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Krefeld: Theater hintenlinks bringt Lindgren-Märchen ins Netz

Theater hintenlinks : Theater bringt Lindgren-Märchen ins Netz

Das Theaters hintenlinks hat eine Aufführung von „Sonnenau“ aufgezeichnet, diese kann unentgeltlich angesehen werden.

Eigentlich wollten sich Anuschka und Peter Gutowski in dieser Spielzeit eher mit den Weltthemen wie Krieg, Flucht und Vertreibung beschäftigen. Mit der Absicht den Ursachen und Brüchen in ihren Filmen und Stücken nachzugehen. Doch die Gegenwart hat natürlich auch das Theater hintenlinks eingeholt. Erst einmal kein regulärer Spielbetrieb. Publikum ist nicht zugelassen. Ganz einfrieren aber lässt sich der Kunstbetrieb nicht. Man kann in Zeiten des Internets herrlich improvisieren. Orte verbinden, die eigentlich geografisch nicht zusammengehören. Die Kunst kommt also quasi zum Publikum nach Hause – und das auch noch kostenlos. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Krefeld unterstützt das Theater hintenlinks beim Projekt, das Kindermärchen „Sonnenau“ von Astrid Lindgren in die Haushalte zu bringen.

Zehn solcher Übertragungen
sind erstmal geplant

Man sieht am Bildschirm eine selbst produzierte Aufzeichnung eines Theaterstücks. Maximal eine Person stand zeitgleich auf der Bühne. Am Mittwoch, 29. April, geht es um 17 Uhr mit der ersten Übertragung via Internet los. Neun weitere werden folgen. Sollte die Nachfrage hoch sein, sogar noch mehr. „Wir haben uns über den großen Rückhalt in der Bevölkerung sehr gefreut. Sofort nach Einsetzen der Spendenwelle beschäftigte uns eine Frage: Was können wir zurückgeben?“, sagt Geschäftsführerin und Schauspielerin Anuschka Gutowski, die auch Erzählerin des Stücks ist. Sie und ihr Mann Peter, der die künstlerische Leitung hat, Regie führt und für die Dramaturgie sorgt, haben sich für „Sonnenau“ entschieden.

Die Kraft der Fantasie steht in diesem Stück im Vordergrund. Es handelt von Freudlosigkeit zweier Waisenkinder in einem tristen Alltag. Sie müssen für den Myra-Bauern harte Arbeit verrichten und sehnen sich nach der Schule. Doch auch dort finden sie schließlich eine trostlose Atmosphäre vor. Die Verzweiflung steigt, bis ihnen eines Tages ein roter Vogel im Winterwald begegnet. Er führt sie nach Sonnenau, eine sommerliche Kontrast-Welt voller Spiel, Spaß und Freude und ohne Entbehrungen. Eine fürsorgliche Mutter kümmert sich um alle. Abends jedoch müssen sie zurück auf den Bauernhof und schuften.

Parallelen zur derzeitigen Situation von Kindern, die daheim ohne ihre Spielkameraden auskommen müssen, ohne enge Kontakte zu ihren Mitschülern, in einem nicht selten wohl monotonen Alltag, manche davon sogar in ärmlichen Verhältnissen, fallen auf.

Peter Gutowski: „Ziel des Projektes soll es sein, dort anzuknüpfen, wo sich das Gesicht der Krise sehr deutlich zeigt. Die Welt lässt sich schwerlich verändern, aber den unmittelbar Betroffenen kann man Kraft geben zum Durchhalten, Werkzeuge an die Hand geben, damit sie sich schützen können, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Kinder könnten nicht allumfänglich verstehen, was selbst ihre Eltern nicht einmal verstehen. Erwachsene hätten aber für solche Notsituationen schon Strategien entwickelt, Kinder nicht. „Die Texte von Astrid Lindgren sind außerordentlich gut dazu geeignet, den Nöten und Sorgen der Kinder wirksam zu begegnen“, meint Peter Gutowski, selbst Vater. Die schwedische Autorin verstehe es, ihrer Zielgruppe vor allem Vertrauen in sich und in ihre Kräfte zu vermitteln. So fiel die Wahl eben auf „Sonnenau“. Interessierte können dem Theater hintenlinks eine E-Mail schreiben, um sich anzumelden. Diese erhalten dann als Antwort die Handlungsanweisung zur Internet-Übertragung. Die Zahl der zeitgleichen Anschlüsse sei auf 50 pro Vorführung wegen des Urheberrechts begrenzt.

Wie es weitergeht, kann Peter Gutowski noch nicht sagen, auch nicht, ob die Internetübertragung ein ständiger Begleiter des Theaters hintenlinks bleiben wird, auch in der Zeit nach der Pandemie. „Die Planung der kommenden Spielzeit ist durch die Corona-Krise, nach momentaner Kenntnislage, inhaltlich schwer beeinträchtigt. Die Krise wird den kommenden Spielplan auf jeden Fall stark prägen. Eine erste Antwort wollen wir mit ,Sonnenau’ geben“, sagt Peter Gutowski.