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Krefeld: Nach 100 schlauen Köpfen geht es in der Standpunkt-Reihe weiter

Vortrags-Reihe : 100 schlaue Köpfe hat er nach Krefeld geholt

Wolfgang van Randenborgh hat 25 Jahre das „Moltke-Forum“ organisiert. Heute kümmert er sich um „Standpunkt“.

Bodo Hauser, der dachte, technische Probleme seien kein Versehen, sondern er sei in der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“, Michel Friedmann und Jan Philipp Reemtsma, die mit Bodyguards anreisten und bei denen Sicherheitsleute das Gebäude füllten. Wolfgang van Randenborgh hat Geschichten über Geschichten in petto, wenn er über die von ihm organisierten Vorträge der vergangenen 25 Jahre spricht.

Hauser, Friedmann und Reemtsma gehörten dabei mit zahlreichen weiteren Prominenten wie beispielsweise dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zu den großen Namen des „Moltke-Forums“. Auf 77 Termine mit klugen Köpfen aus Politik, Forschung, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft kam Moltke-Lehrer van Randenborgh in der vom ihm ins Leben gerufenen und organisierten Reihe – bis zu seiner Pensionierung 2014.

Danach sollte eigentlich Schluss ein. Aber ein Zufall sorgte dafür, dass es trotz des Ruhestands anders wurde. Der damalige Pfarrer der Krefelder Friedenskirche, Michael Windhövel – er starb 2017 -, hatte die Idee für ein ähnliches Format in der Friedenskirche. „Und bei mir überwog die Freude an der Sache sowie die Dankbarkeit für die große Wertschätzung, die Herr Windhövel mir entgegengebracht hat. Die Begegnungen sind sehr inspirierend. Es bleibt von jedem Vortrag etwas hängen. Man geht fast immer mit neuen thematischen Schwerpunkten nach Hause“, sagt van Randenborgh, der deshalb von März 2015 an insgesamt 23 Referenten für die Reihe „Standpunkt“ in der Friedenskirche begeistern konnte. Darunter Kaliber wie der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert oder Professor Hans-Jürgen Papier, Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

Redner zu finden ist für Wolfgang van Randenborgh oft ein langwieriger Prozess. „Ich habe keine Stapel von Angeboten in der Schublade liegen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Stattdessen schreibt er mögliche Kandidaten an. 30 bis 40 Anfragen gehen pro Jahr raus. Aber, wie es einmal einer der Adressaten ausdrückte: „Krefeld ist nicht Salzburg.“ Da könne sein Schreiben noch so freundlich sein, sagt Wolfgang van Randenborgh, er könne eben nicht mit einem Fünf-Sterne-Hotel und einem Empfang vorher und nachher locken. „Am schwierigsten ist es, Politiker zu bekommen. Meist bekomme ich da noch nicht mal eine Antwort.“

Die von ihm organisierten Aufenthalte und Veranstaltungen hätten aber etwas anderes zu bieten: „Bei uns werden die Referenten nicht an der Hotelpforte abgegeben. Wir punkten mit unserer persönlichen Betreuung“, sagt der 68-Jährige.

Auch die persönliche Atmosphäre an den „Standpunkt“­-Abenden selbst hätten die Referenten sehr zu schätzen gewusst.  Dabei geht es zum Beispiel um Medienpolitik, gesellschaftliche Entwicklungen, den Zusammenhang von Bildung und Bekämpfung von Hunger.

In den Diskussionen mit dem Publikum sei noch nie ein unangenehmer Tonfall entstanden, auch wenn es unterschiedliche Meinungen über die Themen gebe, sagt die Pfarrerin der Friedenskirche, Sylvia Pleger, die von der Horizonterweiterung durch die Standpunkte wie ihr Vorgänger begeistert ist. Was den Organisator wiederum freut: „Solange Frau Pleger im Dienst ist und ich noch laufen kann, können wir gerne weitermachen.“