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Krefeld: Mülldetektive sollen illegale Entsorgung bekämpfen

Illegale Müllentsorgung : Warten auf die Mülldetektive

Illegale Entsorgung soll in Krefeld geahndet werden. Doch noch sind die Stellen dafür nicht besetzt.

Seit die Stadt Krefeld im April ihr Internet-Portal „Maak et“ eingerichtet hat, sind dort von Bürgern schon rund 2500 Mängel gemeldet worden – mehr als 1200 davon beziehen sich auf die illegale Entsorgung von Müll. Mal liegt ein einzelner Autoreifen an der Dürerstraße, mal ein braunes Schrankteil am Prozessionsweg, mal ein kompletter Sperrmüllhaufen tagelang an der Mariannenstraße. Wer sie dort entsorgt hat, ist überwiegend nicht mehr festzustellen. Doch das soll sich ändern: Es sollen in Zukunft „Mülldetektive“ – angesiedelt beim Kommunalbetrieb Krefeld – dafür zuständig sein, die Übeltäter dingfest zu machen.

Beschlossen ist das schon längst, doch die Umsetzung dauert CDU-Ratsherr Walter Fasbender viel zu lange. „Wir hatten schon Anfang 2018 die Mülldetektive beantragt“, berichtet er. Jetzt sei Ende Juni 2019, aber sie seien immer noch nicht im Einsatz. Und auch das Kundencenter des Kommunalbetriebs am Ostwall sei allen Ankündigungen zum Trotz noch nicht besetzt. Der Maak-et-Mängelmelder im Internet funktioniere zwar gut – doch wie zeitnah die gemeldeten Mängel tatsächlich beseitigt werden, sei unklar. „Wenn nix passiert, was nützt es dann dem Bürger?“, fragt der Kommunalpolitiker. So etwas verursache eher Politikverdrossenheit.

22 000 Badewannen
mit wildem Müll gefüllt

Handlungsbedarf ist auf jeden Fall da. Denn in den vergangenen Jahren ist in Krefeld die Zahl der illegal entsorgten Müllhaufen von 5000 auf 10 000 gestiegen. Gleichzeitig stieg die Müllmenge rasant an. Waren es 2014 noch 1534 Kubikmeter, haben die Mitarbeiter der Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Krefeld (GSAK) im Vorjahr fast 3300 Kubikmeter Abfall gefunden und eingesammelt. Das sind umgerechnet 3,3 Millionen Liter. Zum Vergleich: Eine Badewanne fasst im Durchschnitt um die 150 Liter. 22 000 Wannen müsste man also füllen, um auf die genannte Müllmenge zu kommen.

Am schlimmsten ist die Situation in der Stadtmitte. Weshalb die Stadt im Rahmen des Konzeptes „Handeln und Helfen“ gegensteuert. 100 000 Euro soll laut Ratsbeschluss allein die Installation der drei Müllsheriffs kosten, die schon in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen sollen. Im Folgejahr sind Kosten in Höhe von 200 000 Euro vorgesehen.

Wie Lothar Lessmann, Sprecher des Kommunalbetriebs Krefeld, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, sei man für die Stellen im Besetzungsverfahren. Zunächst intern und in Abstimmung mit dem Personalrat. Danach gebe es noch eine externe Ausschreibung, falls dies notwendig sei. Die Stellen wolle man auf jeden Fall „zeitnah“ besetzen. „Nach den Sommerferien sollen die Mülldetektive arbeiten“, versichert er.

Doch was genau ist ihre Aufgabe? „Sie sollen Präsenz zeigen und Ansprechpartner sein“, so Lessmann. Eine Uniform werden sie nicht tragen, wohl aber deutlich zu erkennen sein – zum Beispiel an einem Logo auf der Jacke oder dem Polohemd. Ihre wichtigsten Aufgaben: Wilde Müllkippen feststellen und die Beseitigung veranlassen. Die Verurssacher „ordnungsrechtlich belangen“. Die oft vorkommenden Fehlbefüllungen in der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack müssen sie dagegen nicht aufklären, so Lessmann: „Das ist Aufgabe der GSAK.“

Vorbild für die Arbeit ist in Mönchengladbach zu finden

Ein Vorbild für die Arbeit der Detektive findet man in Mönchengladbach, wo sie schon seit 2016 eingesetzt werden. Und das mit Erfolg. Allein im vergangenen Jahr haben sie in der Nachbarstadt mehr als 2500 Prüfaufträge und Observationen durchgeführt. Fast 700 Bußgeldverfahren wurden eingeleitet.

Die „Ermittler“ gehen regelmäßig auf Streife – mal inkongnito, mal erkennbar an neongelben Jacken. Falls ein Müllentsorger nicht auf frischer Tat ertappt wird, suchen sie im Müll nach Daten auf persönlichen Schriftsätzen. Werden sie fündig, drohen Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten. Und das kann teuer werden. So kostet bereits eine Tüte illegal entsorgter Restmüll in Gladbach ab 100 Euro aufwärts, bei einer Kofferraumladung Sperrmüll sind es mindestens 600 Euro.

„Auf diese Weise sind in einem Jahr Einnahmen in Höhe von 300 000 Euro generiert worden“, berichtet Walter Fasbender. Denn Mönchengladbach habe sich auf die Fahnen geschrieben, die sauberste Stadt am Niederrhein zu werden.

„Wir haben vorgeschlagen, dass Krefeld mit Gladbach hier in einen Wettstreit eintreten könnte. Doch von der Stadt kommt nix“, kritisiert der CDU-Ratsherr. Das gelte leider für weitere Anregungen seiner Fraktion, so für die, einen „runden Tisch“ zum Thema Sauberkeit mit allen beteiligten Akteuren einzurichten, einmal jährlich einen von der Stadt organisierten Putztag auszurufen und temporäre Parkverbote am Tag der Straßenreinigung zu verhängen. Und auch die CDU-Idee für einen zweiten Wertstoffhof im Nordwesten der Stadt sei bisher nicht aufgegriffen worden.