1. NRW
  2. Krefeld

Krefeld: IFH-Studie gibt der Krefelder Innenstadt schlechte Noten

Einzelhandel : Miserable Noten für die Innenstadt

In einer aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln schneidet die Krefelder Innenstadt schlecht ab. OB Frank Meyer kündigt Schritte an, um dies zu ändern.

Nicht nur der „Dornröschenschlaf“, in den die Krefelder City durch den Corona-Lockdown gefallen ist, hat es an den Tag gebracht: „Die Innenstadt muss auf der Prioritätenliste ganz nach oben.“ Das sagt Oberbürgermeister Frank Meyer und räumt ein, dass erste Schritte, um das Stadtzentrum zwischen den vier Wällen attraktiver zu gestalten, nicht ausgereicht haben. Im Blick hat er dabei die am Mittwoch veröffentlichte Studie „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln. Diese Studie stellt Krefeld ein miserables Zeugnis aus.

Die Attraktivität der Innenstadt wird mit einer Gesamtnote von 3,8 benotet. Und bei Fragen zum Gesamteindruck – bezogen auf Ambiente, Flair und Atmosphäre – gibt es in der Ampelbewertung sogar ein „Rot“ (Note 4 bis 6). Darunter fallen unter anderem Gebäude/Fassaden, Plätze und Verweilmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten, Sicherheit und Sauberkeit.

 „Das Ergebnis der Studie kann für Verwaltung, Politik, Handel, Wirtschaft und alle weiteren Innenstadt-Akteure nur als Auftrag verstanden werden, die Anstrengungen zu intensivieren“, räumt Meyer ein. Die ersten Entscheidungen treffe man daher sofort.

Zusätzliches Geld für
dringende Maßnahmen

Der Oberbürgermeister sagt insbesondere den Innenstadt-Akteuren zu, dass die Verwaltung „dieses schlechte Ergebnis sehr ernst nehmen und darauf reagieren“ werde. Nötig sei die Fortsetzung und Intensivierung des Aktionsplanes für das Stadtzentrum. Für die Umsetzung dringlicher Maßnahmen müsse auch zusätzliches Geld bereitgestellt werden. Meyer will dazu in Abstimmung mit Stadtkämmerer Ulrich Cyprian in den anstehenden Haushaltsberatungen einen Vorschlag machen und in den politischen Gremien um Unterstützung werben.

Werbegemeinschaft sieht Flair
als entscheidenden Faktor

Christoph Borgmann, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Krefeld: „Die Werbegemeinschaft Krefeld ist dankbar für die bereits eingeleiteten Maßnahmen. Aber es muss allen klar werden, dass diese nur ein Anfang sein können.“ Gerade um die entscheidenden Faktoren Ambiente und Flair herzustellen, brauche es „Investitionen in Millionenhöhe“. Anders sei eine Revitalisierung der Innenstadt nicht zu erreichen. Bereits umgesetzte Maßnahmen, wie zum Beispiel Blumenschmuck, Verweil-Inseln, Beleuchtung oder Veranstaltungen, seien wie Kräuter, die einen besonders guten Geschmack geben. „Schöne Straßen, gepflegte Gebäude und problemlose Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln sind aber das eigentliche Gericht. Bei dessen Zubereitung müssen wir ab sofort wahrnehmbare Fortschritte erzielen.“ Diese Ansicht vertrete auch der Handelsverband, bestätigt dessen Geschäftsführer, Markus Ottersbach.

Stabsstelle für City-Management in Stadtverwaltung

Um alle Maßnahmen und Prozesse zur Innenstadt innerhalb der Stadtverwaltung zu konzentrieren, wird aktuell eine Stabsstelle im Geschäftsbereich des Bau- und Planungsdezernenten Marcus Beyer eingerichtet. Dorthin werden die Aufgaben des City-Managements, des Leerstands-Managements und aus dem Einzelhandelskonzept, die bislang in unterschiedlichen Verwaltungsbereichen angesiedelt waren, zusammengezogen und personell verstärkt. „Durch diese Stabsstelle werden wir als Stadtverwaltung handlungsstärker und schneller“, erwartet der Krefelder Oberbürgermeister.

„Stadttochter“ GGK will
Immobilien erwerben

Einen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Innenstadt legt laut Stadtverwaltung auch die Grundstücksgesellschaft Krefeld (GGK). Die städtische „Tochter“, geführt vom neuen Wirtschaftsdezernenten Eckart Preen, will zukünftig auch Investments in Innenstadt-Immobilien vornehmen und so ein aktives Ladenflächenmanagement betreiben – anstatt wie bisher ausschließlich Geschäftsimmobilien und Ladenlokale zu vermitteln.

Um diesen Bereich auch personell zu stärken, sucht die GGK gerade eine/n Projektentwickler/in mit klarem Fokus auf die Innenstadt. Die städtische Gesellschaft wird außerdem an der Lohstraße 25 (oberhalb des Restaurants „Mamma‘s“) im Frühjahr den sogenannten Coworking-Space „Urbanwork Krefeld“ auf einer Fläche von 570 Quadratmetern zuzüglich Eventfläche eröffnen. „Das wird für eine zusätzliche Belebung dieses Bereiches an Marktstraße und Behnisch-Haus sorgen“, glaubt Eckart Preen. Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing setzten sich außerdem während der Pandemie für den Einzelhandel ein: Auch in der zweiten Lockdown-Phase ermöglichten sie durch eigene Mittel die Fortsetzung der Social-Media-Kampagne „heimatshoppen.kr“, um auf Lieferangebote von Krefelder Einzelhändlern und Gastronomen aufmerksam zu machen, heißt es in einer Pressemitteilung.

IHK: Projekt „4Wälle“
als Teil des Aktionsplans

„Im ‚Aktionsplan Wirtschaft für Krefeld‘, den die IHK mit zahlreichen Akteuren erarbeitet hat, spielt das Thema Innenstadt eine große Rolle. Dazu gehört in erster Linie das Projekt ‚4Wälle‘“, betont Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Die vier Wälle seien ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem Krefeld punkten könne. Deshalb soll ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, um die Belebung, Schönheit, Erkennbarkeit und Vermarktbarkeit der vier Wälle zu stärken. „Sobald die kulturhistorische Analyse der Stadt vorliegt, müssen wir an dem Gesamtkonzept weiterarbeiten, von dem nicht nur die Wälle, sondern auch die von ihnen umschlossenen Bereiche und Fußgängerzonen profitieren werden.“

Verbesserung der Sauberkeit durch Projekt „Stadt.Fein“

„Die Ergebnisse der IFH-Studie zeigen auch, dass die Initiative ,Stadt.Fein‘ genau in die richtige Richtung geht“, sagt der Oberbürgermeister. Frank Meyer hatte Ende 2019 in Abstimmung mit Händlern und anderen Akteuren ein abgestimmtes Paket vorgestellt, um die Sauberkeit in der City zu verbessern. Die einzelnen Punkte stammen aus einem Maßnahmenkatalog, den die Innenstadt-Akteure an die Stadt herangetragen hatten. Häufiger als früher, so die Stadtverwaltung, werden nun Sitzbänke, Verweil-Inseln und Abfallbehälter gereinigt, Kaugummis entfernt sowie Müll in den Grünanlagen beseitigt. Es wurden 30 zusätzliche Abfallkörbe in der Innenstadt installiert. Diverse Schaltkästen, Schilder und Wandflächen wurden von Graffitis und Aufklebern befreit, unter anderem bei einer Aktion auf dem Neumarkt im April und im Umfeld des Behnisch-Hauses im Juli 2020.

Zudem wurde die Beleuchtung auf dem Neumarkt, der Marktstraße sowie am Platz An der Alten Kirche ergänzt beziehungsweise erneuert. Auch Krefelder Wahrzeichen wie die Dionysiuskirche und der Meister Ponzelar sowie der Brunnen auf dem Schwanenmarkt werden seitdem in den Abendstunden angestrahlt und so in Szene gesetzt. Zu dem Konzept gehört nicht zuletzt die Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) in der Innenstadt.

Initiative „Handeln und Helfen“ wird fortgesetzt

Mit dem Umzug der KOD-Zentrale ins Seidenweberhaus und damit an den Einsatzschwerpunkt Theaterplatz ist Ende des vergangenen Jahres ein weiterer Baustein des Konzepts „Handeln und Helfen“ umgesetzt worden. Ziel ist, die tatsächliche Sicherheit in Krefeld weiter zu erhöhen und das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken. Für Suchtkranke will die Stadt Krefeld gemeinsam mit den Sozialverbänden die bestehenden Hilfeangebote noch stärker ausbauen. Mit dem Konzept sind nicht nur ordnungs- und sozialrechtliche Themen als Schwerpunkte gesetzt, sondern auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen worden. So wurde beispielsweise der KOD von einst fünf auf 31 Stellen personell verstärkt. Red/WD