Krefeld: Uerdinger Bücherei öffnet wieder

Nach jahrelanger Schließung : Uerdinger Bücherei öffnet wieder

Überraschende Nachricht aus dem Rathaus: Nach jahrelanger Schließung kann in der ehemaligen Bücherei am Marktplatz in Uerdingen wieder Lesestoff ausgeliehen werden. Zunächst bei einer provisorischen Ausleihe mit Einschränkungen, in Zukunft soll sich das aber ändern.

Der Protest ist seit der Schließung im Jahr 2013 nicht verstummt, nun scheint er Wirkung zu zeigen: In der ehemaligen Uerdinger Bücherei am Marktplatz können wieder Bücher ausgeliehen werden. Das teilte die Stadt überraschend am Mittwochnachmittag mit: „Es stehen rund 140 Kinderbücher sowie 290 Romane bereit, die ohne die sonst üblichen Formalien entliehen werden können. Die Ausleihe passiert auf Vertrauensbasis: aussuchen, lesen und zurückbringen“, wird Evelyn Buchholtz, Leiterin der Mediothek in der entsprechenden Mitteilung zitiert.

Die Idee einer provisorischen Ausleihe habe es schon länger gegeben. Nun wurde ein Medienwagen der Mediothek im linken Teil des Gebäudes aufgestellt. Dort lässt sich Literatur für Erwachsene finden. Zudem gibt es ein kleineres Regal für kindgerechte Literatur. Es braucht keinen Ausweis und es gibt kein Limit für die Anzahl der Bücher, die ausgeliehen werden können. Damit das Angebot möglichst viele Bewohner des Stadtteils nutzen können, wäre es aber hilfreich, wenn „jeder nur ein Buch mitnimmt“, erklärt Evelyn Buchholtz, Leiterin der Mediothek. Von einer Rückkehr einer richtigen Bücherei in eines der drei historischen Herberz-Häuser ist man also noch weit entfernt. Das Angebot ist eher vergleichbar mit einem offenen Bücherschrank. Die Regale sind während der Öffnungszeiten des Uerdinger Quartiersmanagements-Büro in einem Teil der ehemaligen Bücherei erreichbar (montags von 10 bis 16 Uhr und mittwochs von 10 bis 18 Uhr, Eingangstür Am Marktplatz 5).

Umbau-Büro ist seit Juni in ehemaliger Bücherei zu finden

Das Büro ist bereits seit Mitte Juni eingerichtet worden, erklärt Susanne Ruß vom Fachbereich Stadtplanung. Es diene als Anlaufstelle im Zuge des sogenannten integrierten Handlungskonzeptes. Nach drei Wochen Sommerpause stehe es Hauseigentümern und Bürgern offen, um beispielsweise über mögliche Mittel für Höfe und Fassaden oder Feste und Projekte zu informieren. Die Förderung im Rahmen des „Stadtumbaus Uerdingen“ sei vergleichbar mit dem Bund-Länder-Förderprogramm Stadtumbau West. Im Büro kümmere man sich aber zum Beispiel auch um die Vernetzung lokaler Akteure und das Ladenflächenmanagement. Das Büro sei in seiner Funktion vergleichbar  mit dem Stadtumbaubüro für den Innenstadtbereich, das im Juni in ein leerstehendes Ladenlokal am alten Stadtbad Neusser Straße eingezogen ist.

Zurück zur Bücherausleihe: Die sieht die Mediothekschefin auch als „Funken der Hoffnung“, dass nach dem Aus für die Uerdinger Bücherei 2013 - in Zeiten knapper Kassen (Haushaltssicherungskonzept) - „nachhaltig“ etwas passiert. Die Sanierung der Herberz-Häuser soll noch im kommenden Herbst starten. Dabei gehe es zunächst um die Fassaden. Anvisiert sei Oktober, bestätigt Stadtsprecher Timo Bauermeister gegenüber unserer Redaktion. „Während der Baumaßnahme können möglicherweise Einschränkungen in der Nutzung auftreten“, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Aber: Nach dem Abschluss der Baumaßnahmen soll die Buchauswahl erweitert werden: „Auf Dauer möchten wir wieder einen herkömmlichen Leihbetrieb in Uerdingen einrichten. Daran arbeiten wir“, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer.

Erarbeitet werden soll auch ein Nutzungskonzept für ein „multifunktionales Bürgerzentrum“. Das fordert auch der Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“, mit dem sich Susanne Tyll zusammen mit weiteren Akteuren weiter für die Eröffnung eines Quartierszentrums mit städtischer Medienausleihe einsetzen möchte. Auch die Montagslesungen, die laut Tyll seit 326 Wochen jede Woche stattgefunden haben, werde es weiter geben. Das Zentrum, das der Initiative vorschwebe, sei ein Gebäude für alle Generationen. Passenderweise sollen bei den Protest-Lesungen im September nur Jugendliche und Kinder aus dem Stadtteil lesen.

Ob die provisorische Ausleihe Hoffnung macht, dass das Ziel der Initiative näher rückt? Tyll übt sich in Zurückhaltung. Vorerst seien es „Regale mit Büchern“, die „symbolisch ganz schön seien“. Hoffnung sei aber auch schon im letzten Wahlkampf gemacht worden. Bedeutet, dass die Initiative vorerst nicht locker lassen möchte. „Großartig“ nennt Tyll hingegen, dass die Herberz-Häuser-Sanierung startet.

(red)
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