Krefeld: Priester plant interreligiöses Totengedenken für Flüchtlinge

Am Freitag : Warum Krefelder toter Flüchtlinge gedenken

Interview In Erinnerung an auf der Flucht verstorbene Menschen organisiert Albert Koolen eine Veranstaltung. Der Priester erklärt, worum es dabei geht.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr laden Krefelder Religionsgemeinschaften am Freitag zu einem „Interreligiösen Totengedenken für die auf der Flucht verstorbenen Menschen“ ein. Mitorganisator ist der katholische Arbeiterpriester Albert Koolen. Nur noch wenige Geistliche leben entsprechend dieser Idee. Der 59-Jährige ist zwar Theologe, geht aber einem weltlichen Beruf nach: Er arbeitet bei einer Autovermietung. So erlebt er den Austausch zwischen den Kulturen aus verschiedenen Perspektiven und setzt sich seit vielen Jahren für ein gutes Miteinander ein. Im Interview erzählt er, warum sich diverse Gruppen gemeinsam für Flüchtlinge engagieren und welche Herausforderungen es dabei gibt.

Herr Koolen, was ist die Idee eines interreligiösen Totengedenkens?

Albert Koolen: Es verbindet zwei Anliegen. Zum einen geht es darum, dass Menschen verschiedener Religionen für ein Anliegen zusammenkommen. Zum anderen geht es darum, den Fokus auf die Geflüchteten zu lenken. Die Situation hat sich dramatisiert. Viele kommen auf dem Weg durch die Sahara oder in Libyen um. Sie erreichen nicht mal das Mittelmeer.

Das ist dramatisch und trotzdem weit weg von Krefeld.

Koolen: Es ist nicht so weit weg, wie man vielleicht denkt. Viele der Flüchtlinge, die mittlerweile hier leben, sind über diese Route gekommen. Die Initiative Seebrücke ist in der Stadt vertreten. Das Thema ist in Krefeld also präsent. Zudem ist es wichtig, wenigstens an diesem Tag der Toten zu gedenken, von denen wir nicht mal wissen, wie viele es sind.

Welche Gruppen unterstützen die Aktion?

Koolen: Die jüdische Gemeinde, die muslimische Gemeinschaft sowie die christlichen Kirchen. Zudem sind die Hindu-Gemeinde, die Gruppe der Bahai und das alevitische Zentrum dabei. Auch säkulare Organisationen wie der Flüchtlingsrat, das Bündnis für Toleranz und Demokratie sowie die Seebrücke unterstützen das Gedenken.

In der Einladung schreiben die Organisatoren des Totengedenkens von unzureichendem Einsatz für die flüchtenden Menschen. Wie meinen Sie das?

Koolen: Als wir das geschrieben haben, war in Italien noch Innenminister Salvini im Amt. Er wollte die Seenotrettung kriminalisieren. Zu viele Politiker in Europa, auch in Deutschland, sind dem nicht entschieden genug entgegengetreten. Jetzt deutet sich zumindest eine Wiederbelebung der Seenotrettung an. Das zeigt, dass das, was Menschen wie wir tun, nicht umsonst ist.

Dennoch gibt es viele Menschen, die Einwanderung kritisch sehen. Daher sprechen Sie von einer gefährlichen Stimmung. Gibt es die auch in Krefeld?

Koolen: Es gibt auch in dieser Stadt Menschen, die sagen, dass so ein Totengedenken problematisch ist. Die schreiben auf Facebook, dass nur den Schleppern geholfen wird. So etwas sagt nicht mehr ausschließlich die AfD.

Da ist es doch ein optimistisches Signal, dass so viele Religionen das Gedenken unterstützen.

Koolen: Das Totengedenken als Anlass ist natürlich traurig und nicht optimistisch. Dennoch ist es gut, dass wir einen gemeinsamen Nenner haben.

Sind Sie damit zufrieden, wie sich Ihre katholische Kirche im Umgang mit Flüchtlingen positioniert?

Koolen: Ich weiß, dass die evangelische und die katholische Kirche in Krefeld viel für Geflüchtete tun. Auch darüber hinaus sind sie weit vorne dabei. Positiv ist beispielsweise, dass immer wieder Kirchenasyl als letzte Lösung angeboten wird. Vor einigen Monaten noch habe ich das für einen Flüchtling beantragt. Das war ohne weiteres möglich.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren für den Austausch der Kulturen.

Koolen: Das interkulturelle Zusammenleben interessiert mich schon aus theologischer Perspektive. Es ist für mich eine große Frage, wie Menschen verschiedener Glaubensrichtungen zusammenleben können. Da reicht es für mich nicht, zu tolerieren, also darum andere auszuhalten. Ich frage mich: Wie kann ich überzeugter Christ sein und gleichzeitig Hochachtung für die göttliche Offenbarung einer anderen Religion verspüren? Diese Frage kann ich noch nicht beantworten. Im Alltag sind wir da weiter.

Sie müssen es wissen. Als Arbeiterpriester betreuen Sie keine Gemeinde, sondern gehen einer weltlichen Tätigkeit nach.

Koolen: Ich arbeite bei einer Autovermietung am Düsseldorfer Flughafen. Da sind Menschen aus vielen Kulturen und die arbeiten und leben bestens zusammen. Ich empfinde meine Position als Vorteil, da ich über das Zusammenleben so aus theoretischer und praktischer Perspektive nachdenken kann.

Mehr von Westdeutsche Zeitung