1. NRW
  2. Krefeld

Krefeld: Neue Auffangstation für Igel sucht Helfer und Unterstützung

Tierschutz : Neue Auffangstation für Igel in Not

Brigitte Thevessen gründet mit Tochter und Freunden den Verein „Casa dei Riccio - Haus der Igel“ und baut am Plankerdyk eine Rettungsstation auf. Zur Entlastung des Tierheims. Das hat knapp 500 im vergangenen Jahr aufgenommen.

Tödliche Gefahren für Igel lauern überall. Jetzt in der Gartensaison sind es vor allem die bei den Gartenbesitzern immer beliebter werdenden Mähroboter, deren scharfe Klingen Schnauzen oder Füßchen zerschneiden, Stacheln abtrennen, Hautschichten oder Gliedmaßen sogar komplett abschneiden. „Und dann setzen sich Keime und Maden in die offenen Wunden“, berichtet Brigitte Thevessen. Die 68-jährige Krefelderin hat ein großes Herz für Mensch und Tier. Da, wo sie Leid und Not sieht, packt sie energisch mit an und wird aktiv. Vor über zehn Jahren in der von ihr gegründeten Bürgerinitiative Theaterplatz, in den letzten Jahren als Geschäftsführerin des Krefelder Tierschutzvereins. Das, was sie auf den Touren des Notdienstes sah, hat sie veranlasst, das „Haus der Igel“ zu realisieren.

80 Prozent aller verletzten Wildtiere sind Igel

„Bei den Notdienstfahrten waren 80 Prozent aller verletzten Wildtiere Igel“, erzählt Brigitte Theveßen. Schon lange zieht sie Igelkinder bei sich zu Hause groß, deren Mütter schwer verletzt oder gar gestorben sind. „Das ist doch Wahnsinn“, sagt sie in ihrer unnachahmlichen Art, und hat von ihrer Idee zu helfen nicht nur ihre Tochter Nadine Szymanski schnell überzeugt, sondern auch Freunde. Im vergangenen Jahr schmiedeten sie den Plan, ein Grundstück zu suchen und eine Auffangstation mit Intensivstation dort aufzubauen. Der erste Schritt war Anfang des Jahres die Gründung des Vereins „Casa dei Riccio – Haus der Igel“.

Wie der Zufall es so will, wenn man sich fest ein Ziel gesetzt hat, wollte ein Nachbar ein Grundstück mit großem Gartenhaus am Plankerdyk aus Altersgründen verkaufen. Der junge Verein hat das Haus aus eigenen Mitteln gekauft, das Grundstück auf zehn Jahre gepachtet. „Es sah sehr verwildert aus und wir dachten, wir müssten nur alles freilegen, doch darunter waren viele Steine, die Bäume waren zum Weg in den Zaun gewachsen und das alte doppelflügelige Holztor mehr klapprig als ein tatsächlicher Schutz für das Grundstück. „Wir brauchen deshalb im vorderen Teil eine neue Zaunanlage, eine neue Tür mit Igel-Klappe für Notfälle, wenn niemand hier ist und robuste Fliegengitter, damit die Tiere vor Insekten und anderen Wildtieren geschützt sind“, sagt die Tierretterin. Das koste zusätzlich Geld und sie hofft stark auf Unterstützung. „Ob finanziell oder durch Material und tatkräftige Hilfe.“

Die letzten Wochen hat sie mit ihrer Tochter und den bislang elf Vereinsmitgliedern schon eine Menge geschafft. Der Garten ist weitgehend aufgeräumt, die Steine liegen an einer Stelle, auf den Rasenflächen links und rechts des Hauses stehen schon vier neu gebaute Auswilderungsgehege und zehn provisorische Häuser, wo verletzte Igel sich auskurieren können. Unterstützung bekomme sie auch von Stefanie Pe, die in Kürze die hölzernen Kästen für die Intensivstation aufbauen wird. „Wir könnten hier 40 Igel aufnehmen, das Grundstück und das Haus geben das her“, erklärt Brigitte Thevessen. Für die tierschutzgerechte Haltung sind pro Tier zwei bis drei Quadratmeter Pflicht. „Deshalb können wir jetzt auch schon anfangen.“

Im Schatten auf der Veranda steht eine große, durchsichtige Box, in der auf den ersten Blick nichts zu sehen ist – nur ein heller, größerer weicher Sack. Brigitte Thevessen schlägt den Rand behutsam um und macht somit den Blick frei auf drei gerade mal eine halbe Hand große Igelkinder. Ihre Mutter ist tot, jetzt gilt es, dass die Drei auch ohne sie lebensfähig werden. Auf der Intensivstation im Haus liegt ein Igelmännchen verletzt in einem Gehege. „Er hat ein verletztes Bein, Löcher im Körper, ein Abzess am Bauch und Lungenwürmer“, erzählt Brigitte Thevessen, bevor sie gleich mit ihm zum Tierarzt fährt. Die Grundversorgung übernimmt sie im „Haus der Igel“, eine Bekannte kocht für alle Tiere das Essen. Aber da meist die Verletzungen schwerer sind, ist die Behandlung eines Tierarztes notwendig. Da kommen manchmal schon Kosten in Höhe von mehreren Hundert Euro zusammen.

Dass die Not groß ist, zeigt ein Blick ins Tierheim. Das hat im vergangenen Jahr knapp 500 Igel aufgenommen. Deshalb will Brigitte Thevessen nicht nur mit ihrem Verein den Tieren helfen, sondern auch Aufklärungsarbeit leisten, bei Gartenbesitzern wie auch bei Herstellern. „Wenn Mähroboter nicht mehr am Abend eingesetzt werden, können viele, nachtaktive Igel gerettet werden.“