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Krefeld hat den größten Kunstankauf der Nachkriegszeit umgesetzt.

Kunstankauf : Kunst rückt Krefeld in den Blickpunkt

Die Stadt hat den größten Ankauf für ihren Museen seit dem Zweiten Weltkrieg umgesetzt. Die Werke von Sonia Delaunay haben eine enge Verbindung zu Krefeld.

Glücklich. Stolz. Dankbar. Diese Worte waren am Donnerstag im Kaiser-Wilhelm-Museum oft zu hören. Die Stadt Krefeld hat mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Landes Nordrhein-Westfalen sowie mit Hilfe privater Förderer ihren größten Kunstankauf der Nachkriegszeit realisiert. Aus Privatbesitz wurde für die Kunstmuseen Krefeld die deutschlandweit umfangreichste Sammlung mit Werken der Künstlerin Sonia Delaunay erworben. Es handelt sich um 100 farbige Arbeiten auf Papier, hauptsächlich aus den 1920er- und 1930er-Jahren. 650 000 Euro wurden investiert.

Oberbürgermeister Frank Meyer spricht von einem „spektakulären Schritt“, der auch die besondere Bedeutung der Krefelder Kunstmuseen für die Stadt unterstreiche. Und der Ankauf, den die Stadt mit 180 000 Euro unterstützt, sei keine Eintagsfliege: Seit 2015 sei der Ausstattungsetat für die Museen von 120 000 auf 242 000 Euro verdoppelt worden, den Etat für Restaurierungen habe man von 4000 auf 54 000 Euro gesteigert. Dadurch und durch die vielen Aktionen zum Bauhausjahr wolle man erreichen, dass Krefeld in der internationalen Wahrnehmung steigt.

Auch ein Vorhang-Fragment
gehört zur Sammlung

Der Unternehmer Jan Kleinewefers spricht von einer „Renaissance von Krefeld“ – die er selbst sowie Christoph Tölke mit privaten Mitteln für den Ankauf unterstützt haben. Bei dem Konvolut handelt es sich um eine Sammlung von gezeichneten Textilentwürfen, die ursprünglich von dem französischen Seidenhersteller Robert Perrier erworben wurde. Ergänzend haben die Kunstmuseen ein Textil-Musterbuch des Unternehmens Bradford & Perrier mit rund 900 Stoffmustern aus den Jahren 1920 bis 1936/41 erhalten – unter anderem mit Entwürfen von Sonia Delaunay. Auch ein Fragment eines von ihr handbemalten Vorhangs aus der Privatwohnung Perriers ist nach Krefeld geholt worden.

Es gibt viele Verknüpfungen zwischen den Werken und Krefeld

Die Werke gehörten zuletzt der Sammlerin François Knabe, die aus München angereist war. Wie sie berichtet, habe sie diese zwischen 1993 und 2012 von Marie-Jacques Perrier, der Tochter von Robert Perrier, erworben. An das erste Treffen in der Wohnung der Perriers am Montmartre kann sie sich gut erinnern: Diese sei noch exakt wie in den 1920er Jahren eingerichtet gewesen. Von der Kunst Delaunays war sie „sofort hingerissen“.

Deren besondere Bedeutung für die Sammlung in Krefeld hebt Museumsdirektorin Katia Baudin hervor. Mehr als zwei Jahre hatte sie daran gearbeitet, die Werke zu erwerben. Einige waren schon in großen Ausstellungen zu sehen, viele seien aber weitgehend unbekannt. Mit ihrer Verbindung von freier und angewandter Kunst knüpften sie an die Geschichte des Hauses an, das 1897 von Krefelder Bürgern als Museum für Kunst und Kunstgewerbe gegründet wurde. Die Neupositionierung des Museums werde durch den Ankauf unterstützt, das Sammlungsprofil nationalen Ranges gestärkt.  Gleichzeitig wird an die Gründungsgeschichte des Hauses angeknüpft und ein roter  Faden zwischen den Seidenstädten Krefeld und Lyon gesponnen.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft, hat den Ankauf von Anfang an begleitet – anfangs noch im Berlin als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder. Sonia Delaunay ist aus ihrer Sicht „enorm bedeutend für die klassische Moderne“. Der Krefelder Bestand in diesem Bereich wird nun deutlich erweitert.

Werke von Sonia Delaunay werden schon in diesem Jahr in zwei Ausstellungen präsentiert: Ab 7. Juni, wenn es unter dem Titel „Fokus Sammlung“ auf die Spuren des Bauhauses geht. Und ab 10. November in der Ausstellung „Folklore & Avantgarde“.

Schon am kommenden Montag, 11. Februar, gibt es aber die einmalige Chance, eine repräsentative Auswahl aller Neuerwerbungen zu sehen. Diese werden nämlich von 17 bis 21 Uhr im Kaiser-Wilhelm-Museum gezeigt. Der Eintritt zu der Besichtigung ist frei. Um 19 Uhr gibt es zudem einen Festvortrag von Professor Ulrich Krempel über Sonia Delaunay.