Krefeld: Mehr Frauen müssen bei der Stadt in Führungspositionen kommen.

Gleichstellung : Im Krefelder Rathaus haben immer noch die Männer das Sagen

Bericht zeigt: Zahl der weiblichen Führungskräfte sinkt leicht, und Frauen verdienen im Schnitt weniger.

Heike Hinsen spricht ganz vorsichtig von „kleinen Schritten“. Im Blick hat die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld dabei den für die Jahre 2018 bis 2022 verabschiedeten Gleichstellungsplan, für den sie immer zur Jahreswende einen Zwischenbericht vorlegt. Für den Zeitraum bis zum 30. September dieses Jahres hält sie fest: „Es geht nur sehr mühsam voran.“

Insgesamt hatte die Stadt Krefeld zu diesem Zeitpunkt 3418 Beschäftigte. 2194 davon sind weiblich, was einer Quote von 64,19 Prozent entspricht. Dieser Anteil ist exakt gleich geblieben, obwohl zum Stichtag 30. September 2019 insgesamt 149 Personen mehr bei der Stadt arbeiteten als zwölf Monate zuvor.

Mit Blick auf die Einkommensebene hält Heike Hinsen fest: Die große Mehrzahl der Frauen sind in den vier unteren Tarifgruppen zu finden. Die mittleren Einkommen seien paritätisch besetzt. Dagegen seien „höhere Einkommensgruppen nach wie vor männerdominiert“. Konkret: Waren vor einem Jahr von 327 Führungskräften 46 Prozent Frauen, sind es aktuell von 314 Kräften nur 45 Prozent.

Unverändert werde auch von sechs Dezernaten nur eines durch eine Frau geführt: Stadtdirektorin Beate Zielke ist für den Bereich Personal, Organisation, Recht, Bürgerservice und Feuerwehr zuständig. Ihr gegenüber stehen im Verwaltungsvorstand derzeit Oberbürgermeister Frank Meyer, Stadtkämmerer Ulrich Cyprian sowie die Beigeordneten Markus Schön, Marcus Beyer und Thomas Visser.

„Keine Fortschritte im Hinblick auf eine faire Verteilung“ kann die Gleichstellungsbeauftragte insgesamt bei den Einkommen erkennen. Doch wo sind dann die von ihr genannten „kleinen Schritte“ geblieben? Heike Hinsen verweist auf die Besetzung von 37 Leitungspositionen im genannten Zeitraum. 22 davon haben nun Frauen inne. Allein auf der Ebene der Fachbereichsleitungen sei der Frauenanteil von vormals neun auf nun elf erhöht worden. Neu hinzu kamen zuletzt Sonja Pommeranz (Jugend), Gabriele König (Kultur) und Kathrin Gardner (Umwelt) – letztere allerdings erst nach dem Stichtag 30. September.

Bei den Stellenbesetzungen setzten sich meist Frauen durch

„Es wäre super, wenn wir eine Beigeordnete bekämen“, wünscht sich Heike Hinsen mit Blick aufs kommende Jahr. Dann muss die Nachfolge des ausscheidenden Thomas Visser geregelt werden. „Auch Frauen können Dezernentin“, betont Hinsen – und noch mehr: Bei den zwischen Anfang Oktober 2018 und Ende September 2019 durchgeführten Stellenbesetzungsverfahren in Leitungsfunktionen setzten sich in der Mehrheit Frauen im Verfahren durch. „Der Trend muss in Hinblick auf das Ziel einer Geschlechterparität auf allen Hierachiebenen verfestigt werden“, fordert die Gleichstellungsbeauftragte.

Vor allem im Bereich der Führungspositionen bleibt es das Ziel des Gleichstellungsplans, bis 2022 mindestens 50 Prozent der freiwerdenden Stellen mit Frauen zu besetzen. Dazu gibt es auch gesetzliche Vorgaben. 18 Stellen waren Ende September unbesetzt. Es gibt konkrete Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Dazu zählt unter anderem ein Fortbildungsangebot mit dem Arbeitstitel „Frauen auf dem Sprung zur Führungskraft“, das derzeit in Kooperation mit der Sparkasse Krefeld in Planung ist. Je fünf Frauen von beiden Seiten sollen über zwei Tage geschult werden.

Ausgebaut werden sollen auch die Angebote zur Flexibilisierung der Arbeitszeit und der Möglichkeiten für Arbeiten im Homeoffice – das allerdings für Frauen und Männer. Zu rund 90 Prozent werden solche Modelle allerdings von Frauen genutzt.

Ein weiteres Handlungsfeld: Mehr Frauen sollen in technische und feuerwehrtechnische Berufe, mehr Männer in den Sozial- und Erziehungsdienst. Dafür gebe es gezielte Werbemaßnahmen, informiert die Gleichstellungsbeauftragte in ihrem Bericht. Am Boys- und Girly-Day im März nahmen zudem 25 Mädchen und erstmals 25 Jungen das Angebot wahr, sich über die entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten der Stadt zu informieren.