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Krefeld: Mit 22 Millionen Euro die Folgen des Klimawandels eindämmen

Klimaschutzkonzept für Krefeld : Mit 22 Millionen Euro die Folgen des Klimawandels eindämmen

Die Stadt Krefeld und das zuständige Gutachterbüro haben das neue integrierte Klimaschutzkonzept für Krefeld vorgestellt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump ist bekanntlich ein großer Leugner der Erderwärmung, der die Klima-Forschung konsequent ausblendet. Dabei sind die Folgen längt allerorts, auch in Krefeld, zu spüren und zu beobachten: Zunahme von Trockenperioden, weniger Sommerniederschläge, dafür mehr Regen im Winter, vermehrtes Auftreten von Starkregen, Sturm und Hagel sowie der Anstieg von „Hitzetagen“ (über 30 Grad Celsius). Allein der vergangene April war viel zu warm für die Jahreszeit. „Im Niederrheinischen Tiefland ist die mittlere Lufttemperatur im Zeitraum von 1981 bis 2010 im Vergleich zu vor 100 Jahren bereits um 1,2 Grad Celsius angestiegen, bis 2050 ist ein weiterer Anstieg der Durchschnittstemperatur um weitere 0,8 bis 1,5 zu erwarten“, sagt André Wilk vom Gutachterbüro „Wertsicht“. Das hat im Auftrag der Stadt das integrierte Klimaschutzkonzept „KrefeldKlima 2030“ erarbeitet und es nun mit Beigeordnetem Marcus Beyer und Irina Blaszczyk vom Fachbereich Umwelt offiziell vorgestellt.

Was sind die Ziele von „KrefeldKlima 2030“? „Den Klimaschutz dauerhaft in Krefeld zu verankern und die dazu erforderlichen Strategien und Maßnahmen festzulegen“, sagt Beyer. Dazu sollen die Auswirkungen durch den Klimawandel auf das Stadtgebiet, insbesondere auf die Umwelt, das heißt Bevölkerung, Natur/Tierwelt, Wohneigentum, Gewerbe und Infrastruktur, dargestellt und Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung festgelegt werden.

2018 war die Erarbeitung eines Klimakonzeptes vergeben worden. Das Maßnahmenpaket aus dem Ratsbeschluss vom 4. Juli 2019 „Ausrufung des Klimanotfalls“ ist mit eingearbeitet worden ebenso wie die Vorschläge aus Akteurs-Workshops mit Schulen, IHK, Handwerk, Umweltvereinen und Bürgern. „Durch Covid-19 hat sich die Umsetzung zwar verzögert, doch das Konzept wird jetzt am Dienstag, 23. Juni, in den Rat eingebracht“, sagt Beyer zuversichtlich.

Wo stehen die Stadt Krefeld und die Verbraucher bei den Treibhausemissionen? Der CO2-Ausstoß pro Person liegt in Krefeld mit neun Tonnen etwa im bundesdeutschen Durchschnitt mit 9,1 Tonnen. Erdgas und Strom würden in großen Bereichen genutzt, um Wärme und Strom zu produzieren. Vor allem die Wirtschaft, private Haushalte und der Verkehr verursachten die Treibhausemissionen.

Beigeordneter Marcus Beyer präsentierte das Konzept. Foto: Andreas Bischof

Für diese Analyse hat das Gutachterbüro die realen Werte der Stadtwerke Krefeld von 2010 bis 2016 verglichen und 2017 zugrunde gelegt. Danach ist ein Handlungsziel klar erkennbar: Das Klimaschutzkonzept des Bundes sieht bis 2050 eine Reduzierung auf zwei Tonnen vor und damit eine Klimaneutralität. „Das heißt, nur noch soviel CO2 auszustoßen wie unser Ökosystem aufnehmen kann“, erläutert Wilk. Krefeld liegt derzeit bei neun Tonnen.

Wie hoch ist der Anteil in den unterschiedlichen Bereichen? Der Anteil erneuerbarer Energie und Kraft-Wärme-Kopplung an der Energieerzeugung in Krefeld ist relativ gering. „Im Wärmebreich vier zu 13 Prozet im BRD-Bundesdurchschnitt, im Strombereich sieben zu 36 Prozent“, sagt Wilk.

Die Fernwärmeerzeugung,  die von den Stadtwerken Krefeld durch die Abwärme der Müll- und Klärschlammanlage stark angeboten wird, erzeugt weit weniger Emmissionen als im Bundesdurchschnitt. Beim Verkehr liegt die Nutzung von Fahrzeugen mit fossilem Antrieb mit 68 Prozent leicht höher als im Bundesdurchschnitt.

42 Prozent der gefahrenen Strecken sind Wege zur Arbeit und zurück. Die Hälfte aller, die in Krefeld das Auto nutzen, fahren Strecken von weniger als fünf Kilometern. Wilk und Beyer verweisen auf die Wichtigkeit des zeitgleich erarbeiteten Mobilitätskonzepts für die Stadt Krefeld.

Was ergeben sich daraus für Handlungsempfehlungen? Insgesamt werden 108 Maßnahmen in fünf fachlichen Feldern (Kommune, Mobilität, Energieeffizienz, Minderung der Klimafolgen in der Stadt bei Stadtgestaltung, Bauen und Grünpflege sowie klimagerechte Bildung) vorgeschlagen, von denen 64 als Priorität-eins-Maßnahmen eingestuft werden. „Die meisten davon haben eine positive Auswirkung auf die Reduzierung von CO2“, betont Wilk.

Sie sind zeitlich schnell umzusetzen und von der Stadt zu beeinflussen, die als Vorbild auch voran gehen soll. Für das Gelingen werden dauerhaft ein „Klimaschutzmanagement“, ein entsprechendes Controlling wie auch entsprechende Leitlinien und neue Standards eingeführt.

Wie hoch sind die Kosten für das Klimaschutzkonzept bis 2030? Unterstellt, dass ab 2021 zwei geförderte Vollzeitstellen für das Klimaschutzmanagement besetzt sind, werden bis einschließlich 2025 für die Umsetzung der Prio-eins-Maßnahmen einschließlich Sachkosten (beispielsweise Umstellung auf LED im Stadtgebiet) 22 Millionen Euro angesetzt.

„Das ist sinnvoll investiertes Geld“, sagt Beyer. Denn die Folgen des Klimawandels verursachten immense Kosten, alleine bei der notwendigen zusätzlichen Bewässerung der neu zu pflanzenden Bäume und des großen Baum- und Grünbestandes.