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Krefeld: Kommentar zu Umwelthilfe fordert Böller-Verbot

Kommentar : Den Knall gehört?

Die Gruppe der Böllerfreunde ist eine in jeder Beziehung laute. Wer etwas gegen die Knallerei einzuwenden hat, ist ein Langweiler, der die anderen in ihrer Freiheit beschneiden will. Dabei geht es schon lange nicht mehr um Freiheit, sondern um Maßlosigkeit.

Es geht nicht um Wunderkerzen und Knallerbsen, sondern um Einkaufswagenladungen voller Raketen-Batterien, die vor Neujahr durch die Discounter geschoben werden. Abgefackelt wird das Ganze längst nicht mehr nur um Mitternacht, sondern ab dem Vormittag und bis in den nächsten Morgen.

Es geht auch nicht um „Tradition“ - ein in der Diskussion viel bemühter Begriff - sondern um Kommerz. Und den Ausmaßen kann sich leider niemand entziehen: nicht die Anwohner, die Lärm, Gestank und eben die erhebliche Luftverschmutzung an diesem Tag akzeptieren sollen, nicht die Tierhalter, die regelmäßig ihren zitternden Vierbeinern beistehen müssen. Das Argument, man müsse ja nicht mitmachen, wird dadurch hinfällig. Über die Verletzungsgefahr wird wohl auch keiner diskutieren wollen.

Die Freiheit hat da ihre Grenzen, wo andere zu Schaden kommen. Dass die Städte – auch Krefeld – sich dennoch nicht zu einem Verbot durchringen können, erinnert ein wenig an die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, zu der sich die Bundesregierung nicht entschließen mag. Unpopuläre Themen fasst man lieber erst an, wenn es sich rechtlich nicht vermeiden lässt. Der gesunde Menschenverstand beugt sich also einer lauten Minderheit. Die haben doch ´nen Knall.

stefanie.keisers@wz.de