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Krefeld: Tipps für eine konfliktfreie gemeinsame Zeit zu Hause

Keine Kita, keine Schule : Tipps für eine konfliktfreie gemeinsame Zeit zu Hause

Schulen und Kitas sind zu. Eltern stehen zurzeit vor einer großen Herausforderung im Alltag. Silke Wintersig vom Krefelder Jugendamt gibt Tipps für feste Strukturen, Beschäftigungsideen und Konfliktvermeidung.

Die Eindämmung des Coronavirus zieht weite Kreise: Schulen und Kitas sind zu, Spielplätze tabu, ebenso das Treffen mit der Freundes-Clique. Für Familien entstehen dadurch neue Herausforderungen. Das Gefüge muss neu organisiert werden – vor allem, wenn Eltern nebenbei noch arbeiten müssen. „Es ist für alle ein Ausnahmezustand, da muss ich als Mutter oder Vater auch mal Dinge zulassen, die ich sonst nicht in dem Maße toleriere“, sagt Silke Wintersig und lacht.

Sie ist als Leiterin der Abteilung Jugend beim Jugendamt Krefeld vom Fach, steht aber gleichzeitig auch vor der Aufgabe, Homeoffice und Kinderbetreuung zeitgleich zu managen – wie viele andere. „Es ist wichtig, Streit zu vermeiden – und das heißt auch, mal über die Unordnung im Kinderzimmer hinwegzusehen – und vorübergehend die Erziehungsmaßnahmen zu lockern,“ so Wintersig.

Feste Strukturen am Tag geben den Kindern Sicherheit

Für den Tagesablauf helfen Kindern geregelte Strukturen: feste Unterrichts-, Essens-, Bastel- und Medienzeiten. „Denn sie geben Sicherheit. Das ist besonders für die Jüngsten in dieser schwierigen Zeit wichtig. Und man kann das sehr gut mit den Kindern gemeinsam erarbeiten.“ Für Abwechslung rät die Expertin, besondere Ereignisse einzubauen wie ein Picknick im Wohnzimmer. „Langeweile muss aber auch sein.“ Die Kinder bräuchten selbst gestaltete Auszeiten, um ihrer Fantasie freien Lauf lassen zu können.

Doch der Tag ist lang und will gefüllt werden, weiß auch Wintersig. „Das Internet ist momentan voll mit supertollen Beschäftigungsideen – durchweg gibt es ganz viel Positives.“ Einfach mal in Ruhe recherchieren. Der Kinderfernsehsender Kika biete beispielsweise unter dem Thema „Gemeinsam zuhause“ im Internet auf kika.de jede Menge Spiel-Ideen an.

In Zeiten der sozialen Distanzierung ist für die Expertin aber auch das Briefeschreiben eine schöner Zeitvertreib. „An Freunde, Nachbarn, Großeltern – und dazu etwas malen. Das hat dann auch nochmal einen anderen Wert als E-Mail oder Skypen,“ beschreibt sie. Doch auch der Einsatz der digitalen Medien ist für sie eine wichtiges Mittel. „Gerade für Heranwachsende, die schon eigenständiger, viel draußen unterwegs sind, sich oft mit Freunden treffen. Da ist zum Beispiel eine Verabredung zum Video-Chat mit der Clique eine super Alternative,“ erläutert die Expertin vom Jugendamt.

Doch auch der Abstand innerhalb der Familie sei wichtig, um Konflikte und Stress zu vermeiden. „Dabei ist es genau so wichtig, dass auch Eltern ihre Auszeit brauchen. Zeit für sich allein.“ Wenn es um Bewegung geht, darf gerne die ganze Familie mitmachen. „Mit den Kindern rausgehen im Rahmen der Möglichkeiten oder zu Hause einen Parcours aufbauen, eine Familiensportstunde machen,“ schlägt Silke Wintersig vor. Und in die häuslichen Pflichten sollten die Kinder spätestens in dieser besonderen Zeit einbezogen werden. „Saugen oder Fegen klappt auch gut mit Musik. Dann kann das richtig Spaß machen.“

Bei der Essensplanung sollten Eltern ebenfalls gemeinsame Sache mit dem Nachwuchs machen. „Abends kann mal ein Hausrestaurant eröffnet werden mit selbstgebastelten Menükarten, Tischdekoration und Kellern,“ schlägt Silke Wintersig vor. Da die Zeit vor allem für Jüngere schwer greifbar ist, sei es eine gute Idee, mit den Kindern einen Kalender zu basteln, der die schul- und kitafreien Wochen deutlich macht. „Man kann dann morgens immer einen Tag streichen,“ erläutert Wintersig.

Bei allem Engagement sollten Väter und Mütter sich jedoch keinesfalls verrückt machen, wenn die Kinder beispielweise nicht so viel Schulstoff schaffen wie sonst in der Schule. „In dieser Zeit lernen sie nämlich stattdessen Werte wie Zusammenhalt, Rücksichtnahme und Konfliktfähigkeit, die für das Leben genau so wichtig sind,“ gibt Wintersig zu bedenken.

Und bei allem, hebt sie hervor, sei es immer wieder wichtig, sich auszutauschen. Dazu zähle auch, „die Ängste und Unsicherheiten der Kinder ernst zu nehmen und die Zusammenhänge kindgerecht zu erklären. Es gibt dazu auch gute Videos im Internet .“