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Krefeld: Malteser brauchen mehr Fachkräfte

Hilfsorganisation lockt nun mit einer Prämie : Malteser brauchen mehr Fachkräfte

Für ausgebildete Nachwuchskräfte bieten die Malteser direkt bei der Einstellung eine Prämie von 3000 Euro.

Sein Stiefvater war bei der Feuerwehr. So ist sein Kontakt zum Rettungswesen dann irgendwie entstanden, erzählt Nils Isenburg-Köpper, eines der Gesichter der neuen Kampagne des Malteser Hilfsdienstes in Krefeld. Auf Werbeplakaten wirbt der Verein um Fachkräfte. Der Nachwuchshelfer trägt auf dem Bild eine Ritterrüstung und einen Helm – in Anlehnung an die lange Geschichte des Malteser-Ordens. „Sei Ritter ohne Ross“ heißt der Leitspruch auf dem Foto. Man wolle einen Bezug zur Geschichte herstellen, sagt Wolfgang Heidinger, Geschäftsführer der Diözese Aachen, unter deren Dach die Malteser in Krefeld arbeiten: „Wir wollen auf diesen Tugenden aufbauen.“ Denn Ritter, um in diesem Bild zu bleiben, werden derzeit händeringend gesucht im Rettungsdienst.

Feuerwehren und Hilfsorganisationen hätten Probleme, Stellen fachgerecht zu besetzen, so die Malteser. Im Auftrag der Stadt unterstützt der Hilfsdienst der Malteser mit derzeit 70 Voll- und Teilzeitkräften sowie acht Notfallsanitäter-Auszubildenden auf insgesamt fünf Rettungswachen die Versorgung von Patienten mit akuten Erkrankungen, nach Unfällen und für den Krankentransport. Eine ehrenamtliche Notarztgruppe ist ebenfalls im Einsatz. 2018 begannen die Malteser in Krefeld mit der Ausbildung von Nachwuchskräften, damals waren es drei Notfallsanitäter. Doch das Training eigener Leute reiche derzeit nicht aus, um den Bedarf zu füllen. Auf dem Markt herrscht eine große Konkurrenz. „Es sitzt niemand zu Hause und wartet auf den Anruf“, sagt Sprecher Stephan Simon. Mit einer Vollausbildung wolle man die Personalprobleme angehen, aber in erster Linie auch fertig geschulte Fachkräfte anlocken für das Hier und Jetzt. Für ausgebildete Nachwuchskräfte bieten die Malteser direkt bei der Einstellung eine Prämie von 3000 Euro.

Die Suche nach Rettungsfachkräften ist nach Aussage von André Wiegratz, dem Ärztlichen Leiter der Krefelder Feuerwehr, auch ein weiterer notwendiger Schritt auf dem Weg der Professionalisierung. Sowohl die Theorie in der Schule als auch die Praxis mit Simulationspuppen oder die Erfahrungen in der Notfallmedizin im Krankenhaus stehen auf dem Programm.

Der Verein verweist auf die Bezahlung nach Tarifverträgen, Zulagen für Sonn- und Feiertage, Wechsel- und Nachtschichtzulagen. Doch die Arbeit sei eben auch „herausfordernd“ und erfordere eine „hohe Qualifizierung.“ Geschäftsführer Wolfgang Heidinger spricht davon, man wolle weg vom Söldnertum und hin zu einer langjährigen Zusammenarbeit: „Bei uns ist eine lange Karriere möglich.“ Dietmar Klabunde ist so ein Beispiel dafür. Seit 40 Jahren ist er in Krefeld tätig. Heute führt er die Geschäfte. „Viele heutige Mitarbeiter sind noch aus der eigenen Organisation, die die Malteser lieben gelernt haben.“ Nils Isenburg-Köpper bezeichnet den Zusammenhalt der Rettungsdienste als „große Familie.“ Er meint das Zusammenspiel von Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz oder Maltesern. „Es ist kein Job wie jeder andere. Wir dürfen sie nicht alleine mit ihren Erfahrungen lassen“, sagt Wolfgang Heidinger.