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Krefeld im Streit mit Meerbusch

Immer noch keine Einigung : Krefeld im Streit mit Meerbusch: Gewerbegebiet in Warteschleife

Vor etwa zehn Jahren hat alles mit ehrgeizigen Plänen begonnen - doch das interkommunale Gewerbegebiet entlang der A44 lässt weiter auf sich warten. Woran das liegt? Ein Überblick.

Vor etwa zehn Jahren beginnt alles mit ehrgeizigen Plänen auf 260 Hektar. Krefeld, Meerbusch und Willich wollen entlang der A 44 ein interkommunales Gewerbegebiet etablieren. Gemeinsam etwas bewegen, statt beim Kirchtumdenken zu bleiben, so heißt es. Doch es gibt Streit, Willich steigt aus, will doch lieber alleine auf Firmenfang gehen.

Meerbusch und Krefeld machen weiter. Anfang 2016 liegt ein umfangreiches Gutachten des Kölner Planungsbüros Drees & Sommer vor. 121 Hektar soll das Gewerbegebiet umfassen, 70 für Meerbusch, 51 für Krefeld, zusammen etwa 170 Fußballfelder. Der damalige Krefelder Planungsdezernent Martin Linne schwärmt: „Der Standort gehört zu den Top 5 in NRW. Besser geht es nicht. Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen.“

Obwohl die Flächenanteile unterschiedlich sind, wollen sich Krefeld und Meerbusch die Kosten zur Bereitstellung des Areals und künftige Steuereinnnahmen je zur Hälfte teilen. Entsprechende Verträge seien in Arbeit, so ist zu hören.

In Meerbusch stößt das Projekt auf starken Widerstand

In Wahrheit stößt das Vorhaben in Meerbusch auf erheblichen Widerstand. Einflussreiche Anwohner kämpfen gegen das „Gewerbemonster“. Das Areal habe viel größere Ausmaße angenommen als gedacht, ist von vielen Seiten zu hören. Im Rat gibt es schließlich eine Mehrheit dafür, den Meerbuscher Anteil auf 30 Hektar zu begrenzen (siehe Grafik).

Trotz dieser erheblichen Reduzierung dümpelt das Projekt vor sich hin. Irgendwie trauen die Meerbuscher den Krefeldern nicht über den Weg. Wer nach Gründen dafür sucht, kommt am Krefelder Hafen nicht vorbei. Seit vielen Jahren wird über eine Südanbindung des Hafens nachgedacht, was in Meerbusch zu einer Verschärfung der Verkehrsbelastung führen würde.

Widerstand kommt zudem von der Landwirtschaftskammer NRW. Dort wird beklagt, dass den Bauern immer weniger Boden zur Verfügung steht. Nach Einschätzung der Kammer handelt es sich entlang der A 44 um Böden von „sehr, sehr hoher Wertigkeit“. Sie seien zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse bestens geeignet.

Schon 2016 hat Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, eine völlig andere Sicht auf die Dinge. Für ihn geht es um Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Das Areal biete aufgrund seiner Anbindung (Flughafen, Autobahn, K-Bahn) ideale Voraussetzungen, um neue Firmen anzusiedeln.

Fortschritte gibt es dennoch nicht. Erst auf der Immobilienmesse Expo im Herbst 2019 in München kommt Bewegung in die Sache. Auf Vermittlung von IHK-Chef Steinmetz einigen sich Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) und Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) darauf, rasch ein Eckpunktepapier vorzulegen. Bis Januar 2020 wollen beide Kommunen alle Details zum interkommunalen Gewerbegebiet klären. Mit der Bezirksregierung Düsseldorf soll zudem rasch ein landesplanerischer Vertrag geschlossen werden.

Beide Kommunen sagen nichts zum Stand der Dinge

Geschehen ist das bis heute nicht. Aber immerhin reden beide Seiten miteinander. Es soll dabei konstruktiv zugehen. Zum Stand der Dinge möchten sich die Kommunen auf Nachfrage unserer Zeitung aber nicht äußern. IHK-Mann Steinmetz hofft, dass es angesichts knapper Gewerbeflächen vorwärts geht. „Wir haben uns gemeinsam mit Meerbusch und Krefeld viele Jahre im Regionalrat für das interkommunale Gewerbegebiet an der A 44 engagiert. Wir appellieren an die Städte Meerbusch und Krefeld, dieses wichtige Projekt nun zeitnah gemeinsam weiter zu entwickeln“, sagt er.

Das interkommunale Gewerbegebiet an der A44 biete die einmalige Chance, einen Top-Standort mit exzellenter Anbindung und überregionaler Ausstrahlung am Niederrhein zu etablieren. Das wäre für beide Städte und die Wirtschaft in der Region ein wichtiges Leuchtturmprojekt. Die beiden Partner sollten diese Chance nutzen, meint der IHK-Vertreter.