Krefeld: Martin Reinl und Carsten Haffke mit Puppen zu Gast

Comedy : Puppen erobern die Herzen des Publikums im Seidenweberhaus

Martin Reinl und Carsten Haffke unterhalten bei ihrem Auftritt in Krefeld mit teils improvisierter Comedy.

Nicht nur junge, sondern selbst erwachsene Besucher schämen sich nicht und halten im voll besetzten Seidenweberhaus ihre Lieblingspuppen stolz im Arm. Ob Hundestar Wiwaldi aus der gleichnamigen TV-Show oder eine der anderen rund 50 Puppen – Fans dieses Genres bekennen sich wie auch beim Sport offen zu ihren Lieblingen. So sind auch nicht die Komödianten Martin Reinl und Carsten Haffke, sondern Wiwaldi und Co. die eigentlichen Stars des Samstagabends, und der Name des Programms „Unter Puppen“ wird sichtbare Realität.

Während die beiden begnadeten Puppenspieler die Puppen tanzen lassen, lüften sie das Geheimnis des Fernsehpuppenspiels. Über zwei Stunden lang arbeiten sie mit den Puppen über ihren Köpfen, wobei ihre Handbewegungen auch zu ihren Worten passen müssen, was gleichermaßen anstrengend ist und höchste Konzentration erfordert. Auf zwei Großbildschirmen kann das Publikum verfolgen, was als Sketch im Fernsehen zu sehen ist – die vermeintlich sprechenden Puppen in Großaufnahme ohne ihre Taktgeber.

Reinls und Haffkes Verdienst ist es, schon vor Jahren die Puppen-Comedy salonfähig und fernsehtauglich gemacht zu haben. Allerdings – und das ist das Erfolgsgeheimnis – mit Puppen, Texten und einer Sprache zum Verlieben. Eine Besonderheit ist, dass das Publikum durch Zurufe oder in der Pause auf Zetteln Begriffe beisteuert, die die beiden Unterhaltungskünstler direkt einfließen lassen. Ein Schwierigkeitsgrad, der jede Impro-Show zum Unikat macht. Letztlich ist es die geradezu überbordende Spielfreude von Reinl und Haffke, die den Abend zur besten Unterhaltung macht. Wer Tiefgang erwartet, ist hier verkehrt. Aber das hat wohl niemand, denn das Publikum macht begeistert mit.

Puppen entwickeln ein
skurriles Eigenleben

Martin Reinl ist bekannt aus den früheren WDR-TV-Sendungen „Zimmer frei“ und „Wiwaldi-Show“. Gemeinsam mit Carsten Haffke entwickelt er seit Jahren Bühnenshows, bei denen das Duo seinen liebevoll gestalteten Puppen Leben einhaucht. Das gelingt derart perfekt, dass die einzelnen Puppen ein skurriles Eigenleben entwickeln und dann selbst zu Stars werden. Zum Puppenensemble gehören der betrunkene Hai, der bissige Kakerlak und der Rührung auslösende „Jammerlappen“. Mit von der Partie ist außerdem das betagte Zirkuspferd Horst-Pferdinand, das so herzerfrischend wiehern kann.

Eine andere Hauptfigur ist die schüchterne Charming Traudl. Wiwaldi will Traudl verkuppeln, was kuriose Spielszenen auslöst. Unter anderem tauchen in Puppenform Oma und Opa Flönz auf, ein Ehepaar aus Köln-Nippes, das das Geheimnis einer perfekten Ehe verrät: „Immer gut zuhören.“ Dann kommt der Hai ins Spiel und versucht, Traudl mit Anmach-Sprüchen aufzulockern, was aber nicht gelingen will. Selbst ein Lächeln kann er ihr nicht abringen. „Das sieht aus wie bei Angela Merkel.“ Auch Modezar Harald Glööckler scheitert bei seinem Versuch, Traudl aufzuheitern, obwohl er „Hello Again“ von Howard Carpendale anstimmt. Traudl hat sich vielmehr Bernd aus dem Publikum als Partner ausgesucht und taucht im Hochzeitskleid auf.

Überhaupt gelingt es Reinl und Haffke, stets geeignete Publikumskandidaten auszuwählen. Zuschauer Bernd bekommt mit wortreicher Unterstützung des Publikums einen Liebesbrief und darf später mit Puppe in einem Sketch mitspielen. Dirk und Bianca berichten darüber, wie sie sich kennen und lieben gelernt haben. Sie müssen Aussagen mit einem Klingelton bestätigen, wobei gewollt oder ungewollt Tatsachen ans Licht kommen. Beispiel: „Ich fand dich vorher immer blöd.“ Reinl und Haffke schaffen es gewissermaßen spielend, dem Publikum Spaß zu vermitteln. Spielfreudig, kreativ, spontan und wortgewandt agieren sie mit Improvisationstalent und Situationskomik.

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