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Krefeld: Thea Mengeler stellt ihren Debütroman vor

Krefelderin stellt ihren Debütroman „Connect“ vor : Thea Mengeler hat bei ihrer Lesung im Schlachtgarten ein Heimspiel

Einmal verschoben und dann noch ein Ortswechsel. Nach diesen Anlaufschwierigkeiten konnte die Lesung von Thea Mengeler bei hochsommerlichen Temperaturen jetzt endlich erfolgreich über die Bühne gehen.

So reizvoll der ursprüngliche Ort, die Kredo-Dachterrasse auf dem Behnisch-Haus, auch gewesen wäre, so war angesichts des Wetters die kurzfristige Verlegung in den kühleren Schlachtgarten eine gute Entscheidung. Hier konnte man bei einem kalten Getränk im Schatten in der bewährten Mischung aus Lesung und Gespräch den Debütroman der jungen Autorin näher kennenlernen.

Marlene Jäger von Niederrheinischen Literaturhaus stellte zwischen den beiden Leseblöcken einige Fragen, um über die Inspiration und Arbeitsweise der Autorin näheres in Erfahrung zu bringen. Erschienen ist ihr Roman in einem österreichischen Verlag, doch die Lesung in Krefeld war für Mengeler jetzt ein Heimspiel, da sie hier auch lebt. Zu ihrer Freude konnte sie viele bekannte Gesichter sehen.

Die Lesung begann mit dem ersten Kapitel, das Marlene Jäger als „starken Einstieg“ bezeichnete. Der Leser lernt die Hauptfigur Ava kennen und wird direkt in ihre Welt hineingezogen. Ava ist eine junge erfolgreiche Designerin, die aber kurz vor einem Burn-out steht. Bereit auf den ersten Seiten wird die unglückliche Situation der jungen Frau eindringlich geschildert. Sie erleidet Panikattacken und ist zu keinem normalen Sozialleben mehr fähig.

Präzise, aber etwas nüchtern schildert Mengeler die Dinge

Auch am Wochenende zu Hause ist sie ruhelos und kann sich nicht entspannen. Sie besucht eine seltsame Ausstellungseröffnung, die Beschreibung der Atmosphäre dort verstärkt noch den Eindruck ihrer isolierten Situation. Sie ist eine Gefangene ihrer selbst.

Präzise, eher etwas nüchtern im Ton schildert Mengeler die Dinge aus der Sicht dieser Figur. Doch sie steht eigentlich nicht im Zentrum. Vielmehr geht es um die Gruppe Connect, was auch der Ausgangspunkt für das Buch war. Den Begriff „Sekte“ möchte die Autorin bewusst vermeiden, wie sie im Gespräch mit Marlene Jäger verrät. Der Begriff sei sofort mit Vorurteilen behaftet, meint sie. Dadurch, dass alles aus der Sicht Avas erzählt wird, kann der Leser ihrer Entwicklung genau folgen. Dabei werden auch die harmlosen, durchaus positiven Seiten von Connect deutlich. Denn die Hinwendung zu mehr persönlichem Kontakt und der Verzicht auf Social Media ist zunächst ja nicht negativ behaftet. Doch die Art und Weise, wie das erste Treffen der Gruppe, das Ava gemeinsam mit einer alten Freundin mitmacht, zeigt auf subtile Weise, wie scheinbar harmlose Vorgänge schleichend zwanghafte Züge bekommen.

Thea Mengeler hatte diese Szene als zweite, längere Lesepassagen ausgewählt. Es plätschert zunächst ein wenig dahin, doch das Fazit Avas an diesem Abend lässt schon Böses ahnen. Zum ersten Mal seit langem fühlt sie sich weniger verspannt, zumindest für einige Stunden. Der Funke ist also bei ihr übergesprungen, die Grundlagen für ein Suchtverhalten sind gelegt.

Wie Thea Mengeler betont, ist nicht der Charakter Avas, sondern ihre aktuelle Lebenssituation dafür entscheidend, sich auf so eine Gruppe einzulassen. Obwohl sie viel in Büchern und Filmen zu dem Thema recherchiert hat, hat sie für Connect kein bestimmtes Vorbild gehabt. Dadurch, dass alles aus der Perspektive Avas geschildert wird, vermeidet die Autorin eine konkrete Stellungnahme zu dem Thema ihrerseits, es gibt kein eindeutiges Urteil. Der Leser ist gefragt, sich selbst ein Bild zu machen, vielleicht auch nachzuspüren, inwieweit man selbst für so eine Gruppe anfällig sein könnte. Da es in dem Roman um menschliche Nähe und soziales Miteinander geht, ist er auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie interessant.

Die Autorin hat das Buch bereits vor der Pandemie geschrieben und wie sie jetzt im Gespräch bestätigt, würde sie es heute nicht anders schreiben. Inzwischen ist sie mit einem neuen Buch beschäftigt, in dem es allerdings um etwas ganz Anderes gehen soll. Im Mittelpunkt steht eine verlassene Urlaubsinsel. Man darf gespannt sein.