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Krefeld: Stadtverwaltung wartet auf klare Corona-Vorgaben

Corona in Krefeld : Corona: Noch viele Fragezeichen zu möglichen Lockerungen

Die Krefelder Stadtverwaltung wartet mit Blick auf Schulen, Veranstaltungen und Geschäftsöffnungen auf klare Vorgaben aus Düsseldorf. Die Zahl der Infizierten bleibt konstant.

Die jüngsten Beschlüsse von Bund und Land zu den Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen haben beim Krisenstab der Stadt Krefeld vor allem eines zurückgelassen: Fragezeichen. Oberbürgerrmeister Frank Meyer begrüßt zwar ausdrücklich den Versuch einer bundeseinheitlichen Vorgehensweise: „Das hilft ausgesprochen.“ Was aber gar nicht helfe, seien unklare Umsetzungsregelungen durch „kryptische Äußerungen“ aus dem Land NRW.

„Wir warten ab, bis sich das Ministerium klar positioniert“, betonte der Oberbürgermeister am Donnerstag etwa mit Blick auf die Schulen. Zwar war beschlossen worden, diese erst ab 4. Mai schrittweise wieder bundesweit zu öffnen. Doch in NRW sollen die Schüler aus Abschlussklassen schon nächste Woche wieder ran. Und ob das verpflichtend oder freiwillig ist und wie das Ganze mit Blick auf den Corona-Schutz organisiert werden soll, darüber kann Meyer bisher nichts sagen. Er hoffte vergeblich darauf, dass es noch im Laufe des Donnerstages verbindliche rechtliche Aussagen des Landes gibt.

Beschlossen wurde auch, dass nur Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern öffnen dürfen. Könnten größere Läden sich durch den kreativen Einsatz von Flatterband zu einem kleinen Laden machen? Wie genau ist eine „Großveranstaltung“ zu definieren, die ja bis 31. August untersagt werden? Dürfen etwa Veranstalter von Schützenfesten oder des Christopher Street Days in Krefeld noch planen oder sollten sie Verträge kündigen? „Dazu brauchen wir Handreichungen – und das ziemlich schnell“, sagte Stadtdirektorin Beate Zielke. Meyer rät dazu, mit Kündigungen von Verträgen lieber noch einige Tage zu warten, bis rechtliche Klarheit herrscht – sofern denn keine Fristen verletzt werden.

Auch Bibliotheken dürfen nächste Woche wieder öffnen. Gilt das auch für die Krefelder Mediothek? „Die Mitarbeiter würden sich freuen. Sie kriegen ja schon einen Lagerkoller“, sagte Meyer. Doch beantworten konnten er und Zielke auch diese Frage noch nicht.

Zahl der Genesenen legt um zwölf zu, Zahl der Infizierten um 13

Eindeutiger sind dagegen die Krefelder Zahlen zur Corona-Infektion. Sie seien „stagnierend, aber nicht fallend“, so Zielke. Stand Donnerstag gibt es 360 bestätigte Fälle in der Stadt – 25 mehr als am Dienstag. Was auch daran liegt, dass die Zahl der genommenen Abstriche von 3321 auf 3307 nach oben gegangen ist. Die Ergebnisse von 77 Proben stehen noch aus.

256 Krefelder gelten als genesen (plus 12), 96 als aktuell noch infiziert (plus 13). Die Zahl der Toten liegt unverändert bei acht. 1191 Personen befinden sich in Quarantäne, neun liegen auf der Intensivstation, acht davon werden beatmet. Laut Zielke handelt es sich dabei immer um die gleichen Patienten, die Behandlungszeit sei also sehr langwierig.

Weiter im Blick habe man die Situation in den Pflegeeinrichtungen. In einem Heim für Demzenkranke hatte es, wie berichtet, vier Todesfälle gegeben. Schon nach dem ersten waren alle Heime in der Stadt angeschrieben worden, damit sie ein Notfall-Konzept (etwa mit Blick auf Personaleinsatz und Isolationsmöglichkeiten) erarbeiten. Was mittlerweile geschehen ist.

Markus Ottersbach, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Krefeld-Kempen-Viersen, sieht die neuen Vorgaben aus der Politik vor allem als wichtiges psychologisches Zeichen: „Für die Händler ist es ein Licht am Horizont“, sagt er. Aber es sei nicht die große Wende zu erwarten, vor allem was die Umsätze angehe – auch nicht bei jenen, die nun wieder öffnen dürfen. „Ich glaube, dass der Umsatz bei etwa 50 Prozent der regulären Umsätze liegen wird“, sagt Ottersbach. „Die Leute sind weiterhin verunsichert.“ Und es entfalle ein Großteil des Spaßes beim Shoppen, der das Bummeln so attraktiv mache, vor allem auch, weil die Gastronomie zunächst weiter geschlossen bleibt.

„In Städten wie Krefeld kommt hinzu, dass die großen Zugpferde, die Frequenzbringer, weiter nicht öffnen können“, so Ottersbach. Gemeint sind die großen Kaufhäuser, die mit mehr als 800 Quadratmetern weiter geschlossen bleiben sollen. „Wir als Einzelhandelsverbände sind sehr unglücklich mit dieser Grenze. Es müssten gleiche Regeln für alle Geschäfte gelten.“ Große Kaufhäuser seien schließlich professioneller aufgestellt und hätten mehr Fläche, daher seien diese Ausnahmeregelungen sachlich nicht zu begründen. Aber die aktuelle Verordnung sei ja befristet bis zum 3. Mai, danach könne es schon wieder anders aussehen. Die aktuelle Verordnung jedenfalls „hilft wirtschaftlich nicht sehr viel weiter“, befürchtet der Verbands-Chef.