1. NRW
  2. Krefeld

Krefeld: Virus bremst Pläne für Archäologischen Landschaftspark

Museum Burg Linn : Corona-Virus bremst auch Pläne für Archäologischen Landschaftspark

Ein Termin im Ministerium in Düsseldorf ist kurzfristig geplatzt. Auch die Finanzierung des Projektes am Krefelder Rheinhafen konnte noch nicht geklärt werden.

Für Krefeld und den Niederrhein könnte das Projekt ein touristisches Highlight werden: Am Rheinhafen soll ein „Archäologischer Landschaftspark“ entstehen – und zwar genau dort, wo bereits germanische Stämme 800 Jahre vor Christi Geburt siedelten. Wo die Römer Jahrhunderte später ein Feldlager errichteten, das später zum Kastell ausgebaut wurde. Und wo der aufständische Stamm der Bataver im Jahr 69 von den Römern besiegt wurde. Eigentlich sollten die Arbeiten zur Verwirklichung dieser Idee schon im kommenden September beginnen. Doch Corona hat dieses Projekt erst einmal ausgebremst.

„Ein Termin im Ministerium wurde aktuell verschoben. Es laufen stadtinterne Abstimmungen. Ansonsten ruht derzeit die Klärung der Finanzierung – dazu würde auch wieder das Ministerium benötigt.“ Dies berichtet Stadt-Sprecher Dirk Senger auf Anfrage unserer Zeitung. Wann die notwendigen Abstimmungen mit Düsseldorf angesetzt werden können, ist derzeit ebenso offen wie das Ende der Corona-Maßnahmen. „Der Termin muss auf jeden Fall nachgeholt werden.“

Bis März sollten eigentlich die Prüfung der Genehmigungsvorbehalte und die Einreichung der Förderanträge erfolgen. Der Kostenrahmen war 2019 mit 1,2 Millionen Euro errechnet worden. Bei einer Umsetzung ab September 2020 hatte Jennifer Morscheiser, Ideengeberin und Leiterin des Museums Burg Linn, auf eine Fertigstellung bis August 2021 gehofft. Diese optimistische Annahme wird nicht mehr zu halten sein.

Im Kulturausschuss hatte Jennifer Morscheiser ihre Idee, den Garnisionsplatz Gelduba aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, im Vorjahr vorgestellt – und viel positive Resonanz bekommen. So unter anderem von Oberbürgermeister Frank Meyer, der auch für die Kultur zuständig ist. „Krefeld ist eine ausgezeichnete archäologische Adresse“, betonte er im Herbst 2019 bei der Vorstellung des Entwurfs mit Blick aufs Kastell und „das größte archäologische Gräberfeld nördlich der Alpen“.

Von der archäologischen Herrlichkeit ist derzeit wenig zu sehen. Das meiste ist ein eingetragenes Bodendenkmal, Spuren der alten Besiedlungen schlummern in der Erde und werden nur bei Grabungen sichtbar. Die Ausstellung „Abenteuer Großgrabung“, die im Museum Burg Linn im November eröffnet wurde (und derzeit wegen der Pandemie leider nicht besucht werden kann), legt Zeugnis davon ab. Die sichtbaren Fundament-Reste eines ehemaligen Kastellturms liegen noch am Rande einer Pferdewiese unter einem Brombeergestrüpp verborgen.

Neben dem Schutz des Bodendenkmals soll der Archäologische Landschaftspark der Aufwertung des Geländes und der Schaffung eines Naherholungsgebietes für Krefelder dienen sowie touristische Anziehungskraft entfalten. Er wäre Teil des „Niedergermanischen Limes“, für den im Januar bei der Unesco der Antrag auf Eintragung als Weltkulturerbe gestellt wurde. Als nächstes vorgesehen ist eine Bereisung der Limes-Stationen durch eine von der Unesco beauftragte Kommission. Wie ist der aktuelle Stand? Auf Nachfrage erklärt dazu Jens Schubert vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland: „Eine Terminfestlegung für die, in der zweiten Jahreshälfte zu erwartende, Bereisung hat bislang nicht stattgefunden. Aktuelle Informationen, ob die Begutachtung aufgrund der Corona-Pandemie beeinträchtigt sein wird, liegen uns nicht vor. Die Vorbereitungen zur Bereisung laufen und finden unter Berücksichtigung der weiteren Entwicklungen statt.“

Die Aufnahme als Welterbe wäre für das Archäologische Museum Krefeld von großer Bedeutung. Leiterin Jennifer Morscheiser erklärte dazu im Januar: „Im Verbund mit den anderen Fundorten am Rhein erhoffen wir uns zahlreiche neue Besucher aus dem In- und Ausland.“

Auf dem Gelände des Landschaftsparks sollen Teilrekonstruktionen entstehen und unterschiedliche Bauformen des Kastells in einer virtuellen Realität erlebbar werden. „Wir planen auch einen Kinderspielplatz, Grill- und Aufenthaltsbereich sowie eine öffentliche Fitnessanlage“, berichtete die Museumsleiterin.