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Krefeld: Stadt will Schrotthäuser an der Lindenstraße abreißen lassen

Krefelder Innenstadt : Stadt will Schrotthäuser an der Lindenstraße abreißen lassen

Die seit Jahren leer stehenden „Schrotthäuser“ 5 und 7 an der Lindenstraße stehen vor dem Abriss: Der Stadtrat hat dafür benötigte Geldmittel am Montagabend bereitgestellt. Damit gerät der Eigentümer, ein Unternehmen aus Essen, unter Zugzwang.

„Der Abriss eines nicht mehr sanierungsfähigen Objektes in der Innenstadt soll nunmehr ordnungsbehördlich verfügt werden, da der Eigentümer in den letzten zwölf Monaten nicht dazu bewegt werden konnte, einen Antrag auf Beseitigung der Anlage einzureichen und das Haus abzubrechen“, heißt es in der Ratsvorlage. 150 000 Euro wurden für den Abriss eines der beiden Gebäude (Nummer 5) bereitgestellt. Das soll nach dem Willen der Stadt schon im Juni über die Bühne gehen. Rund 250 000 Euro würde der Abriss beider Häuser kosten. Angebote von Abbruchfirmen sind durch die Stadt schon eingeholt worden.

Die beiden Gebäude sind lange ein Ärgernis. Im Juli 2019 mussten davor sogar Fahrbahn und Bürgersteig aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, da die Häuser laut einem statischen Gutachten einsturzgefährdet sind. Schon seit Jahren stehen dort Gerüste an der Fassade, um Schlimmeres zu verhindern. Denn dort könnten sich Bauteile lösen.

Abriss würde dem Eigentümer
in Rechnung gestellt

Lange gehörte der Komplex einer zerstrittenen Erbengemeinschaft aus Köln und Krefeld. Diese ließ die Gebäude immer mehr verfallen. Die Versuche, sie zu verkaufen, scheiterten ebenfalls an internen Unstimmigkeiten. Eine schon terminierte Zwangsversteigerung wurde im Frühjahr 2019 im letzten Moment abgesagt. Denn das besagte Essener Unternehmen, das sich auf die Sanierung alter Gebäude spezialisiert hat, hatte die beiden Gebäude erworben.

Nach dem Eigentümerwechsel, der dem Vernehmen nach in Teilen rechtlich bis heute nicht vollständig abgewickelt sein soll, schien sich endlich eine positive Veränderung anzudeuten. Doch da laut Ratsvorlage das Unternehmen aus Essen nach wie vor keinen Antrag auf Beseitigung des Komplexes eingereicht hat, setzt die Stadt Krefeld jetzt die Daumenschrauben an: Mit der Bereitstellung des Geldes könnte sie den Abriss aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht kurzfristig selbst vornehmen lassen. Er würde dem Eigentümer im Anschluss in Rechnung gestellt.

Zum Komplex gehört auch das sehr beliebe Café Kosmopolit im Hinterhof der Hausnummer 7. Um es zu erreichen, müssen Gäste durch einen Torbogen gehen, der abgestützt werden musste, um niemanden zu gefährden. Die Ausgaben dafür übernahm das Kosmopolit. Alle übrigen Sicherungsmaßnahmen würden vom Eigentümer eingefordert, hieß es Ende 2019 von Seiten der Stadt. Die Kosten lägen halbjährlich bei 3500 Euro.

Wer auch immer jetzt den Abriss vornimmt: Das Café in einer ehemaligen Lagerhalle bleibt trotzdem erhalten, denn Inhaberin Vera Goossens hat einen noch sechs Jahre laufenden Pachtvertrag. Nach der wochenlangen Corona-Schließung ist die Wieder-Eröffnung des Kosmopolit für Freitag geplant.

Unternehmen von „Druck“
durch die Stadt verwundert

Ein Sprecher des Essener Unternehmens erklärte auf Nachfrage, von dem Ratsbeschluss sei ihm nichts bekannt. Wegen der Corona-Krise sei es nicht möglich gewesen, den Abbruch voran zu treiben, Angebote seien aber schon eingeholt worden. Im Juni werde sich dort auf jeden Fall etwas tun.

Der Zugang zum Café müsse weiter möglich sein, zudem müsse man die Nachbargebäude sowie Versorgungsleitungen sichern. Er zeigte sich verwundert, dass nun von Seiten der Stadt Krefeld so viel Druck gemacht werde, nachdem zuvor zehn Jahre lang nichts passiert sei.