Krefeld: Renate Pirling ist 90 Jahre alt geworden

Jahrestag : Die Finderin des Goldhelms ist 90 Jahre alt

Renate Pirling feierte jetzt ihren Geburtstag und kann auf eine spannende archäologische Karriere zurückblicken.

Professor Dr. Renate Pirling hat am Samstag ihren 90. Geburtstag gefeiert. Sie leitete von 1961 bis 1994 das Krefelder Museum Burg Linn und erforschte in dieser Zeit das römisch-fränkische Gräberfeld in Krefeld-Gellep. Mit rund 6500 Gräbern ist es das größte erforschte Gräberfeld nördlich der Alpen. Tausende Funde hat sie in dem ältesten Stadtteil der Samt- und Seidenstadt freigelegt. Ihr bekanntester Fund war im Jahr 1962 die Entdeckung eines fränkischen Fürstengrabes.

Renate Pirling wurde in Nürtlingen geboren, studierte in Tübingen und München Vor-, Früh- und Kunstgeschichte. Sie kam in den 50er Jahren zum ersten Mal nach Krefeld, um die Funde Albert Steegers aus dem Gräberfeld zu inventarisieren. Im Juli 1959 begann die Archäologin mit Studenten und zwei abgestellten Heizern der Stadt ihre erste Grabung. Eigentlich wollte sie sich anschließend in Heidelberg niederlassen. Als sie 1958 ein Telegramm mit der Nachricht vom Tod Steegers erreichte, kehrte sie sofort nach Krefeld zurück, um dort die archäologische Arbeit fortzusetzen. Der Stadtrat wählte sie schließlich 1961 zur Museumsleiterin. Als Frau hatte sie sich gegen 36 männliche Bewerber durchgesetzt. Vor allem konservative Stimmen in der Stadt kritisierten ihre Wahl.

Um sich ein „Erfolgserlebnis“ zu verschaffen, setzte Pirling alles daran, wieder graben zu können. Das Landesmuseum stellte ihr 10000 D-Mark zur Verfügung. Nach nur wenigen Tagen entdeckten sie eine gläserne Bacchus-Schale – damals eine kleine Sensation. Sechs Wochen lhat sie vor allem mit Studenten die Äcker des Vorortes nach Spuren der Römer und Franken durchwühlt. Da Pirling damals noch keinen eigenen Pkw besaß, wurde sie mit einem städtischen Dienstwagen morgen zur und abends von der Fundstelle gefahren, den Kofferraum stets voller Funde.

Der größte Fund ihrer Karriere gelang ihr im Herbst 1962: Die Kampagne verlief erst absolut enttäuschend. Über 200 Gräber wurden untersucht, die alle ohne Beigaben waren. Die Saison neigte sich dem Ende. Fünf Tage blieben noch, um die Studenten in irgendeiner Form zu beschäftigen. In einer Ecke sollten sie mal graben, mal sehen, ob dort etwas sei. In dieser Ecke war das Fürstengrab. Steine deuteten schnell einen ungewöhnlichen Fund an. Eine große Grube wurde freigelegt. Dann kam ein Fund nach dem anderen. Darunter befanden sich ein byzantinischer Spangenhelm und ein Ringknaufspatha (Langschwert). Vom Landesmuseum Bonn kam Hilfe für die Bergung und die Studenten bewachten nachts den Ort, weil die Goldfunde erstmal im Boden blieben. Über 40 Artefakte entdeckten sie, darunter Goldmünzen, kostbare Edelsteine, eine Spatha (Schwert) und den heute weltberühmten Spangenhelm.

Renate Pirling lebt heute wieder in Nürtingen. In ihrer baden-württembergischen Heimat sind ihre bundesweit anerkannten wissenschaftlichen Leistungen und ihre archäologische Arbeit am Niederrhein weitgehend unbekannt geblieben.

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