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Krefeld: Heimtierboom während Corona beschert Fressnapf satten Gewinn

Umsatzplus von 351 Millionen Euro : Heimtierboom: Rekord für Fressnapf

Die Krefelder Tierbedarfkette wächst und investiert. Für die Mitarbeiter gab es einen Corona-Bonus.

In der Corona-Pandemie sind viele Deutsche neu auf den Hund gekommen. Oder auf die Katze. Oder auf ein Kaninchen. Allein 20 Prozent mehr Hunde wurden angeschafft. Im Homeoffice leisten sie Gesellschaft, für viele Alleinlebende ist ein Tier im Lockdown vielfach die einzige Begleitung. Die Fressnapf-Gruppe aus Krefeld hat davon profitiert und im Pandemie-Jahr „sämtliche geplanten Ziele deutlich übertroffen. Wir haben in unserem Jubiläumsjahr (30 Jahre) das größte absolute Umsatzwachstum der Geschichte erzielt“, berichtet Inhaber und Firmengründer Torsten Toeller im virtuellen Pressegespräch in Krefeld. „Niemand wächst stärker als Fressnapf“, sagt er selbstbewusst und kündigt an, dass die Heimtierbedarfskette in der erwarteten Konsolidierung der Branche vorne mitspielen will.

Doch zunächst der Blick zurück: 2020 setzte Fressnapf 2,65 Milliarden Euro um, 351 Millionen Euro mehr als im bereits starken Jahr 2019. „Mit unserer Strategie des Ökosystems haben wir das überlegene Konzept für die Zukunft und sind strategisch auf dem richtigen Weg“, ist Toeller überzeugt. Im Kernmarkt Deutschland wurden 1,57 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet – ein Plus von 167 Millionen Euro. Dabei gaben die Kunden durchschnittlich netto 23,90 Euro pro Einkauf aus, zwölf Prozent mehr als 2019. Besonders gefragt waren, so Geschäftsführer Johannes Steegmann, „alles, was es den Tieren zuhause schöner macht, wie Kissen, Kratzbäume sowie Spielzeug und Snacks“. Aber auch alles für den Spaziergang wie Leinen und ein neues Trackinggerät hätten sich gut verkauft. Und noch einen Renner gab es: Schermaschinen. Viele Hundehalter hätten wohl ihre Tiere selbst frisieren wollen, da auch die Hundefriseure geschlossen waren. „Vielleicht hat der eine oder andere Kunde das Gerät aber auch selbst genutzt“, sagt er schmunzelnd.

Fressnapf schüttet 2,5 Millionen Euro Corona-Bonus aus

Der bedeutendste Wachstumstreiber sei aber der Online-Kanal gewesen: Mit einem Umsatz-Plus von 45 Prozent beziehungsweise 50 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro sei der Plan deutlich übertroffen worden. Auch unter dem Strich habe der Konzern von dem kräftigen Umsatzwachstum profitiert, sagt Geschäftsführer Hans-Jörg Gidlewitz. Nähere Angaben zum Ergebnis macht das inhabergeführte Unternehmen traditionell nicht.

 Geschäftsführer Hans-Jörg Gidlewitz, Unternehmensgründer und -inhaber Torsten Toeller sowie Geschäftsführer Johannes Steegmann.
Geschäftsführer Hans-Jörg Gidlewitz, Unternehmensgründer und -inhaber Torsten Toeller sowie Geschäftsführer Johannes Steegmann. Foto: Yvonne Ploenes

„Dankbar und demütig“ zeigt sich Toeller im Hinblick auf das Engagement der fast 15 000 Mitarbeiter. „Sie haben einen sensationellen Job gemacht. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr einen steuerfreien Corona-Bonus von mehr als 2,5 Millionen Euro ausgeschüttet.“ 500 neue Stellen seien im vergangenen Jahr geschaffen worden.

Was aber macht das Unternehmen Fressnapf, das in Deutschland Marktführer ist, so erfolgreich? Toeller ist überzeugt von der Idee des „Ökosystems“. Fressnapf sei der „Umsorger“ für den Tierhalter, der ein „Rundum-Sorglos-Paket“ anbiete. Es gehe etwa um Beratung, gerade auch für neue Tierbesitzer. So habe man mehr Katzenexperten in den Märkten etabliert. Mit „Fellini“ biete das Unternehmen in den Märkten Hundefrisur und Fellpflege an, das Konzept „Activet“, Tierarztpraxen in den Märkten, werde nun verstärkt ausgerollt. Dazu bietet Fressnapf auch den virtuellen Tierarzt Dr. Fressnapf an. Dieser könne in vielen Fällen den Tierarztbesuch ersetzen, sagt Toeller. Und auch darüber, was passiert, wenn der Homeoffice-Boom nachlasse, hat sich der Firmengründer bereits Gedanken gemacht: Dogsitter oder Dogwalker dürften dann gefragt sein.

Haustierquote in Deutschland liegt bei 40 Prozent

Kann man nach einem solchen Rekordjahr eigentlich noch wachsen? Toeller sieht gute Chancen, auch in Deutschland. Die Haustierquote liege hierzulande mit 40 Prozent niedriger als in den USA (60 Prozent) oder in Großbritannien (50 Prozent). „Wir bleiben bissig.“ Im laufenden Jahr sei ein Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent und damit deutlich mehr als der Markt geplant. „Wir eröffnen mehr als 100 neue Standorte in Europa und rollen neue Online-Shops aus“, berichtet Toeller.

„Wir agieren weiter überaus offensiv und werden in diesem Jahr 70 Millionen Euro aus eigener Kraft investieren“, ergänzt Gidlewitz. „Im Retailgeschäft kommt keiner, ich wiederhole keiner, an uns vorbei.“ Mehr als 40 Millionen Euro will das Unternehmen in die Expansion von den mehr als 100 neuen geplanten Standorten in Europa stecken. Zusätzlich stünden Mittel für Akquisitionen bereit. Gut 30 Millionen Euro sollen zudem in die Expansion des Online-Kanals in allen elf Ländern der Fressnapf-Gruppe fließen.