Krefeld knüpft Kontakte zu zwei palästinensischen Kommunen

Partnerschaft : Krefelder Partner im Nahen Osten

Stadt hat mit Hilfe der Bundesregierung Kontakte zu zwei palästinensischen Kommunen geknüpft.

Die Stadt Krefeld hat Partnerstädte in der ganzen Welt. Demnächst könnte eine – zeitlich befristete – Kooperation mit zwei palästinensischen Kommunen dazu kommen. Die Finanzierung des Projekts würde durch Bundesmittel gesichert. Der Hauptausschuss beschäftigt sich in der kommenden Woche mit einem entsprechenden Antrag der Stadtverwaltung.

„Es handelt sich um einen Know-how-Transfer“, erzählt Andreas Pamp, Leiter des Fachbereichs Migration und Integration bei der Stadt Krefeld. Mit der Integrationsbeauftragten Tagrid Yousef hatte er im vergangenen April an einer Orientierungsreise von Vertretern deutscher Kommunen ins Westjordanland teilgenommen. Sie galt als erster Schritt für eine kommunale Partnerschaft und wurde gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie von „Engagement Global“, der „Servicestelle für Kommunen in der Einen Welt“ (SKEW).

Als möglicherweise passende Entwicklungspartner für Krefeld waren schon im Vorfeld von der SWEK die Gemeinde Bani Zeid al-Sharqiya (ein Zusammenschluss von zwei Dörfern mit insgesamt 10 000 Einwohner) sowie die 17 000-Einwohner-Stadt Eizaria ins Auge gefasst worden. Sie liegen beide im Westjordanland. Dort ist Tagrid Yousef geboren, nach Bani Zeid al-Sharqiya hat sie auch private Kontakte.

Bei dem Besuch gab es einen regen Austausch mit Vertretern der Kommunen sowie Mitarbeitern des Standortes Ramallah der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Auch das Deutsche Vertretungsbüro des Auswärtigen Amtes wurde besucht. Alle Gespräche und Ortstermine hätten den hohen Bedarf nach einer Unterstützung durch Austausch und Wissenstransfer gezeigt. Sowohl aus Bani Zeid al-Sharqiya wie auch aus Eizaria, als „Stadt des Lazarus“ ein bekannter Pilgerort, habe sich ein Interesse an einer Zusammenarbeit ergeben. „Eine Entscheidung zwischen den beiden Städten fiel schwer“, berichtet Andreas Pamp. Jetzt sollen beide Partner werden.

Im Westjordanland ist die Arbeitslosigkeit hoch, die Orte leiden an der angespannten politischen Situation im Grenzbereich zu Israel. Es gibt Versorgungs-, aber auch Entsorgungsprobleme, wie Pamp, der zum ersten Mal im arabischen Raum war, zu berichten weiß. Aus Krefeld könnten zum Beispiel Expertenwissen in Sachen Abwasser und Müll transferiert werden. Doch auch die Bereiche Bildung und Jugend sollen gefördert werden.

Wenn der Hauptausschuss grünes Licht gibt, könnte als nächster Schritt die Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ erfolgen, mit dem die Partner ihre Bereitschaft zum gemeinsamen Austausch erklären. Finanzielle Verpflichtungen sind damit weiterhin nicht verbunden. Im Rahmen einer Partnerschaftskonferenz sollen dann die nächsten Schritte geplant werden. Die Stadt Krefeld würde dabei weiter durch die SKEW unterstützt.

Zu den Leistungen gehören Beratungen zu entwicklungsbezogenem Engagement, internationalen Partnerschaftstreffen, fachliche Unterstützung und Finanzierung von zwei Expertenentsendungen pro Jahr und Partnerschaft sowie Qualifizierungskursen für Mitarbeiter deutscher Kommunen. „Es ist daran gedacht, dass zunächst Vertreter der beiden palästinensischen Kommunen nach Krefeld kommen“, so Pamp.

Wie er betont, könne Krefeld mit einer solchen Partnerschaft den Anspruch als „weltoffene Kommune“ unterstreichen. „Dieser Begriff steht sogar auf meiner Visitenkarte.“

Das gegenseitige Lernen auf Augenhöhe sowie der interkulturelle Austausch mit Städten, die insbesondere aufgrund der prekären politischen Lage im Nahen Osten Unterstützung dringend benötigen, könne so umgesetzt werden. „Darüber hinaus bietet eine Expertenentsendung für Mitarbeitende der Stadt Krefeld eine interessante Option für die eigene Personalentwicklung“, heißt es in der Vorlage zum Hauptausschuss.

Ganz wichtig für Pamp ist noch ein anderer Aspekt: Die Jüdische Gemeinde in Krefeld habe durch ihren Vorsitzenden Michael Gilad im Vorfeld keinerlei Bedenken gegen eine solche Partnerschaft geäußert. „Das ist eine sehr glückliche Ausgangslage“, so Pamp.