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Krefeld: Schiedsgericht urteilt über Ex-Pinguine-Boss

Wirtschaft : Wolfgang Schulz soll 643 Millionen Euro an US-Firma zurück zahlen

Nach Ansicht eines US-Schiedsgerichts hat der Krefelder Unternehmer und Ex-Pinguine-Boss 2017 vor dem Verkauf seines Unternehmens dessen Finanznot verschleiert.

Dass die renommierte New York Times über ein Krefelder Unternehmen berichtet, kommt nicht sehr häufig vor. Dass sie dies im Zusammenhang mit dem Multi-Milliardär Warren Buffett tut, erst recht nicht. Doch vor wenigen Tagen ist genau das passiert: Der Precision Castparts Corporation (PCC), Tochter von Buffets Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, sei in einem Schiedsgerichtsverfahren eine Summe von 643 Millionen zugesprochen worden, schreibt das Blatt. Der Titel ergehe gegen die Schulz Holding GmbH. PCC habe am Dienstag vor Ostern einen Bundesrichter gebeten, den erwirkten Titel zu bestätigen.

Hintergrund des Schiedsverfahrens: 2017 hatte die PCC die Krefelder Schulz-Gruppe, Spezialist für rostfreie Edelstahl-Rohrteile, gekauft. Worüber unsere Zeitung damals auch berichtet hatte. Immerhin ist Wolfgang Schulz als langjähriger Gesellschafter der Krefeld Pinguine in der Stadt ein bekannter Mann.

Wie aktuell die „Times“ sowie die Nachrichtenagentur Reuters berichten, habe die Verkaufssumme damals 800 Millionen Euro (870 Millionen Dollar) betragen. Zu dem Kauf sei das US-Unternehmenaber aber „betrügerisch veranlasst worden“, heißt es in dem Zeitungsbericht, der aus dem 123-seitigen Urteil des Arbitration-Verfahrens zitiert: „Die Beweise deuten stark auf Betrug hin, und es gibt wenig in den Unterlagen, was auf etwas anderes hindeutet.“

 Die Firma Precision Castparts Corp mit Sitz in Portland, Oregon, Hersteller von Flugzeugen und Industrieteilen, habe im März 2018 das Verfahren eingeleitet, heißt es weiter in dem Artikel. Schulz werde beschuldigt, vor dem Kauf 2017 Praktiken wie gefälschte Rechnungen und rückwirkende Bestellungen angewendet zu haben, um auf dem Papier Umsatz und Gewinn zu steigern.

Die Krefelder hätten entgegnet, dass PCC nicht beschädigt worden sei. Grund: Die erworbenen Unternehmen der Schulz-Gruppe hätten einen Wert von mehr als 800 Millionen Euro gehabt.

Das Schiedsgericht soll nun jedoch festgestellt haben, dass sich die Schulz-Firmen in den Monaten vor der Transaktion in einer finanziellen Notlage befunden hätten und einem „schweren Insolvenzrisiko“ ausgesetzt gewesen seien.

Laut Spruch des Schiedsgerichts sei Precision Castparts der Beweis gelungen, dass sie von den Vertretern der Schulz-Gruppe in die Irre geführt worden seien, schreibt das Blatt. PCC habe geltend gemacht, dass die Schulz-Unternehmen nicht mehr als 157 Millionen Euro wert gewesen seien. Das Gremium habe dies eine „verantwortungsvolle Schätzung“ genannt und diese Summe vom Kaufpreis abgezogen. So sei die Summe von 643 Millionen Euro entstanden, die das US-Unternehmen nun von der Schulz-Holding haben möchte.

Vorwurf des Betrugs
wird zurückgewiesen

Ein Sprecher von Wolfgang Schulz erklärte auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir sind vom Ausgang des Arbitration-Verfahrens enttäuscht und halten die Entscheidung für falsch. Unsere Anwälte prüfen daher aktuell mögliche rechtliche Schritte. Den Vorwurf des Betruges weisen wir klar zurück.“

Man sei zuversichtlich, dass sich nachweisen lasse, dass PCC durch den Kauf des Unternehmens kein Schaden entstanden sei. Seit dem Erwerb treffe PCC die unternehmerischen Entscheidungen und trage als Eigentümerin die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wolle man sich nicht weiter zu Details des Verfahrens äußern.

Dies gilt auch für eine Anfrage unserer Zeitung zu einem laufenden Ermittlungsverfahren bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Düsseldorf. Diese hatte den Fall übernommen, nachdem im August 2018 bei der Krefelder Staatsanwaltschaft eine 97-seitige Strafanzeige eingegangen war, die sich gegen fünf Personen richtete. „Mittlerweile wird gegen acht Beschuldigte ermittelt“, erklärte die Staatsanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung.

Angezeigt worden seien „Betrug, Urkundenfälschung und Bilanzfälschung im Zusammenhang mit Unternehmenskäufen im Jahre 2017“. Die Anzeigenerstatter hätten vorgetragen, man sei über die Werthaltigkeit der Unternehmen getäuscht worden. Der Schaden liege bei mehreren hundert Millionen Euro.

Zum Stand des Verfahrens sagt die Düsseldorfer Behörde: „Derzeit werden Beweismittel ausgewertet und Zeugen vernommen.“ Die polizeilichen Ermittlungen erfolgten in Krefeld. Zu den Beschuldigten erfolge keine weitere Information.