Tihange: Krefeld klagt gegen Atomkraftwerk

Tihange: Krefeld klagt gegen Atomkraftwerk

Oliver Krischer (Grüne) informiert über Klage vieler Kommunen gegen belgische Anlage.

Krefeld. Der verheerenden Störfall im Atomkraftwerk in Fukushima hatte Folgen. Deutschland beschloss den Ausstieg aus der Atomenergie, doch das Modell ist international kaum exportfähig. Vor allem der Atomreaktor im belgischen Tihange macht in Deutschland Schlagzeilen. Die Städteregion Aachen hat Klage gegen den Betrieb des Reaktors Tihange 2 eingereicht, und Krefeld hat sich ihr angeschlossen.

Dort spiele man „Russisch Roulette mit sieben Blöcken“, sagt Oliver Krischer, Energieexperte und stellvertretender Vorsitzender der Grünen im Bundestag. Er lobt das Engagement der Regionen bei einer Veranstaltung im Südbahnhof, zu der Werkhaus und Krefelder Grüne eingeladen hatten. Die grenzüberschreitende Klage einer Kommune gegen den Betrieb eines Atomkraftwerks sei juristisches Neuland. „Wichtig ist auch das politische Signal“, sagt Krischer. Man müsse das Thema in das Bewusstsein der Menschen tragen „und nach Berlin, denn da geschieht viel zu wenig“. So gebe es bis heute zwischen beiden Ländern kein Sicherheitsabkommen, von Störfällen — in Tihange in diesem Jahr bisher mehr als 30 — erfahre man eher zufällig. Sein Appell: „Man muss die Alternativen in die Diskussion bringen.“ Die Mehrheit der Belgier wolle keine Atomkraftwerke, halte sie aber für unverzichtbar. „Werden die belgischen Reaktoren abgeschaltet, flackert kein Lämpchen“, sagt Krischer. „Gaskraftwerke stehen Gewehr bei Fuß.“

Druck von der Basis auf die Berliner Politik, das Einfordern klarer Regeln für den Informationsaustausch der Regierungen und für alternative Energieversorgung zu werben, das sei im Kampf gegen die Atomkraft — 35 Jahre nach Gründung der Grünen ein Kernthema der Partei — immer noch unverzichtbar, sagt Krischer.

Auch wenn Krefeld nicht im 100-Kilometer-Radius von Tihange liegt: Im Falle des Falles kann Südwestwind die radioaktive Wolke über die Stadt treiben. Als „verschwindend gering“ schätzt das Landesinnenministerium die Wahrscheinlichkeit ein, dass in der hiesigen „Fernzone“ Jodtabletten an Jugendliche und Schwangere ausgegeben werden müssen, um die Aufnahme radioaktiven Jods zu blockieren. Die gibt es in Krefeld zurzeit noch nicht, sollen aber vom Land zur Verfügung gestellt werden. Stadt und Feuerwehr müssen die Ausgabe der hochkonzentrierten Tabletten organisieren. Grundsätzlich gilt: nicht fliehen, sondern zuhause bleiben. Schutzräume gibt es in Krefeld nicht mehr.