Krefeld: Haus Ritte schließt trotz Stadt-Kompromiss

Gastronomie : Trotz Angebot: Haus Ritte schließt

Auch das Einschalten des Oberbürgermeisters hat nichts genützt. Pächterin geht nicht auf Stadt-Vorschlag ein.

Eigentlich sah es nach einem kleinen Hoffnungsschimmer für die Fans von Haus Ritte unter der Regie von Iwona Ritte aus: Am Donnerstagvormittag schickte die Krefelder Stadtverwaltung eine Mitteilung an die WZ-Redaktion, die einen „Kompromiss“ in der Parkplatz-Diskussion versprach. Wie berichtet (und in Leserbriefen kommentiert), hatte die Stadt vor einigen Wochen die Nutzung der Terrasse an der Moerser Landstraße untersagt. Knackpunkt waren fehlende Stellflächen. Die Pächterin kündigte daraufhin öffentlich an, die Gaststätte Ende Mai zu schließen.

Umso unerwarteter die aktuelle Botschaft aus dem Rathaus: „Die Außenterrasse der Gaststätte Haus Ritte in Verberg kann geöffnet bleiben.“ Und auch für die „fehlenden“ Stellplätze gebe es einen Lösungsvorschlag. Die Verwaltung hat der Betreiberin nach eigener Darstellung eine Ratenzahlung bei der „Ablösung“ von Parkplätzen angeboten. Eine solche „Ablöse“ bedeutet im Kern: Geld statt Stellflächen.

Sogar die Stadtspitze hatte sich in den Fall eingeschaltet: „Oberbürgermeister Frank Meyer hatte die Fachverwaltung beauftragt, den Vorgang nochmals zu prüfen und einen Lösungsvorschlag für den Betrieb der neuen Terrasse zu entwickeln. Damit sind aus Sicht der Verwaltung nun alle baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um den Betrieb Haus Ritte weiter zu führen“, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Es bleibt dabei:
Am Sonntagabend ist Schluss

In der Sache genützt hat es gleichwohl nichts. Denn Iwona Ritte bleibt bei ihrem Entschluss, den sie unserer Zeitung schon Ende April mitgeteilt hatte: Zum 26. Mai ist Schluss. „Die Entscheidung ist endgültig“, sagt sie im erneuten Gespräch mit der WZ. Den Mitarbeitern sei bereits gekündigt worden. Am Sonntagabend schließt sie zum letzten Mal die Restauranttür ab. Dankbar äußert sie sich über die große Unterstützung durch Gäste, spricht von angebotenen Petitionen und Unterschriftenlisten. Auch wenn die Parkplatz-Auflagen ihr zufolge nicht der einzige Grund für ihren Ausstieg aus der Verberger Gastronomie ist, war er doch „entscheidend“.

Für den außenstehenden Beobachter ist die Kommunikation zwischen Gastronomie und Behörde im Nachhinein schwer zu entwirren. Laut Stadt (zuständig ist der Fachbereich Bauordnung) stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar: Im Dezember 2017 hatte die damals neue Betreiberin der Gaststätte einen Bauantrag zur Erweiterung der bestehenden Terrasse für die Außengastronomie eingereicht. „Gemäß der Ende März 2018 erteilten Baugenehmigung waren bis zur Fertigstellung des Vorhabens insgesamt 22 notwendige Stellplätze einschließlich zwei Behinderten-Stellplätze auf dem Grundstück nachzuweisen.“

Wichtig: 20 davon hätten bereits zur Verfügung gestanden. Es mussten also lediglich zwei fehlende Stellplätze auf dem Grundstück „hergestellt werden“. Diese hätten sich demnach auch im Innenhof befinden können – „so wie es zunächst beantragt worden war“. Dann wären alle insgesamt erforderlichen 22 Stellplätze vorhanden gewesen. „Allerdings befinden sich im Innenhof Pflanzbeete, die die Antragstellerin dann im Nachhinein doch erhalten wollte.“

Deshalb habe man sowohl auf die Möglichkeit der Ablösung dieser beiden Stellplätze als auch auf die Möglichkeit des Nachweises auf einem Fremdgrundstück hingewiesen. „Dieses war jedoch von der Antragstellerin abgelehnt worden.“ Fest steht das Angebot der Stadt: Insgesamt 9000 Euro Ablöse (je 4500 Euro pro fehlendem Stellplatz) hätten „abgestottert“ werden können.

Ihre berufliche Zukunft lässt Iwona Ritte im Gespräch offen. Mit dem Traditionshaus an der Moerser Landstraße soll es auf jeden Fall gastronomisch weitergehen. Nach WZ-Informationen wird bereits eine Nachfolge gesucht.

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