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Krefeld: So ist eine Pfandhaus-Versteigerung in der Corona-Krise

Auktion in Krefeld : So ist eine Pfandhaus-Versteigerung in der Corona-Krise

120 Händler sind vor Ort, Spannung liegt in der Luft - die erste Auktion eines Krefelder Pfandhauses seit Beginn der Corona-Pandemie. Unsere Autorin hat sich umgeschaut.

Spannung liegt – beinahe greifbar – in der Luft. Rund 120 Händler und Privatleute erleben die erste Auktion des Pfandhauses Schumachers seit Beginn der Corona-Pandemie. Wer dazu unverwüstlich gute Laune versprüht, ist Auktionator Johannes Wallow, mit raumgreifender Gestalt. Er ist ein Freund der Familie Schumachers und bekannt aus „Schätze unterm Hammer“ vom TV-Sender Kabel Eins.

Eigentlich ist der Ostfriese Wallow Immobilienauktionator, bei ihm kommen Häuser unter den Hammer. Aber für die Krefelder Familie ist er mit Herz und ohne Hammer – er spricht nur ins Mikro – in Sachen Schmuck und Technik exklusiv und hobbymäßig, live und in Farbe, tätig. „Wir sind schon lange befreundet“, erzählt Anika Schumachers, Inhaberin des Hauses am Ostwall. „Wir betreiben schon seit 1873 Pfandhäuser in Deutschland und sind Deutschlands ältestes privates Pfandhaus.“

Unter den interessierten Besuchern sind auch „gute Bekannte“, die immer kommen. Darunter ein Paar aus Mönchengladbach. Für die Frau sind Auktionen ein Hobby: „Ich liebe gebrauchten Schmuck. Er hat Vergangenheit“, erzählt sie im Vorfeld. Auf einem Zettel hat sie aufgeschrieben, was ihr bei der Besichtigung an diesem Tag gefallen hat: Eine edle Armbanduhr, eine Kette mit Marienkäfer-Anhänger, weil er Glück bringe, und ein Kreuz zum Schutz. „Ich habe Bargeld dabei. Wenn es ausgegeben ist, ist Schluss. Das ist mein Limit.“

Salbin Büchner aus Dortmund ist Händler und kauft nach eigenen Angaben „alles“. Nicht selten gebe er sechsstellige Beträge aus, außerdem habe er in den Pfandhäusern Kredit. „Mein Geschäft ist 5000 Quadratmeter groß und rappelvoll. Irgendwann kommt einer, der etwas will und ich habe es“, berichtet der Mann.

Der Ring bleibt liegen,
Technik ist der Renner

Wer denkt, im großen Visaal an der Obergath, in dem ausreichend Platz für Abstandregelungen ist, liege der Fokus auf Schmuck, täuscht sich. „Bei der Technik wie Handys, Tablets, Spielekonsolen, Laptops und Fototechnik geht die Post ab“, sagen Schumachers und Wallow unisono. Und so geht das allererste Angebot des Tages, ein Ring mit künstlichen Zirkonia-Steinen für 16 Euro auch gar nicht erst über den Tisch. „Hallo, was ist los bei Euch?“, fragt der Auktionator hinter dem Spuckschutz und vor der Videowand, auf der die Stücke erscheinen. Für den Mann am Mikro ist es wichtig, schnell einen „guten Draht“ zu den Bietern zu finden. „Ich sehe viel im Publikum, habe einen Spürsinn für Emotionen“, verrät er.

Und nach rund 60 Minuten Schmuck kommt dann der heißt ersehnte Teil mit der Technik. Schumachers: „Rund 500 Teile liegen parat. Das wird jetzt einige Stunden dauern. Glücklicherweise arbeitet der Auktionator zügig.“ So schießt beispielsweise der Preis für ein Laptop hoch. Schließlich wechselt es für 510 Euro den Besitzer. „Gegen Ende liegen nur noch sechs Technik-Teile unverkauft auf dem Tisch“, freut sich die Inhaberin.

Eine Frau ist an diesem Tag noch besonders glücklich: Die Mönchengladbacherin hat ihre Kette mit Marienkäfer bekommen.