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Krefeld: Kunst und Tee gegen das Vergessenwerden

Aktion : Kunst und Tee gegen das Vergessenwerden

Selbstständige aus Kultur und anderen Bereichen haben sich auf dem Willy-Göldenbachs-Platz in der Krise in Erinnerung gerufen.

Es ist nur ein kurzes Leben im Wohnwagen, das Yannic Gerundt da im Herzen Krefelds in den vergangenen Tagen gefristet hat. Eigentlich wohnt er an der Schwertstraße über dem Blauen Engel, der seit jeher eine Anlaufstelle für Kreative und Künstler ist. Über das Wochenende aber hat Gerundt zusammen mit dem Kollektiv „Brotlose Kunst“ einen Treffpunkt unter freiem Himmel geschaffen.

Improvisiertes Kulturzentrum
unter freiem Himmel

Auf dem Willy-Göldenbachs-Platz sah man sich an ein kleines Nomadendorf erinnert. Ein weißes Spannzelt, bunte Stoffe, die an Leinen geknüpft im Wind zappeln, dazu selbst gebastelte quallenförmige Lampen und Traumfänger. Daneben aber auch orientalisch gehaltene Teppichläufer. Alte Sessel und Bänke, die ein Zentrum auf dem kleinen Areal umrahmen. Eine „Kunst- und Teebar“. Ein improvisiertes Kulturzentrum, wenn man so will.

Ein Ort für Auftritte und Musikeinlagen, aber auch einfach zum Rumhängen für gemütliche Gespräche und Workshops. Auch am Freitagabend wummerte der Sound über den Platz, bunte Lichter erhellten die Straße. Bis zu 80 Menschen gleichzeitig fanden dort von Donnerstag bis Sonntag Platz. Raum für die freie Szene, die Künstler und Kreativen, die in der Corona-Pandemie vor allem durch die Verbote und Schließungen ins Abseits geraten sind. „Wir wollen zeigen, dass es uns noch gibt“, sagt Yannic Gerundt (28), ein Veranstaltungsdienstleister und Initiator im Kollektiv Brotlose Kunst: „Wir holen die Menschen in eine andere Welt.“

Entwickelt aus der Partyreihe „Elektronischer Querschnitt“

Die Gruppe war durch die Partyreihe „Elektronischer Querschnitt“ im Schlachthof entstanden. Gerundt hatte im vergangenen Jahr auch beim Fusion-Festival in Lärz Lichter und Lampen für die Bühnen mit organisiert.

Es ist ein Ort der Zusammenkunft in schweren Zeiten. Geschlossene Clubs, kaum Auftritte, kaum Bühnen für die freien Künstler und Solo-Selbstständigen. So hat sich auch das Kollektiv zusammengefunden in der Krise. 25 Männer und Frauen. Musiker, Maler, Schreiner – alles ist dabei. Kleine Freundeskreise haben sich miteinander verschmolzen. „Jeder hat sein Talent mitgebracht“, sagt Gerundt.

Unsichtbar zu bleiben
war keine Option mehr

Eigentlich sollte es Events an mehreren Orten der Stadt geben. Der Plan aber ging nicht auf. Doch letztlich entschloss man sich dennoch, das Ereignis auf dem Willy-Göldenbachs-Platz steigen zu lassen. Unsichtbar zu bleiben war keine Option mehr. „Wir haben viel Zuspruch bekommen. Die Leute gucken aus dem Fenster. Wir werden gut angenommen“, sagt Yannick Gerundt. Ein Obolus als Eintritt wurde genommen. Keine Dauerlösung, aber für die vier Tage jedenfalls die Chance, auf sich aufmerksam zu machen. In der Szene gäbe es eine steigende Solidarität: „Alle haben unter Corona zusammengefunden.“ Neben Workshops boten sich den Besuchern auch musikalische Darbietungen der hiesigen und regionalen Musikszene: Rauke und Kotzmann spielten, genauso wie Ose & Jazzband, Snurv, Rudy Chopper, Bartosch & Timo Höhne oder auch die Krefelderin Diana Drechsler, die afrikanische Trommeln beherrscht.

Eine Wiederholung im kommenden Jahr ist geplant

Zwölf Stunden bis Mitternacht hatte die Kunst- und Teebar geöffnet. Und nachts wachte Yannic Gerundt aus seinem Wohnwagen heraus, dass der Ort keinen Schaden nahm. „Wir werden es im nächsten Jahr wiederholen“, sagt er mit Überzeugung.