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Krefeld: Rote Ampeln statt Grüner Welle bei Tempo 70 auf der Untergath

Verkehr : Rote Ampeln statt Grüner Welle bei Tempo 70 auf der Untergath

Mit fließendem Verkehr statt Stop-and-go wollte die Stadt Abgase verringern. Aber ob von Oppum zur Kölner Straße oder zurück: Autos und Lastwagen stehen mehr, als sie fahren. Ein Schaltfehler ist schuld.

„Die Umwelt bleibt auf der Untergath auf der Strecke“, sagt der Oppumer Klaus Schneiders, und meint damit das Ende vergangenen Jahres geänderte Tempolimit auf dem etwa drei Kilometer langen Abschnitt zwischen der Autobahnabfahrt Oppum der A 57 und der Kreuzung mit der Kölner Straße. Statt 50 Kilometer in der Stunde sind hier seit der Umstellung 70 erlaubt. Im Dezember wurde an den Ampeln gearbeitet, neue LED-Technik für drei Anlagen eingebaut oder zum Beispiel auf Höhe der Firma Evonik eine neue Ampel installiert. Alles mit dem Blick aufs Thema Luftreinhalteplan. Die Stadt hatte festgestellt, dass bei Tempo 70 mit der entsprechenden Ampelschaltung, also „Grüner Welle“, der Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub geringer sei als bei Tempo 50 mit Bremsen vor roten Ampeln, Anfahren, Bremsen.

Über die Ampel Am Herbertzhof
schafft es kaum jemand

Doch genau nach dieser „Grünen Welle“ sucht Klaus Schneiders noch. Von seinem Zuhause an der Heckschenstraße führen ihn die meisten Wege mit dem Auto irgendwie über die Untergath. „Vor der Umstellung vor Jahren von 70 auf 50 war es möglich, von der Hauptstraße bis zur Kölner Straße ohne Bremsmanöver fast immer bei Grün durchzukommen“, erinnert sich der gebürtige Uerdinger, der seit 1980 in Oppum wohnt.

Grüne Welle auf der Untergath? Eine Testfahrt

Wenn er nun zum Beispiel seine Frau zu ihrem Arbeitsplatz an der Melanchthonstraße bringt und dabei über Untergath und Kölner Straße fährt, wundert er sich immer wieder über das Stop-and-go. „Warum ist es nötig, dass wir an fast jeder Ampel zum Stehen kommen?“, fragt er und hat auch die Stadtverwaltung wegen der Rot-Grün-Problematik angeschrieben. Die Fußgängerampeln, die auf Rot springen obwohl morgens um sechs Uhr niemand dort stehe. „Das kapiere ich nicht.“ An der Kreuzung Am Herbertzhof sei es besonders „extrem“.

Der Test unserer Mitarbeiter mit unterschiedlichem Fahrverhalten an mehreren Wochentagen zu abweichenden Tageszeiten brachte die Quintessenz: Eine „Grüne Welle“ gibt es derzeit nicht. Egal, bei welchem Verkehrsaufkommen, mindestens drei rote Ampeln – eher mehr – bremsen die Auto- und Lastwagenfahrer zwischen Oppum und der Kölner Straße oder auch in die andere Richtung immer wieder ab.

Beim Abbiegen von der Kölner Straße steht alles auf Höhe des Unternehmens Solenis auf Rot, die nächste Ampel ist mit entsprechender Beschleunigung noch mühsam bei Grün zu überfahren, am Dießemer Bruch, anschließend Am Herberzhof ist allerdings wieder Anhalten nötig.

Aus der anderen Richtung stehen diejenigen, die von der Autobahn abfahren, genauso wie diejenigen, die beispielsweise von der Straße Am Holderspfad kommen, ebenfalls alle paar hundert Meter. Zum Teil selbstverständlich auch, weil es gar nicht so schnell vorangeht, dass der Zeiger es überhaupt bis zur 70 schafft. „Aber ich muss auch morgens um 6 Uhr immer wieder stoppen, obwohl kaum was los ist. Auch an Fußgängerampeln, obwohl da morgens kein Mensch steht“, wundert Schneiders sich. „Wer da bremst, hat keine Frischluft im Auspuff und dann noch der Bremsstaub“, sieht er die Entwicklung kritisch, „das ärgert mich, nachdem so viel von Grüner Welle und Umweltschutz die Rede war.“

Laut Kommunalbetrieb gibt
es Probleme mit der Software

Auf Nachhaken unserer Redaktion bei der Stadtverwaltung stellt sich heraus: Es gibt tatsächlich noch keine Grüne Welle. So lautet die Antwort von Manuel Kölker von der Presse- und Kommunikationsabteilung (KBK) im Rathaus in Kürze. Auf die Anfrage habe der Kommunalbetrieb Krefeld mitgeteilt, dass die Umstellung „noch nicht vollständig vollzogen sei“. Es habe Probleme mit der Software gegeben, die bis zu den Feiertagen, also Weihnachten und Silvester, nicht mehr habe behoben werden können. Mittlerweile zeichne sich allerdings eine Lösung dieser Probleme ab. Man gehe davon aus, dass zum Ende des Monats Januar die Ampeln richtig vernetzt sind.

Das heißt, derzeit laufen die Ampeln laut KBK im sogenannten „Festzeit-Modus“, das heißt, sie spulen rigoros und ohne jede Verkehrsbeeinflussungsmöglichkeit das Programm mit Grün- und Rotzeiten runter. Dadurch komme es auch zu den Unterbrechungen der „Grünen Welle“. In Zukunft soll die Ampelschaltung so abgestimmt sein, dass eine starke Beschleunigung durch die Fahrer nicht mehr erforderlich sei. Den Erfolg der Maßnahme erwägt die Stadt in den kommenden Monaten „zu verifizieren und eine abschließende Untersuchung in Auftrag zu geben“, sagt Kölker.