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Krefeld: Hülser Ehepaar muss auf Feier zur Diamant-Hochzeit warten

60 Jahre Ehe : Hülser Ehepaar muss auf Feier zur Diamant-Hochzeit warten

Gerda und Walter Hermes nehmen den Aufschub mit Humor.

Sie lacht gerne, dreht sich zu ihrem Mann, berührt seinen Arm. Er ist der ruhige Pol, sitzt gerade da und überlegt. Gerda und Walter Hermes erzählen im Wohnzimmer mit dem großen Fenster zum Garten hin. Sie haben sich in ihrem Leben, das sie komplett in Hüls verbrachten, alles erarbeitet: das Haus und die vielen Urlaubsreisen nach Ägypten, in die Niederlande und in die Karibik. Außerdem zogen sie drei Kinder groß. Am Samstag sind sie 60 Jahre verheiratet. Ihre Diamantene Hochzeit fällt anders aus als alle Hochzeitstage zuvor. „Da haben wir 60 Jahre lang jeden Sturm gemeinsam gemeistert und nun können wir wegen Corona die Diamantene nicht feiern“, sagt der 83-Jährige. „Doch wir holen alles nächstes Jahr im April nach: Die Messe in der Konventskirche und die Feier im Lokal in Tönisberg.“

Sie lächeln, wenn sie erzählen, wie sie sich kennengelernt haben, vor mehr als 60 Jahren im Vereinsheim beim damaligen Hülser Fußballclub (HFC). „Ich habe sie gesehen und fand sie gleich lustig und sehr nett anzusehen. Ich war sehr interessiert. Doch sie war mit einem anderen da.“

„Der Andere“ blieb nicht mehr lange. „Ich sah Walter drei Wochen später beim Pfarrfest von St. Anna“, erzählt die 84-Jährige. „Wir haben so lange getanzt, bis mein Freund auf die Tanzfläche kam. Doch bei der Damenwahl habe ich Walter aufgefordert. Er passte viel besser zu mir, ist ehrlich und hat sich gekümmert.“

Als sie dann Aussicht auf eine eigene Wohnung hatten, heirateten sie in der fast voll besetzten Kirche St. Cyriakus. Pfarrer Hermann Lunkebein hat diese Messe zelebriert ebenso wie die zur Silbernen und Goldenen Hochzeit. „Ich war ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß“, sagt sie und lächelt. „Sie war ein Traum“, ergänzt er. „Dass dies alles 60 Jahre her sein soll.“ In diesen Jahrzehnten ist viel passiert für die Bürokauffrau und den Metzgermeister. Es hätte auch anders kommen können, vielleicht mit einer internationalen Opernkarriere. Und das war so: Bei einer Fußballmeisterschafts-Feier hat Walter Hermes mit seinem Team im Vereinsheim gesungen. Zufällig war jemand von der Liedertafel dabei und hörte den Bass-Bariton. „Es war Ludwig Pitz, der Bruder von Wilhelm Pütz, dem Chorleiter der Bayreuther Festspiele. Er wollte mir sofort Gesangsstunden geben. Doch ich hatte kein Interesse.“

Pütz gab nicht nach, „bearbeitete“ ihn und die Eltern und hatte Erfolg. Wenige Monate später sang Hermes Solopartien bei der Liedertafel. Und es ging noch weiter: Den ersten Schritt ins Rampenlicht des Fernsehens machte er bei der 75-minütigen Talentshow mit Peter Frankenfeld innerhalb der Sendung Toi, Toi, Toi. Welcher Hülser ihn dafür vorgeschlagen hat, weiß er bis heute nicht. „Es war wie heute bei Bohlen. Ich war beim Casting in Köln, sang drei Takte 5000 Taler aus dem Wildschütz von Albert Lortzing und wurde abgewinkt. ,Das war`s`, dachte ich. Doch wenig später kam die Einladung. Eine Woche lang probte ich mit dem WDR-Orchester, ging mit Frankenfeld auf die Reeperbahn und er besuchte mich in der Metzgerei, um einen kleinen Film über mich zu drehen. Er war sehr nett.“

Nach der Sendung – er sang eine der für ihn schönsten Arien „Sie hat mich nie geliebt“ aus Don Carlos – kamen die Angebote. Die Bühnen in Hamburg, Köln und Dortmund warben um ihn. Doch er blieb Metzger. „Ich hatte drei Kinder und gebaut. Das Honorar der Häuser kam an meinen Verdienst in meinem Beruf nicht heran.“ Außerdem hätten sie dann umziehen müssen.

Es folgten viele Opernkonzerte, Rundfunkaufnahmen, Oratorien, und eine Platte hat er auch aufgenommen, „die irgendwo liegt“. Heute singt er bei Hochzeiten und in Altenheimen, „aber nur so lange die Stimme noch trägt“. Ob er am Samstag seiner Frau „Eine weiße Birke“ darbringt, ist noch offen. Wie Gerda und Walter Hermes den Samstag, den Tag ihrer Diamantenen Hochzeit, verbringen werden, wissen sie noch nicht. Die Kinder und vier Enkel haben sich Überraschungen ausgedacht. Eines wissen die beiden sicher: „Wir würden alles noch einmal so machen.“