Krefeld: Jungsozialisten entwerfen Bierdeckel gegen rechts

Kneipentour : Jungsozialisten entwerfen Bierdeckel gegen Rechts

Die passende Antwort gegen Stammtischparolen befindet sich auf der Rückseite. 800 der Papp-Untersetzer wurden bei einer Kneipentour in Krefeld verteilt.

Jeder kennt es. Ein geselliger Abend, gemütlich ein paar Bier dazu. Es wird über Gott und die Welt geredet. Sport, Wirtschaft oder auch Politik. Mit jedem Bier wird man gesprächiger, plötzlich kommen Themen auf, die polarisieren. Was ohnehin schon normal ist, wird noch einfacher, wenn das Thema schon auf dem Tisch liegt. Das haben sich auch die Mitglieder der Jungsozialisten der SPD in Krefeld gedacht und eine schon mehrfach durchgeführte Aktion wieder aufleben lassen. Mit angefertigten Bierdeckeln, auf denen Sprüche wie „Wir sind doch nicht das Sozialamt der Welt“, vorne und die passende Antwort auf der Rückseite stehen, wollen die Jusos ein Zeichen gegen Rechts setzen.

Gespräche anregen, auf Leute zugehen, „mit den Stammtischparolen aufräumen“, wie es die Juso-Vorsitzende Stella Rütten bezeichnet. 800 der Bierdeckel haben die Jusos drucken lassen und sind damit abends auf Kneipentour gegangen. Anders als vor drei Jahren ungebunden vom Wahlkampf. „Das Thema Antisemitismus ist aktuell und wir haben uns gedacht, dass wir einfach noch einmal was dagegen machen wollen“, sagt Rütten. Von der SPD-Parteizentrale ging es einmal quer über die Straße ins Café Kosmopolit. Ein kurzes Foto, die Bierdeckel werden da gelassen. Ein rappelvoller Biergarten bietet sich für Gespräche ebenso gut an, wie später die Anjuna-Bar. Die Jusos suchen bewusst das Gespräch, wollen ihre Bierdeckel nicht einfach nur abgeben. Niklas Foerster, der ebenfalls schon lange bei den Jusos aktiv ist, sagt: „Wir haben natürlich die Hoffnung, dass die Leute da auch etwas mitnehmen und sich mit dem Thema auseinandersetzen. Das funktioniert einfach besser wenn man dann auch mit ihnen ins Gespräch kommt und erklärt was wir machen und damit erreichen wollen.“

Und wenn das klappt, können die Gespräche auch mal etwas länger dauern. Die Jusos sind ohnehin geübt, haben ein ähnliche Aktion schon im Vorfeld der letzten Landtags-, und Kommunalwahlen gemacht. Damals kam die Idee sowohl bei der Bevölkerung, als auch innerhalb der Partei gut an. Mit ein Grund, warum es nun erneut durch die Kneipen Krefelds ging. Rütten: „Wir wollten es einfach nochmal machen und haben uns die Unterstützung aus der Partei geholt. Das funktionierte alles sehr gut.“ Mit ein paar kreativen Köpfen wurden so im Vorfeld neue Motive und Sprüche entwickelt, aus denen letztendlich vier unterschiedlich bedruckte Bierdeckel resultierten.

Die Grundidee ist auf allen vier gleich. Vorne ein polarisierender Spruch, hinten die Antwort. So werden Sätze wie „Die Ausländer wollen sich doch gar nicht integrieren und leben in Parallelwelten“, gekontert durch: „Ermöglichst du es ihnen durch dein Verhalten, Teil unserer Gesellschaft zu werden?“. Die Botschaft ist klar und auf den Punkt gebracht. Und sie kommt an. „Aktionen gegen rechts sind immer gut“, sagt David Keussen und meint: „Auch wenn man nicht die gleiche politische Gesinnung hat, nutzen solche Aktionen.“ Die Resonanz ist dabei immer unterschiedlich. Mal bekommt man Zustimmung, mal muss man sich rechtfertigen, weiß Niklas Foerster: „Konträre Meinungen führen immer zu Diskussionen, das ist ganz normal. Uns ist aber wichtig, auf die Leute zuzugehen und eine Rückmeldung zu bekommen. Der Kontakt mit jungen Leuten hilft uns dabei.“ Stella Rütten pflichtet ihm bei: „Das ist schon auch spannend, dann in eine Diskussion zugehen. Man möchte dabei ja auch ein wenig herauskitzeln, was genau sie in der Situation meinen.“

Dabei braucht es auch ein wenig Mut, auch wenn die Situation für Rütten schon Routine geworden ist. „Für mich ist das normal auf die Leute zuzugehen und sie anzusprechen. Die jüngeren tun sich da natürlich etwas schwerer, aber das kommt mit der Zeit“, sagt Rütten.

Nach Café Kosmopolit und Anjuna Bar ging es weiter in Richtung Limericks, später noch in die Flotte. Doch trifft man bei einer Aktion gegen Rechts auch mal Rechte an? „Manchmal“, sagt Niklas Foerster. „Man versucht immer, das Gespräch vernünftig zu Ende zuführen, aber das klappt nicht immer. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich dann einfach aufgestanden und gegangen bin.“ Andere zeigen sich von Anfang an nicht interessiert. „Manche denken auch direkt, dass man ihnen eine Waschmaschine verkaufen will. Das finde ich immer ein bisschen schade“, sagt Rütten, die aber auch die anderen Seiten kennt. „Der Großteil lässt sich schon darauf ein. Es geht ja auch nicht darum mit ihnen den Abend zu verbringen, sondern einfach kurz und knapp um die Botschaft dahinter.“

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