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Krefeld: Schüler schreiben Briefe für mehr Menschenrechte

Aktion

Schüler schreiben Briefe für mehr Menschenrechte

Jule Dorn und Lucy Betcher beteiligten sich am Briefmarathon der Gesamtschule Kaiserplatz. FOTO: Andreas Bischof / Andreas Bischof Tel.+49(0)171285

Bockum Gesamtschule Kaiserplatz nimmt an der weltweiten Aktion der Organisation Amnesty teil.

Die Brände im griechischen Flüchtlingslager Moria haben vielen Menschen die Augen geöffnet. Im viele tausend Kilometer entfernten Krefeld geriet durch die Bilder auch ein Stein ins Rollen, der heute in einer Aktion gegen Ausgrenzung und für Menschenrechte gipfelt. Geschichtslehrerin Eva Willems warf mit ihren Schülern die Frage auf: Wie werden wir aktiv? Das Thema bewegte die Jugendlichen. Dann ging es ganz schnell. Jan von der Heydt, Mitglied der Schulleitung an der Gesamtschule Kaiserplatz, nutzte seinen Draht zu Peter-Michael Friedrichs, Beauftragter für Menschenrechtsbildung von der Krefelder Ortsgruppe von Amnesty. In der nächsten Unterrichtsstunde stand Friedrichs dann schon vor der Klasse und begeisterte sie für die Aktion des weltweiten Briefmarathons der Menschenrechtsorganisation.

Zehn Schüler der Stufe 13 der Gesamtschule ließen sich in erster Instanz motivieren, ihren Beitrag zu leisten, weit entfernten Menschen in der ganzen Welt eine ideelle Unterstützung zukommen zu lassen und Mitschüler von der Aktion zu überzeugen. Durch eine überwältigende Anzahl von E-Mails, Briefen und unterschriebenen Appellen will die Organisation Regime dazu verleiten, in ihren Ländern die drakonischen Maßnahmen gegen Kritiker und Oppositionelle aufzuweichen. Ob die Menschenrechtsaktivistin Assima Al-Sadah in Saudi-Arabien, der Satiriker Paing Phyo Min aus Myanmar oder drei Asylsuchende auf Malta – ihnen und anderen soll geholfen werden.

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Um sie geht es

Gefangen Eine Stellwand in der Gesamtschule Kaiserplatz zeigt die Menschen, die durch die Briefaktion aus ihrer Not befreit werden sollen: Die Menschenrechtsaktivistin Assima Al-Sadah aus Saudi-Arabien, drei Asylsuchende auf Malta, der Satiriker Paing Phyo Min in Myanmar, der Menschenrechtsverteidiger Germain Rukuki in Burundi und Idris Khattak, der Fälle von Verschwinden in Pakistan dokumentiert.

„Wir wollen das Thema Rassismus angehen, für Menschenrechte und das friedliche Miteinander einstehen“, sagt Jan von der Heydt. Schüler fragten immer wieder: Wie kann man konkret helfen? Getreu dem Leitspruch der Gesamtschule Kaiserplatz, der ein afrikanisches Sprichwort ist: „Wenn wir alle gemeinsam gehen, entsteht ein Weg.“ Der Zusammenhalt ist ein großes Thema an einer Schule mit 1300 Schülern aus 29 verschiedenen Kulturkreisen, sagt Schulleiterin Kathrin Rengers. Draußen auf dem Schulhof steht ein Schilderbaum, der in die vielen Richtungen der Herkunftsländer weist. Wenn man für Integration und gegen Ausgrenzung und Rassismus sensibilisieren will, fängt man am besten in ganz jungen Jahren an. „Es ist eine Win-Win-Situation. Von der Schulleitung gab es viel Unterstützung“, sagt Lehrerin Eva Willems.

Jule Dorn und Johann Kozok sind zwei der Schüler, die mitmachen, die Unterschriften gesammelt und um Teilnahme von Mitschülern werben. „Es ist wenig Arbeit und eine gute Erfahrung. Man kann Menschen helfen ohne viel Aufwand“, sagt Kozok. Da pflichtet ihm Dorn bei: „Man kann die Probleme in der Welt nicht ignorieren und den Kindern die Thematik gleich mit auf den Weg geben.“ Bis 23. Dezember läuft der internationale Briefmarathon von Amnesty, bis 20. Dezember werden die Briefe und Mails in Krefeld gesammelt, dann vom Notar beglaubigt. Peter- Michael Friedrichs weiß um die Bedeutung der Schulen in Zeiten der Pandemie: „Sie sind für Amnesty wichtig und wir können uns zeigen. Sonst ist ja viel geschlossen. Uns fehlt der direkte Kontakt zu den Menschen.“ Schulen dienen als Multiplikatoren für den guten Zweck.

Längst nicht alle Briefe werden von den Schülern selbst verfasst. Sie werden von Amnesty vorgeschrieben und können von den Schülern unterzeichnet werden. Der Einfachheit halber, denn solche Schreiben und Appelle sind auch anspruchsvoll, sollen sie doch im besten Fall von den obersten Behörden der Länder gelesen werden und nicht sofort im Papierkorb landen. „Die Briefaktion hat eine große Wirkung“, ist sich Friedrichs sicher.

Eigentlich war für den 19. Dezember noch eine zentrale Veranstaltung in der Mediothek geplant, die wegen der Pandemie aber abgesagt werden musste. So liegt der Fokus nun auf den Bildungs-Einrichtungen wie der Gesamtschule Kaiserplatz.