann hofft, dass aus dem Förderprogramm der Landesregierung „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen“ Mittel für ein solches Projekt gewonnen werden können. Der Umweltausschuss hat im November 2019 beschlossen, für den Forstwald einen Förderantrag einzureichen. Die Instandsetzung des Fösrterhauses sei Bestandteil des Konzeptes gewesen, dann aber wegen der hohen Instandsetzungskosten zurückgestellt worden. „Dezernet Marcuus Beyer hat aber einen Erhalt zugesagt, wenn eine vertretbare Nutzung vorliege“, sagt Sallmann. Ein Verkauf des Hauses sei grundsätzlich denkbar, habe die Stadt signalisiert. Und auch der Bürgerverein Forstwald begrüße die Bemühungen.

Am 26. August auf der Mitgliederversammlung des Bürgervereins in der Johanneskirche (Beginn: 19.30 Uhr) wird er über eine mögliche zukünftige Nutzung des Försterhauses berichten. Dass dieses von der Stadt nicht unter Denkmalschutz gestellt worden ist, kann Sallmann nicht nachvollziehen.

Wie Dirk Senger dazu berichtet, sei das Försterhaus auf seinen Denkmalwert hin überprüft worden. „Im Ergebnis ist festzuhalten, dass das Objekt aufgrund der vorhandenen Substanz die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung nach Denkmalschutzgesetz nicht erfüllt.“ Die Ersteinmessung datiere aus dem Jahr 1865.

Das Haus hatten die Erben von Gerhard Schumacher errichten lassen, der die Bäume im Forstwald anpflanzen und 1838 als eigenen Jagdsitz das Forsthaus – heute eine Gaststätte – bauen ließ. Für den im Jagdrevier benötigten Förster wurde dann nur wenige Schritte vom Forsthaus entfernt um 1860 das Försterhaus errichtet. Erster Bewohner war Fritz Ziegenhorn, ihm folgte Peter Miebach. Später kaufte dann die Stadt das Gebäude. Bis in die 1980er Jahre wurde es von städtischen Forstaufsehern bewohnt, danach diente es bis 2017 als Unterkunft für Waldarbeiter. Seitdem verfällt es.

Es sei davon auszugehen, dass das Försterhaus zu dem Zeitpunkt entstanden ist, zu dem der von Schumacher angelegte Wald soweit herangewachsen war, dass ein Forstbetrieb notwendig wurde, berichtet Dirk Senger. Insofern bestehe hier kein zeitliches und funktionales Ensemble und „ein Zeugniswert wäre lediglich in der Lage des Gebäudes begründet“.