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Krefeld. Schüler im Bewerbungstest für den Ernstfall

Schule und Ausbildung : Der Bewerbungstest für den Ernstfall

Die Kooperation der Freiherr-vom-Stein-Schule mit Evonik hilft den Schülern, sich praxisnah ihrem Traumberuf zu nähern.

Rund 70 Schüler der Jahrgangsstufe 9 der Freiherr-vom-Stein-Schule habne sich für das freiwillige Bewerbungstraining am Mittwoch und Donnerstag angemeldet. Durchgeführt wird es von Mitarbeiter der Krefelder Evonik-Personalabteilung.

„Mit dem Chemiekonzern besteht schon seit 23 Jahren eine erfolgreiche Kooperation, bei der speziell das Bewerbungstraining bei den Schülern sehr beliebt ist“, sagte Kathrin Rodemerk zum Auftakt. Die Schulleiterin ist dankbar, dass ihre Schüler durch den Dialog einen praxisnahen Einblick in die Berufswelt erhalten. Im Gegenzug kann Evonik Schüler für eine Ausbildung im Unternehmen begeistern. „Rund 60 Schüler der Freiherr-vom-Stein-Realschule haben in den vergangenen Jahren am Standort Krefeld eine Ausbildung absolviert“, berichtet Heike Lechtenberg, Ausbildungsleiterin am Standort Krefeld.

In einem ersten Teil des Bewerbungsprojekts haben die Schüler eine Bewerbung für ihren Traumberuf geschrieben, der von den Personalprofis beurteilt und – mit Verbesserungsvorschlägen versehen – den Schülern überreicht wurde. Als bester Teilnehmer wurde Eduard Singer (14 Jahre) aus der Klasse 9d geehrt.

Stolz zeigte er seine Beurteilung, die nur an zwei Stellen kleine Verbesserungen auswies. „Ich möchte mich auch am Bewerbungstraining beteiligen“, wollte er die Möglichkeit nutzen. Denn laut Evonik ist eine überzeugende Bewerbung nur der erste Schritt zum neuen Job und das Vorstellungsgespräch der zweite, der über die Einstellung entscheidet.

Dieses Angebot nahm auch die 16-jährige Rozerin Kaya aus Eduards Klasse wahr. Das Gespräch führten Heike Lechtenberg und Jaqueline Huberg. Huberg lernt im dritten Ausbildungsjahr Industriekauffrau bei Evonik und drückte an der Freiherr-vom-Stein-Schule einst die Schulbank. Sie ist bei Evonik fest in das Projekt eingebunden und soll für die Schüler ein gutes Vorbild sein.

Rozerin Kaya hatte sich für ihren Traumberuf als OP-technische Assistentin bei einem Krefelder Krankenhaus beworben. „Das hat sie sehr gut gemacht“, lobte Lechtenberg, die ihr zusammen mit Huberg zuvor richtig auf den Zahn fühlte. So wurde überprüft, ob sich die Kandidatin über ihren Wunscharbeitgeber und ihren künftigen Beruf angemessen informiert hatte. Unter anderem wusste sie, dass Bildungszentrum und Krankenhaus an einem Ort zu Hause sind und auch, wo sich die Berufsschule befindet. Außerdem machte sie glaubhaft, dass sie über soziale Kompetenz verfügt – anhand eines Praktikums in einer Kindertagesstätte und der regelmäßigen Betreuung der Kinder ihrer Cousine. „Das war sehr spannend, ich habe zum ersten Mal solch ein Gespräch geführt – und dann noch vor meinen Mitschülern“, gestand sie danach. Ihre anfängliche Nervosität sahen ihr die Profis nach. Das sei normal, und die Erfahrung helfe beim nächsten Gespräch.

Teil der Veranstaltung war zu Beginn eine Analyse der eingegangenen Bewerbungen der Schüler bei Evonik. „Das Wort Werbung steckt nicht ohne Grund in Bewerbung“, machte Lechtenberg deutlich. „Deshalb sollte eure Bewerbung genauso prägnant und aufwändig sein wie ein Werbespot für das Fernsehen.“ Die erfahrene Teamleiterin begründete das damit, dass sie nur etwa eine Minute Zeit habe, um sich bei der Vielzahl an Bewerbungen einen ersten Eindruck zu verschaffen, der dann aber darüber entscheide, ob es zu einer Einladung zum Gespräch kommt. Anhand eines Videos, das auf der Homepage zu finden ist, zeigte Marion Deiwick vom Ausbildungsmarketing, wie man sich online richtig bewirbt und welche Regeln es dabei zu beachten gilt. Das sei schon deshalb wichtig, weil viele Firmen – so auch Evonik – aus Verwaltungsgründen nur noch Online-Anfragen bearbeiten.

Die Vorgaben reichen von der richtigen Reihenfolge wie Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnis- und Praktikumskopien bis zu individuellen, persönlichen Aussagen zur Berufswahl und zum zukünftigen Arbeitgeber. Warum gerade dieser Beruf? Warum bei diesem Arbeitgeber? Der landläufigen Meinung, Rechtschreibung und Zeichensetzung seien immer weniger wichtig, erteilen die Firmenverantwortlichen eine klare Absage. „Lieber die Eltern noch einmal Korrektur lesen lassen.“