Krefeld: OB übergibt den Rathausschlüssel schon an die Narren

Karnevalserwachen : Vom Oberbürgermeister zum Tanzmariechen erster Klasse

Um 12.12 statt um 11.11 Uhr musste Frank Meyer den Schlüssel des Rathauses an die Narren abgeben.

„Du heißt jetzt nicht mehr Frank Meyer. Du bist ab sofort Mariechen!“ Nur noch wenige Sekunden trennten am Montag nach diesen Worten aus der oberen Narrenriege den Krefelder Oberbürgermeister davon, den Rathausschlüssel an die Narren zu übergeben – und sich tatsächlich ein Röckchen überzustreifen. Das rutschte dem scheidenden Verwaltungschef dann fast unter dem Gelächter der Besucher im historischen Ratsaal zu Boden. Es wäre allerdings nicht schlimm gewesen. Meyer hatte auch ohne Schlüssel weiter die Hosen im Rathaus an.

Statt um 11.11 Uhr hatte Meyers Stündlein erst um 12.12 Uhr geschlagen, als Peter Bossers, Präsident des Comitée Crefelder Carneval (CCC) ankündigte: „Frank, jetzt bist du an der Reihe. Deine letzten Worte…“ Der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende OB zeigte sich wenig beeindruckt, spielte weiter auf der rhetorisch-diplomatischen Klaviatur und bedankte sich artig für die Aufnahme als Ehrengardist, die er kurz zuvor von den  Funken Rot-Weiss Hürth-Gleuel in Empfang nehmen durfte. „Es ist die erste Auszeichnung außerhalb Krefelds, die ich in Empfang nehmen durfte“, sagte er und wurde prompt lautstark von einer närrischen Abordnung aus Uerdingen unterbrochen, die Meyer korrigierte, da ihm auch in der Rheinstadt bereits Ehre zuteil geworden war.

Doch dann wurde es immer enger für Meyer, der sich dem zuvor inthronisierten Prinzenpaar Dirk I. und Marita I. (Mosinski) weiterhin rhetorisch zur Wehr setzen wollte. „Ich kann doch nicht einem Hürther und einer Hülserin den Rathausschlüssel übergeben!“ Doch der neue Prinz, der bekanntlich aus Hürth stammt und im Kölner Karneval groß geworden ist, setzte ebenfalls auf die Kraft der Worte: „Ich bin heute ein Krefelder, mit Herz und Seele“, gestand der 54-Jährige und hatte danach ein Loblied auf die Stadt parat. „Hier ist es bunt und schön, von hier will keiner gehen. Du bist Krieewel, ob du willst oder nicht.“

Dass es bei dem neuen Prinzen noch mit der Aussprache von „Krieewel“ hapert, obwohl das lange geprobt worden sei, monierte CCC-Literat Johannes Kockers. Dirk I. räumte seine Schwierigkeiten reumütig ein. „Ich konnte es, nachts um 4 Uhr. Aber da bekomme ich Halsping von.“

Und dann verriet der neue Prinz ein Geheimnis, das er Meyer während des Beatles-Konzerts vor wenigen Wochen entlockt hatte: „Ich tanz‘ doch so gerne“, erinnerte sich der OB und outete sich dann vollständig. „Ich würde so gerne wie ein Tanzmariechen über die Bühne schweben.“

Anschließend nahm das Unheil für Meyer seinen Lauf, der nicht von sich wies, dass sein spätes Outing durchaus auch das Amt des Oberbürgermeisters beschädigen könne. Immerhin: Funken-Vorsitzender Frank Tesch machte ihn nicht nur zu irgendeinem, sondern zum „First-Class-Mariechen“.

Schließlich demonstrierte der neue Prinz mit dem Sessionslied unter dem Motto „All you need is Spaß“, dass er und Prinzessin Marita trotz der kleinen mundartlichen Defizite auch musikalisch in Krefeld eine gute Figur abgeben werden. „Wir sind Krieewel, wir sind bunt, wir sind vielfältig und wir sind tolerant“, sangen sie unter Begleitung des ganzen Saals.

Zu Beginn der Veranstaltung waren Prinz I. und Prinzessin Marita I. unter den Augen eines großen karnevalistischen Gefolges (Prinzengarde, Parlament und Marine) aus Hürth inthronisiert worden. Närrisches Blut hat auch die Prinzessin aus Hüls in sich: Einst stand sie als Tanzmariechen auf den Bühnen dieser Stadt, heute ist sie wie ihr Mann Mitglied in der Marine.