Krefeld schneidet bei Hotelvergleich in NRW schlecht ab

Tourismus : Bei Hotels ist Krefeld Schlusslicht

In einem Hotel-Ranking bekommt die Seidenstadt ein „Doppel-Minus“. Im Tourismus gibt’s „Luft nach oben“.

Beim Krefelder Auftritt auf der größten Reisemesse der Welt, der ITB in Berlin, hat Stadtmarketing-Leiter Ulrich Cloos vor wenigen Wochen mit „100 Jahre Bauhaus“ geworben. „Das ist für uns ein richtiges Pfund. Schon jetzt gibt es viele Anfragen von Reiseveranstaltern und Busunternehmen, die Krefeld deshalb besuchen wollen“, berichtete er damals. Dieses Interesse kann die Stadt gut gebrauchen. Denn mit einem „Doppel-Minus“ ist Krefeld das Schlusslicht im aktuellen „Hotelmarkt Report NRW 2019“, eine qualitative Rangliste der 15 größten Städte im bevölkerungsreichsten Bundesland.

„Der Krefelder Hotelmarkt liegt auf dem 15. und somit letzten Platz und bietet weiterhin wenig Potential für Investoren“, lautet darin das vernichtende Urteil. In der Gesamtbewertung setzte sich Köln mit einem Triple-Plus an die Spitze. Krefeld und Gelsenkirchen bilden mit je einem Doppel-Minus das Schlusslicht.

Das Tourismusgeschäft ist laut Report schwach ausgeprägt

Gründe für die miserable Beurteilung nennt der Report mehrere: Von 2008 bis 2018 hätten die Übernachtungszahlen in den Hotelbetrieben der Stadt „nur“ um 6,0 Prozent, die Bettenzahl um 4,6 zugenommen. 2018 lag die Bettenauslastung bei 42,6 Prozent. Schlecht schneide Krefeld in der wichtigen „Tourismus-Intensität“ ab. Diese Kennziffer setzt die Einwohnerzahl ins Verhältnis zu den Übernachtungen. Krefeld verzeichnete hier 958 Übernachtungen je 1000 Einwohner und liege damit auf dem 13. Platz. Zum Vergleich: Der Mittelwert liegt bei 2441, Düsseldorf bringt es auf 7605 Übernachtungen.

Folgerichtig heißt es in dem Report: „Krefeld beherbergt größtenteils Geschäftsreisende, das Tourismusgeschäft ist schwach ausgeprägt.“ Die Nachfrage habe eine so geringe Dynamik, „dass jede Erhöhung des Angebots fast zwingend mit einem leichten Rückgang der Belegung einhergeht. Hinsichtlich neuer Hotelentwicklungen sehen wir gegenwärtig kaum Potential in Krefeld“. Aktuell ist ein Holiday Inn Express in Fichtenhain in Planung.

Antonios Arabatzis, Vorsitzender des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), bedauert die schlechte Beurteilung. „Krefeld hat touristisch viel zu bieten“, sagt er – angefangen von den Museen über den Stadtwald bis zur Burg Linn. Auch sei bisher kaum bekannt, dass sich Krefeld zu einer Bier-Hauptstadt entwickelt habe: Hier gebe es drei Brauhäuser und eine Groß-Brauerei.

„Leider ist Krefeld beim Niederrhein Tourismus nicht beteiligt“, sagt der Gleumes-Chef. Die Stadt war vor einigen Jahren aus der Gemeinschaft ausgetreten, um Geld zu sparen. 2016 gab es Gespräche über eine Rückkehr zur gemeinsamen Vermarktung – doch diese sind bisher ohne Ergebnis geblieben.

Das bedauert Thomas Kolaric, Dehoga-Geschäftsführer im Bezirk Nordrhein. Im Bereich der Geschäftsreisenden könne Krefeld nur versuchen, vom Kuchen eine größere Scheibe abzuschneiden. Doch im Tourismus könne der Kuchen selbst größer werden: „Da ist Luft nach oben.“

„Das Potential für Investoren wird von Wirtschaftsförderung und dem Stadtmarketing deutlich anders bewertet“, sagt Claire Neidhardt vom Stadtmarketing zu dem Hotelreport. Man habe zuletzt durchgängig steigende Übernachtungszahlen gehabt. Neben dem in Planung befindlichen Hotel in Fichtenhain gebe es aktuell Gespräche mit einem Hotelbetreiber für eine Ansiedlung in der Innenstadt, ein weitere Betreiber zeige Interesse. „Die realen Ansiedlungsfragen stellen also ein anderes Bild dar“, so Neidhardt. Sie ergänzt, dass Krefeld auch Projektpartner in Kampagnen sei – unter anderem von Niederrhein Tourismus.

Für Thomas Kolaric ist das zu wenig: Nur als Vollmitglied könne Krefeld auch vollständig mitreden, ist sich der Dehoga-Geschäftsführer sicher.

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