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Krefeld: Lockdown fünf Tage nach der Neueröffnung

Einzelhandel in der Pandemie : Lockdown fünf Tage nach der Eröffnung in Krefeld

Stefan Heines und Felix Hakes haben ein Gazelle-Geschäft im ehemaligen Großmarkt an der Oppumer Straße eröffnet. Doch die Freude über das außergewöhnliche Fahrradgeschäft mit integriertem Café währte wegen der Corona-Krise nicht lange.

Als Felix Hakes und Stefan Heines am 9. März ihren Gazelle-Store im ehemaligen Großmarkt eröffnet haben, war die Euphorie groß. „Wir wollten natürlich zum Start der Radsaison vor Ostern am Markt präsent sein“, erklärt Geschäftsführer Felix Hakes. „Deshalb haben wir zwei Monate Vollgas gegeben, nachdem wir die Genehmigung für die Nutzung bekommen hatten.“ Doch nur eine Woche, nachdem die Tore zu der etwa 1200 Quadratmeter großen Halle geöffnet wurden, mussten sie schon wieder dicht gemacht werden. Wie für die meisten anderen Geschäfte gilt die Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus auch für das neue Fahrradgeschäft in Krefeld. Es war ein eiskalter Lockdown nach euphorischem Schnellstart.

Ausschließlich Räder des niederländischen Herstellers werden in der Halle an der Oppumer Straße 175 verkauft – und später einmal Lastenräder auch anderer Hersteller. „Für mich ist Gazelle die Marke, die zum Niederrhein gehört“, erläutert Mitinhaber Hakes die Philosophie der beiden Unternehmer, die auch dem Hersteller entspricht: Radfahren in Alltagskleidung statt im Sportdress, die Einkäufe im Gepäck, und die Kids dabei - als ginge es flach durch die Niederlande. „Die einzige Anhöhe, die wir hier haben, ist der Hülser Berg, aber den kommt man ja auch so hoch“, sagt der 28-jährige Krefelder, der aber für Kunden, die sich auch das so bequem wie möglich machen wollen oder besonders lange Strecken im Visier haben, die komplette E-Bike-Palette von Gazelle im Angebot hat.

Um die Räder vor dem möglichen Kauf ausfahren und einschätzen zu können, haben die Inhaber nach einem großzügigen Ladenlokal mit langer Teststrecke gesucht – und es mitten in Krefeld gefunden. Entstanden ist ein Store im großzügigen Nostalgieflair mit modernen Lounge-Elementen.

Riesige Bildelemente verweisen nicht nur auf die Herkunft der niederländischen Produktionsstätte, sondern auch auf die früheren Jahre des Großmarktes. „Dabei hat uns die Stadt großartig unterstützt“, erklärt Felix Hakes, der aus dem Einzelhandel kommt.

Die Liebe nicht nur zum historischen Detail wartet auf spätere Besucher auch an der Decke. Als Rahmen für die Beleuchtung über den grellen Polstern im üppigen Sitzbereich dienen klassische und noch voll funktionstüchtige Hollandräder.

Mit einem Kaffee werden sich Kunden aber dort noch etwas länger nicht niederlassen können – unabhängig vom Verlauf der Corona-Krise. Für diesen Teil des Geschäftskonzeptes liegt noch keine Genehmigung vor.

Promenaden-Radweg führt bald hinter dem Geschäft entlang

Gedacht sind Café und Lounge-Bereich übrigens nicht nur für Kunden des Radgeschäftes, sondern auch für neugierige Besucher und Radfahrer, die künftige den geplanten Promenaden-Radweg nutzen möchten. Er soll hinter dem Gelände des Großmarktes entlang verlaufen und kann laut Felix Hakes später unmittelbar vom Firmengelände aus befahren werden. Auch Touren sollen vom Gazelle-Store aus organisiert werden.

Zur Produktpalette des Geschäftes gehören Räder in einer Preisspanne von 679 bis 3999 Euro – vom City-Bike bis zum hochwertigen E-Bike mit Riemenantrieb. Und künftig sollen auch Lastenräder dazugehören. Im hinteren Bereich der Halle, die nach dem Ende eines Gemüsehandels lange leer gestanden hatte, sollen die Transporträder auf einer gesonderten Verkaufsfläche präsentiert werden. „Wir wollen die Stadt auch ein Stück weit grüner machen“, erklärt Felix Hakes. Das Angebot soll sich entsprechend direkt an größere und kleinere Gewerbetreibende, aber auch Privatpersonen richten. Doch auch das ist in diesen Zeiten erst mal Zukunftsmusik. Zurzeit ist nur die Werkstatt geöffnet, und viele der sieben Kollegen des 28-Jährigen seien in Kurzarbeit geschickt worden. Wo anfangs noch die Euphorie auf ein bald florierendes Geschäft war, sei nun ein ganz anderes Gefühl bei Hakes im Vordergrund: „Wir sind natürlich jetzt in erster Linie für unsere Mitarbeiter verantwortlich.“ Doch habe man in Gazelle einen verständnisvollen Partner im Hintergrund.

Aber natürlich müssten am Ende auch die wirtschaftlichen Zahlen stimmen. Zumal jetzt eigentlich das Geschäft für die kommende Radsaison gemacht werde. Ironie des Schicksals laut Geschäftsführer Hakes: „Gerade jetzt haben doch die Menschen viel Zeit, um sich auf das Rad zu setzen.“ In den Geschäften könnten sie sich aber nicht für einen möglichen Neukauf beraten lassen.

Doch in Krisen sind die Gazelle-Liebhaber schon so etwas wie erprobt. Im vergangenen Juni hatte Geschäftsführer Stefan Heines ebenfalls einen Gazelle-Store in Mönchengladbach nach einem Großbrand verloren. Sein Geschäft hatte er erst am 15. März eröffnet. Damals antwortete er auf die Frage, wie es mit dem Geschäft weitergeht: „Das weiß ich noch nicht.“ Etwa ein Jahr später fällt die Antwort von seinem Kompagnon Felix Hakes ähnlich aus: „Wir können es ja nicht ändern. Aber den Mut werden wir nicht verlieren.“