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Krefeld: Neues Team an der Spitze will evangelische Gemeinden entlasten

Kirche : Weniger Verwaltungsarbeit für die evangelischen Gemeinden

Schwindende Pfarrer und sinkende Einnahmen sind Herausforderungen für die neue Superintendentin Barbara Schwahn und den neuen Verwaltungsleiter des Kirchenkreises, Martin Schmidt.

Jeder Waffelverkauf oder Basar, jede Jugendfreizeit, jedes Kirchencafé und Gemeindefest könnte zu einer großen bürokratischen Hürde werden, wenn ab 1. Januar 2022 neues Umsatzsteuerrecht in Kraft tritt. Das ist eine der Entwicklungen, die der neue Verwaltungsleiter des Evangelischen Kirchenkreises Krefeld-Viersen meint, wenn er sagt: „Verwaltung soll den Kirchengemeinden und den Gemeinschaftseinrichtungen die Last der Verwaltung abnehmen.“ So formulierte er es bei der aktuellen Herbstsynode.

Man will es den Ehrenamtlern nicht zu kompliziert machen

Die Gemeinden sollen sich „auf ihren Auftrag“ konzentrieren können, sagte er über die Arbeit seiner Verwaltung, deren Leitung der 49-Jährige am
1. September übernommen hatte. Auch mit Blick auf die Ehrenamtlichen, die man „nicht alle zum Finanzexperten ausbilden will, denn wenn es zu kompliziert wird, dann lassen sie es sonst irgendwann sein“. Die Kirchenkreis-Verwaltung befinde sich in einem Spannungsfeld zwischen großem ehrenamtlichem Engagement und rechtlichen Vorgaben.

Ein weiteres Spannungsfeld, in dem sich Ehrenamtliche wie Hauptamtliche befinden, sind die personellen und finanziellen Aussichten, die auch Thema bei der Synode waren. Der ersten „Richtigen“ der neuen Superintendentin Barbara Schwahn, die bei der vergangenen Synode ins Amt gewählt wurde. Derzeit gibt es im Bereich der evangelischen Kirche im Rheinland rund 1500 Pfarrer und Pfarrerinnen. „Bis 2030 wird die Zahl auf rund 1000 runtergehen. Wir werden versuchen, unter anderem durch Quereinsteiger mehr Nachwuchs zu generieren“, so Schwahn. „Aber man muss auch attraktiv für den Nachwuchs sein“, formuliert sie als Ziel für den eigenen Kirchenkreis.

Eine Idee, wie man auf die sinkende Zahl von Pfarrern reagieren könnte, wäre die Bildung von Regionen innerhalb des Kirchenkreises. Derzeit ist ein einzelner Pfarrer in Krefeld und im Kreis Viersen zuständig für um die 2500 Gemeindemitglieder. Wenn sich das bei sinkendem Personal nicht mehr halten lässt, sieht Schwahn eine Chance in solchen Regionen. Vor allem, weil der Kirchenkreis mit der Stadt Krefeld und dem Kreis Viersen sehr unterschiedliche Strukturen hat. „Im städtischen Umfeld Krefeld kann man eher noch mit Gemeindemitgliedern pro Pfarrer rechnen.“ Für den Kreis sind andere Lösungen gefragt.

Eine Arbeitsgruppe entwickelt gerade Ideen. Sie sollen bis zur Frühjahrssynode so konkret und mit den Gemeinden in einem Kommunikationsprozess abgestimmt sein, dass die Mitglieder darüber entscheiden können und die nötigen Schritte im Herbst in den zu beratenden Haushalt einfließen können.

Was die aktuelle finanzielle Situation angeht: Die Gemeinden müssen 2020 erst einmal weniger Umlage an den Kirchenkreis zahlen. Mit 7 statt 11,2 Prozent des bereinigten Kirchensteueraufkommens werden die von der Verwaltung zentral für die Gemeinden zu erledigenden Arbeiten finanziert. Die Kirchensteuereinnahmen sieht Schwahn für die Zukunft nicht rosig. Die aktuelle Lage sei der guten wirtschaftlichen Konjunktur geschuldet. „Sobald die Wirtschaft stagniert, werden die Steuereinnahmen sinken.“ Denn die Zahl der Kirchensteuerzahler insgesamt sinkt weiter.