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Krefeld: Neuer Standort für Entomologischen Verein gefunden

Weltweit anerkannte Arbeit : Neuer Standort für Entomologische Sammlungen

Verein soll mit seinen Beständen und Archiven an die Magdeburger Straße ziehen – eine Dauerlösung muss das nicht sein.

Die Tage des Entomologischen Vereins mit seinen mehr als zwei Millionen Insektenpräparaten sind gezählt. Zumindest was den bisherigen Standort im früheren Schulgebäude an der Marktstraße betrifft. Dicht an dicht sind dort die Entomologischen Sammlungen untergebracht, weshalb der weltweit anerkannte Verein schon länger nach einem neuen Standort gesucht hat. Jetzt gibt es eine Lösung, teilte die Stadt mit.

Die Entomologischen Sammlungen Krefeld und der Entomologische Verein Krefeld werden voraussichtlich im Oktober eine Immobilie an der Magdeburger Straße beziehen. Dort könne die Sammlung auf rund 1700 Quadratmetern untergebracht werden. Das angemietete Gebäude verfüge über einen Lastenaufzug und werde noch entsprechend den Anforderungen der Entomologen für das bewegliche Denkmal angepasst. Dafür sind noch Arbeiten an den Oberböden, Malerarbeiten und die Überarbeitung der Elektroanlage notwendig, erklärte die Stadt. Oberbürgermeister Frank Meyer zeigte sich erfreut, dass man nun passende Rahmenbedingungen für die weltweit bekannten Sammlungen und Archive gefunden habe, deren Gesamtbestand von überragender Bedeutung für das Verständnis des Biodiversitätswandels ist. „Mit ihrer Studie zum Insektensterben haben die Krefelder Entomologen weltweit auf eine gravierende Bedrohung unseres Ökosystems und unserer Lebensgrundlagen aufmerksam gemacht“, sagte Meyer. Die Arbeit des traditionsreichen Vereins habe dadurch weiter an Bedeutung gewonnen. „Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, eine angemessene Unterbringung für die einmalige Sammlung und die weiteren Forschungen zu finden. Im neuen Gebäude bieten sich künftig sicher auch noch bessere Möglichkeiten zur Präsentation und Vermittlung.“

Standort altes Stadtbad
bleibt weiterhin eine Option

Ähnlich sieht es Martin Sorg vom Entomologischen Verein. Er sagt: „Die neuen Räume sorgen für eine wichtige und notwendige Sicherung der musealen Sammlungsbestände und Archive, in denen sich zahlreiche Nachlässe in städtischem Besitz befinden.“ Die Unterbringung des Vereins an der Magdeburger Straße löst zwar kurzfristig die angespannte Platzsituation des Vereins, muss aber nicht zwangsläufig auch die Endstation sein. Nach wie vor ist ein Umzug in das ehemalige Stadtbad an der Neusser Straße eine Option, wie Stadtsprecher Dirk Senger auf WZ-Nachfrage bestätigte. Der Bund hatte nach viel Anstrengungen der Krefelder Bundestagsabgeordneten Otto Fricke (FDP), Ulle Schauws (Grüne) und Kerstin Radomski (CDU)Kostenpflichtiger Inhalt erst im Mai rund 100 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt, mit der geprüft werden sollte, ob eine Unterbringung der umfangreichen Sammlung im Bad möglich wäre. Senger: „Die Machbarkeitsstudie ist mit der Anmietung nicht hinfällig und stellt weiterhin eine mögliche, langfristige Option dar.“

Der Bestand umfasst eine Größenordnung von inzwischen weit mehr als zwei Millionen Insekten als Trockenpräparaten verteilt auf mehr als 7000 Insektenkästen. Ferner befindet sich hier das Herbarium des Niederrheins begründet von Hans Höppner und fortgeführt durch andere Botaniker, ein sehr umfangreiches Film- und Medienarchiv sowie eine große Fachbibliothek. Daneben eine Sammlung von Arbeitsgeräten der regional in den jeweiligen Epochen tätigen Entomologen, zusammen mit deren vollständigen wissenschaftlichen Nachlässen in Handschriften, Karteien und ähnlichen Gütern. Zum umfangreichen Bestand zählen auch die Insektensammlungen des ehemaligen Naturwissenschaftlichen Museums der Stadt Krefeld. Insektenforscher (Entomologen) sicherten die Sammlung während des Zweiten Weltkriegs in Bunkern, bevor das Museum am Kaiser-Friedrich-Hain 1943 durch einen Bombenangriff zerstört wurde.

Die Bestände werden ausschließlich ehrenamtlich durch den Entomologischen Verein Krefeld betreut und gepflegt. Diese fachliche Betreuung besteht über mehr als ein Jahrhundert und ist verbunden mit einer regen Fortbildungstätigkeit. In dem Gebäude an der Magdeburger Straße kann demnächst eine partielle Nutzung für die Fortbildung in kleinen Gruppen von Schülern oder interessierten Laien wieder aufgenommen werden.

(gob)