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Krefeld: Jugendhilfe zieht in frühere Commerzbank

Verwaltung : Jugendhilfe zieht in frühere Commerzbank

Noch ist der Mietvertrag nicht unterschrieben. Aber im Rathaus wird es für die rund 130 Mitarbeiter zu eng.

Der städtische Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung braucht mehr Platz. Im Rathaus stünden laut Stadt keine weiteren Büros für neue Mitarbeiter des Dezernats von Markus Schön zur Verfügung. Und das neue Verwaltungsgebäude auf dem Theaterplatz ist bislang nur in der groben Planung. Deshalb soll ein Teil des Fachbereichs in das frühere Bankgebäude der Commerzbank am Ostwall 101-107 umziehen. Die Politik hat einem Mietvertrag für die Dauer von zehn Jahren zugestimmt. „Die Verhandlungen mit dem Eigentümer befinden sich kurz vor dem Abschluss“, sagt Stadtsprecher Dirk Senger.

Die Räume müssen vor dem Umzug umgebaut werden

Bevor die Mitarbeiter aus Jugendhilfeverwaltung, fünf Fachdiensten mit den Schwerpunkten Beratung und Hilfen zur Erziehung sowie das Kinder- und Familienbüro dort einziehen können, müssen die Räume für die Nutzung entsprechend umgebaut werden. 4500 Quadratmeter misst das 1982 errichtete Gebäude, 3500 in drei Vollgeschossen sowie im Keller sollen an die Stadt vermietet werden. Hinzu kommen 40 Stellplätze in der Tiefgarage sowie sechs weitere im Freien.

Der Name des Vermieters mit Hauptsitz in Siegen ist nicht bekannt. Anfang 2017 hatte die europaweit tätige Karl-Gruppe aus der niederbayerischen Gemeinde Innernzell das Bank- und Bürogebäude am Ostwall mit 3200 Quadratmetern Fläche von einem schottischen Investmentfonds erworben, es dann aber im Januar 2018 bereits wieder weiterverkauft. Das Haus hat jahrelang leer gestanden. Ursprünglich von der Dresdner Bank auf dem Gelände des früheren Seidenfadens (erst Varieté, später Kino) gebaut, zog nach einigen Jahren die Commerzbank dort ein. Aber auch nur solange, bis sie an der Rheinstraße ein eigenes neues Gebäude bezog.

Die Karl-Gruppe hatte ein Jahr lang konzeptionell ausgelotet, was an dem Standort möglich ist. Die Immobilie sei in einem guten Zustand, hatte damals Ramona Graf der Rheinischen Post gesagt, und sie befände sich in einer sehr guten Lage in Krefeld. Das Familienunternehmen wollte das Gebäude eigentlich modernisieren und für Handel, Gewerbe, aber auch Wohnungen nutzen.

Seit einigen Monaten liegt der Krefelder Bauaufsicht ein Bauantrag zur brandschutztechnischen Ertüchtigung und Neuaufteilung des Dachgeschosses vor. Laut Stadt ist das Bauverfahren noch nicht abgeschlossen. Sobald die ausstehenden Stellungnahmen bei der Bauaufsicht eingehen, könne die Baugenehmigung zeitnah erteilt werden. Der Mietvertrag mit der Stadt soll über zehn Jahre laufen, der Mietpreis ist nicht bekannt.

Die Vorbereitungen für das neue Verwaltungsgebäude auf dem Theaterplatz laufen auch in Zeiten der Corona-Krise weiter. Ein Generalplaner für die Detailplanung, räumliche Bedarfsermittlung und Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbs ist noch nicht beauftragt. „Ob und wie eine finanzielle Realisierung aussehen könnte, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, erklärt Senger.

Deshalb ist die Stadt weiter auf der Suche nach geeigneten Mietobjekten als Ausweichquartiere. Eine neue Dependance für die Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde sowie des Fachbereichs Sport und Sportförderung ist im C&A-Gebäude angedacht. Dort war vorübergehend nach dem Abriss ihres alten Gebäudes die Sparkasse Krefeld untergebracht. Nach der Fertigstellung des Forums und der neuen Sparkasse-Filiale wechselten die Mitarbeiter des Instituts auf die gegenüberliegende Seite und die Büroetage stand leer. Die Erwe Immobilien AG hatte zwischenzeitlich das gesamte Gebäude gekauft und nun der Stadt Krefeld die Räumlichkeiten in einer Größenordnung von 3400 Quadratmeter für eine Laufzeit von zehn Jahren angeboten. Über den Mietpreis ist nichts bekannt. Die IHK Mittlerer Niederrhein legt bei Immobilien mit mittlerem Standard in Zentrumslage 7,50 bis 9 Euro pro Quadratmeter an. Allein für die beiden neuen Mietobjekte wären das zwischen rund 650 000 Euro und 778 000 Euro im Jahr.

Weil das dringend sanierungsbedürftige Stadthaus nicht mehr genutzt werden kann und ein neues Verwaltungsgebäude noch nicht gebaut ist, muss die Verwaltung auf freie Mietobjekte ausweichen. Auf sechs Standorte in der Stadt sind die Verwaltungseinheiten aus dem Stadthaus verteilt. Allein in den ersten fünf Jahren haben die Mieten dafür laut Stadt rund 12,5 Millionen gekostet. Für die kommenden zehn Jahre seien noch einmal mindestens 35 Millionen anzusetzen.