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Krefeld: Nicht jedes Reisebüro wird es schaffen

Tourismus in Krefeld : „Nicht jedes Reisebüro wird es schaffen“

Die Stimmung bei Inhabern von Reisebüros ist schlecht. Die Corona-Einschränkungen haben das Geschäft zum Erliegen gebracht. Und während andere Branchen von Lockerungen profitieren, scheint im Tourismus die große Besserung noch nicht absehbar.

So bemühen die Geschäftsleute mittlerweile die Hoffnung. Die sterbe bekanntlich zuletzt, sagt Petra Bernards-Smits mit Blick auf die Zukunft ihrer Branche. Sie ist Chefin des Reisebüros „Bernards“ in Gartenstadt. Drastischer spricht ihr Kollege Ahmad Abuhamzeh von ATE Reisen an der Sankt-Anton-Straße: „Ich habe noch Hoffnung. Ohne Hoffnung kann man nicht leben.“

Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählen die beiden sowie die Inhaberfamilie mehrerer First-Reisebüros, was sie umtreibt. Momentan tut sich einiges. Urlaub in Deutschland oder Sommertouren in Europa sind wieder denkbar. Erste Länder öffnen. So dürfen in Kroatien die Hotels bereits arbeiten. Auch die Niederlande haben einen Plan zum Neustart der Urlaubsbranche vorgelegt. Aber ist damit für die Reisebüros alles gut?

„Die Situation ist nicht schön. Wir haben seit Monaten keine Reise verkauft“, sagt Ahmad Abuhamzeh. Wie die Zukunft werde, wisse man nicht. „Vielleicht wird es in drei Monaten besser oder in sechs oder später.“ Schon die vergangenen Monate zwingen Abuhamzeh zu Veränderungen. Zum 1. Juni wird sein Geschäft nach 21 Jahren umziehen. „Umziehen, weil wir überleben wollen“, sagt Abuhamzeh. Von der Sankt-Anton-Straße geht es an die Stephanstraße 19. Dort sei die Miete günstiger. Auch Geld des Landes Nordrhein-Westfalen kann diesen Schritt nicht verhindern. Er habe die 9000 Euro Unterstützung für Selbstständige beantragt, sagt Abuhamzeh. „Das war gut und sehr schnell. Das habe ich in Deutschland so noch nicht erlebt.“ Doch es reicht eben nicht für viele Monate.

Die Entwicklung der nächsten Zeit hänge vor allem von Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften und Regierungen ab, sagt Abuhamzeh. Wichtig sind aus seiner Sicht die Regeln, die nach dem 14. Juni gelten. Bis dahin gilt die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Was folgt, ist offen. Doch selbst wenn es zu Lockerungen kommt, erwartet Abuhamzeh die nächsten Probleme. Erholung mit Masken und Abstandsregeln? „Wer will unter solchen Bedingungen Urlaub machen? Wollen Sie so nach Mallorca?“, fragt der Geschäftsmann.

Trotz allem: Untätig ist Abuhamzeh nicht. Er bemüht sich, seine Internetseite zu verbessern. Zudem will er mehr Ferienwohnungen in Europa vermitteln. Denn sein Spezialgebiet, die Fernreisen, sind wohl am längsten nicht möglich.

Das Hauptgeschäft sind Touren ins Ausland

Petra Bernards-Smits hat in den vergangenen Wochen nur noch Reisen storniert. Inzwischen melden sich die ersten Kunden mit anderen Wünschen in ihrem Büro am Insterburger Platz. Da gehe es um kleine Buchungen innerdeutscher Reisen, sagt Bernards-Smits. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, nennt sie das. Denn: Das Hauptgeschäft der Reisebüros sind Touren ins Ausland. Und selbst wenn nun alle Urlaub in Bayern oder an Nord- und Ostsee machen wollen, gibt es ein Problem. „Die Kapazitäten in diesen Regionen sind begrenzt“, sagt Bernards-Smits. Sie setzt nun darauf, dass auch Griechenland oder Spanien wieder Gäste empfangen. Dann könne womöglich noch „eine ganze Menge stattfinden dieses Jahr“.

Bei den Kunden erlebt sie eine Mischung aus Unsicherheit und Reiselust. „Besonders im Fernbereich halten sich die Leute zurück“, sagt Bernards-Smits. Andererseits wollen die ersten nach Stornierungen schon in den Herbst oder das nächste Jahr wechseln. Auskömmlich ist dieser Betrieb im Vergleich zu normalen Zeiten nicht. Bernards-Smits wünscht sich daher gerade für ihre Branche mehr Geld vom Staat. „Ein Hilfsfonds wäre gut.“

Michael Esser und seine Tochter Lisa Kleinebrahm betreiben fünf Reisebüros, zwei davon in Krefeld. Eins an der Rheinstraße und eins an der Krefelder Straße. Man habe schon viele Schocks für den Tourismus überstanden, sagt Kleinebrahm. Damit meint sie etwa die Anschläge am 11. September und den Vulkanausbruch auf Island. Dieser legte im Jahr 2010 den Flugverkehr in Europa lahm. So einschneidend wie Corona seien diese Ereignisse für die Reisebüros nicht gewesen, sagt Kleinebrahm. Ihre Mitarbeiter sind nun in Kurzarbeit. Ein eingeschränkter Betrieb läuft noch. „Für null Euro“, wie Kleinebrahm sagt. Denn an Stornierungen verdient sie nichts. Honorare für Reisebüros gibt es erst bei angetretenen Reisen.

Trotz vorsichtiger Öffnungen des Reiseverkehrs erwarten Kleinebrahm und ihr Vater noch lange keine Normalität. Umsätze wie vor der Krise gebe es wohl 2023 oder 2024 wieder, sagt Esser. Das Geschäft muss wieder anlaufen. Vielen, die momentan in Kurzarbeit sind oder Sorge um den Job haben, könnten Reisen zu teuer sein. Um es durch diese Zeit zu schaffen, wünschen sich Esser und Kleinebrahm Geld vom Staat. Zuschüsse sollen her, gerade für die kleinen Betriebe. „Bei Tourismus denkt man an Tui oder Lufthansa, aber oft nicht an uns. Dabei machen wir die Arbeit vor Ort“, sagt Kleinebrahm. Die Reisebüros seien es auch, die in den Städten sonst Gewerbesteuer liefern, sagt Esser.

Vermutungen, dass Reisebüros ohnehin von Angeboten im Internet abgelöst würden, widerspricht Kleinebrahm. „Nicht jeder will seinen Flug online buchen. Da wollen die Menschen gute Experten.“ Vater Michael Esser ergänzt: „Unsere Mitarbeiter sitzen an der Quelle. Sie kennen sich in der Welt aus.“ Schließlich würden sie Reiseziele, die sie anbieten, selbst besuchen. Dieses Angebot solle es auch in Zukunft geben. Obwohl sie vom Service der Reisebüros überzeugt ist, bezweifelt Kleinebrahm, dass alle die Krise überstehen: „Nicht jedes Reisebüro wird das schaffen.“